Zwischen Vulkanen und Wäldern

Wer an Vulkanlandschaften denkt, ruft sich meist die Bilder der bizarren Felsformationen Lanzarotes oder der Geysire Islands in den Sinn. Dabei befindet sich zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz eine Region, deren Schönheit dem Vulkanismus zu verdanken ist – die Eifel. Wenn Nebel durch die Wälder wabert und die Maare wie verwunschene Seen daliegen, hat der Herbst Einzug gehalten. Für uns genau die richtige Jahreszeit zum Wandern.

Blick ueber das Maar

Ziel unserer ersten Wanderung sind die Dauner Maare: das Gemündener-, Weinfelder- und Schalkenmehrener Maar. Entstanden sind die circa 20.000 bis 30.000 Jahren alten wassergefüllten Trichter durch das explosive Aufeinandertreffen von Magma und Grundwasser. Kurz hinter dem Wanderparkplatz liegt das Weinfelder Maar in seiner vollen Schönheit: es hat einen Durchmesser von mehr als 500 Metern und ist mit 51 Metern das tiefste der drei Dauner Maare. Auch ohne Wanderkarte findet man leicht seinen Weg  zum nahegelegen Mäuseberg,  auf dessen Gipfel der elf Meter hohe Dronketurm thront.

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Seinen Namen erhielt der 1913 errichtete Aussichtsturm in Gedenken an den Lehrer Dr. Adolf Dronke – den Gründer des Eifelvereins. Dr. Dronke wollte durch die Belebung des Wandertourismus in der Region, sowohl eine Einnahmequelle für die arme Region als auch eine Freizeitbeschäftigungen für die hartarbeitende Bevölkerung schaffen. Bis heute zählt der Eifelverein e.V. zu einem der größten Wandervereine Deutschlands. Wer die Eifel nicht auf eigene Faust erobern möchte, kann sich auch von einem durch den Eifelverein ausgebildeten Wanderführer leiten lassen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause auf dem Dronketurm, von dem man bei gutem Wetter bis zum Hunsrück blicken kann, folgt der Abstieg zum Gemündener Maar durch einen hochgewachsenen, dichten Buchenwald. Am Rande des Maars liegt wohl eines der  idyllischsten Naturfreibäder des Landes, das in der Badesaison von Mai bis September zum Entspannen und Schwimmen einlädt. Während der Abstieg zum Gemündener Maar uns kaum ins Schwitzen gebracht hat, birgt der Rückweg auf die Höhe die erste steile Etappe unseres Ausflugs. Belohnt werden wir mit einem Blick über den nebelverhangenen Wald.

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Am Wegesrand liegt eine Hütte des Dauner Skivereins, der im Herbstwetter eine gewisse Trostlosigkeit ausstrahlt. Unsere weitere Eifel-Wanderung geht an einem aktiv genutzten Steinbruch entlang, der meinen Gärtner zu einer kleinen Studie des schweren Geräts einlädt. Ich genieße den Blick auf die selig grasende Schafsherde in einer mobil eingezäunten Weide. Querfeldein kürzen wir unseren Rückweg zum Weinfelder Maar ab.

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Wie schon der Ski Club Daun verweisen auch Schilder am Rande der Wasserfläche auf kalte, teilweise schneereiche Winter in der Mittelgebirgsregion. Während in kalten Wintern die Maare sogar eine Eisfläche bilden können, können wir im Herbst noch den Blick auf das klare, Wasser genießen. Das Licht erzeugt ein faszinierendes Farbenspiel auf der Wasseroberfläche. Die noch grünen Blätter der Bäume, spiegeln sich in der türkisen Oberfläche.

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Während uns nur wenige Wanderer und Spaziergänger auf unserem Ausflug begegnen, schenken uns die tierischen Bewohner zum Abschied noch einmal ihre volle Aufmerksamkeit. Auf dem weitläufig umzäunten Gebiet um das Weinfelder Maar lebt eine kleine Herde von Eseln und Ziegen, die sich je nach Laune von den Menschen anfassen lassen. Snacks für die Vierbeiner sind natürlich nicht gestattet, schließlich ist das Nahrungsangebot im Naturschutzgebiet um das Maar reichhaltig. Wer Angst vor den Tieren haben sollte, kann ihnen aber auch ohne große Mühen aus dem Weg gehen.

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Da wir das Schalkenmehrener Maar schon im vergangenen Winter besucht haben, verzichten wir dieses Mal auf einen Abstieg zu dem kleinsten und flachsten der drei Dauner Maare. Das Schalkenmehrener Maar ist ein sehr artenreiches Gewässer. Ob Aal, Hecht oder Barsch – viele Fische tummeln sich in dem 21 Meter tiefen Nass. Am Rande der Wasserfläche ist Schilfröhricht zu finden, an manchen Stellen kann man zur richtigen Jahreszeit auch eine Schwertlilie entdecken. Empfehlenswert ist ebenfalls ein kleiner Gang durch das Dörfchen Schalkenmehren, das mit vielen Schnitzereien in Herbst und Winter etwas magisches ausstrahlt.

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Am nächsten Tag unserer Reise in die Vulkaneifel zieht es uns in das kleine Dörfchen Neroth. Entlang Neroths verläuft einer der bekanntesten Wanderwege der Region: der Eifelsteig. Unser Ziel ist der Hausberg des Ortes, der Nerother Kopf. Ein 651 Meter hoher Berg, bei dem es sich um den Kegel eines erloschenen Vulkans handelt. Auch die Umgebung um den Nerother Kopf ist geprägt durch dicht gewachsene Buchenwälder, die uns den Nieselregen bestmöglich vom Leibe halten.

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Beim Blick auf den Berg, reißt sogar für eine kurze Zeit der verhangene Himmel auf. Auch wenn der Anstieg bis zur Kuppe nicht allzu anspruchsvoll ist, sollte man bei dieser Tour nicht auf gutes Schuhwerk verzichten, zu leicht ist die Möglichkeit auf dem steilen Waldboden auszurutschen. Deutlich schweißtreibender als die Route um die Dauner Maare ist der Weg auf den Nerother Kopf alle Mal – aber die Mühen lohnen sich. Auf dem Gipfel wartet, die Ruine der sogenannten Freudenkoppe. Hierbei handelt es sich um die Reste einer Burg die Mitte des 14. Jahrhunderts aus Lavagestein errichtet wurde. Spannend ist, dass die Burg auf einer Höhle aufgesetzt wurde, in die man einen kurzen Blick werfen kann. Darüber hinaus sind auf dem Gipfel auch Sitzmöglichkeiten vorhanden, gerade richtig für unsere Brotzeit, die wir uns nach 2 1/2 Stunden mehr als verdient haben. Zurück nehmen wir den Weg durchs Dorf, das wohl mit einem der kuriosesten Museen der Umgebung dienen kann: dem Mausefallen Museum. Bis in die Nachkriegsjahre hinein war das kleine Neroth nämlich nicht nur für seine Lage am Rande des Eifelsteigs bekannt, sondern auch für die Produktion von Mäusefallen. Im Café und Restaurant Mausefalle, nur wenige Meter vom Museum entfernt, beenden wir unsere Wanderung. Diese sehr liebenswert gestaltete Gastronomie bietet neben hausgemachtem Kuchen bester Qualität, auch kleine und große Gerichte zu fairen Preisen. Für uns genau der richtige Abschluss eines eindrucksreichen Wanderwochenendes.

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