Wurmkompost Teil 1: Über den Bau einer Wurmfarm

Seit über einem Jahr träume ich von einem Wurmkompost auf dem Balkon. Allein die Vorstellung, die Bioabfälle nicht mehr verschwenderisch in den Restmüll werfen zu müssen und stattdessen gewinnbringend in „schwarzes Gold“ und Flüssigdünger umwandeln zu können! Geschenkt, Geduld ist gefragt und einen Großteil des Gewinns werde ich an andere Balkon- und Garteneigentümer abgeben müssen. Aber allein die Neugierde – funktioniert das wirklich?!

Der Prozess war lang, die Entscheidungen träge: Welches Material? PVC (hygienisch einwandfrei, aber was ist mit Weichmachern?), Holz (als nachwachsender Rohstoff unter den richtigen Bedingungen ökologisch sinnvoller, aber weniger hygienisch) oder doch PVC? Wie baut man so eine Kiste? Wie bereitet man Kompostwürmern ein schönes, muckeliges Heim? Es muss auf jeden Fall fix und fertig sein, wenn sie ankommen!

Dieser Blog bot nun den Anlass, das Projekt endlich umzusetzen. Anregung und Anleitung zum Bau einer Wurmkiste (aus Holz) fand ich im taschenGARTEN von 2015, einem tollen Kalender mit vielen praktischen Tipps für aktive Gärtner, herausgegeben von der GartenWerkStadt Marburg. Allerdings machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich nahm eine Abkürzung. Warum schwer, wenn es auch leicht geht? Ich besorgte eine große, unbehandelte Holzkiste (FSC-zertifiziert) im Baumarkt. Als ich Löcher in die dünne Spanplatte bohrte, die sich Boden nannte, hätte ich es schon ahnen können. Sie splitterte wie verrückt und bog sich mit jedem Loch. Egal! Ich baute einen Deckel aus einer einfachen Holzplatte und zwei Kanthölzern, bereitete in der Kiste ein Bett aus Kokosfasern vor und fertig. Teil 1 des Projekts war für abgeschlossen erklärt, die Postkarte verschickt, mit der ich die Lieferung der Kompostwürmer (Eisenia foetida oder charmanter: „Tennessee Wiggler“) konkret anforderte.

Drei Tage später waren sie da: Als ich abends nach Hause kam, stand vor der Tür ein erstaunlich kleines, handliches Paket, dass einen weißen, verschnürten Plastiksack enthielt. Im Plastiksack waren annähernd 500 Kompostwürmer und etwas Mist als „Reiseproviant“. Ich hatte mehr erwartet. Behutsam gab ich sie in die Kiste und fügte als erste Mahlzeit im neuen Heim die biologischen Küchenabfälle des abends hinzu.

Bis zum nächsten Morgen waren Ameisen in die Kiste eingezogen. Von den Würmern kaum eine Spur. Sie hatten sich ins Dunkel zurückgezogen. Am Abend des ersten, richtigen Tages hatten sich die Würmer an die Seiten der Kiste „gewiggelt“. Ich dachte mir nichts dabei – schließlich wusste ich, dass sie noch dabei waren, sich einzuleben.

Der zweite Morgen bot ein Desaster. Ein grauenhafter Anblick erwartete mich auf dem Balkon: Überall auf dem Boden verteilt lagen kleine, trockene Körperchen, einige, wenige lebten noch! Durch Gewicht und Feuchtigkeit hatte sich der Boden der Kiste nach unten durchgebogen, sodass die Würmer über Spalten zwischen Boden und Seitenwänden entkommen konnten! Ich fühlte mich schlecht. Die armen Tiere. Nicht nur mussten sie sich in einer neuen, fremden Umgebung zurechtfinden. Ich vermute, einige waren vielleicht auch den Vögeln des Innenhofs ein gefundenes Fressen gewesen.

Ich sammelte ein, was ich einsammeln konnte und beseitigte, was beseitigt werden musste. Die Ränder der Kiste klebte ich provisorisch mit Klebeband zu. Meine „schlaue“ Abkürzung hatte nicht funktioniert, ich war trotz langer Vorfreude letztlich doch zu ungeduldig gewesen. Also musste ich nochmal ran und eine richtige Kompostwurm-Holzkiste bauen. Und das geht so:

 

Material für eine Kiste (Maße: 60x40x20 cm):

2x Brett 600x400x20 mm (als Boden und Deckel)

2x Brett 600x200x18 mm (als lange Seitenwände)

2x Brett 364x200x18 mm (als kurze Seitenwände)

4x Kanthölzer 360x10x10 mm (für Deckel und Boden je 2)

Holzschrauben, 3,0 x 35 m („Viele!“)

Dünne Nägel, ca. 30 mm („Viele!“)

Torffreie Erde oder Kokosblock als Füllmaterial

Filzmatte oder Zeitungspapier zum Abdecken des Materials

Standard-Kunststoffkiste aus dem Baumarkt (60x40x10 cm) als Auffangbecken für Flüssigkeiten (alternativ kann man natürlich eine zweite Holzkiste ohne Löcher im Boden bauen)

 

Werkzeug:

Hammer

Bohrmaschine

Akkuschrauber

Geodreieck

Bleistift

Material 160702_Wurmkiste_IMG_1254

Anleitung:

  • Die langen Seitenwände (2x 600x200x18 mm) und kurzen Seitenwände (2x 364x200x18 mm) mit dem Boden (1x 600x400x20 mm) durch dünne Nägel verbinden. Für mehr Stabilität habe ich zwischen die Nägel noch Schrauben gesetzt. Bitte nicht irritieren lassen von den Löchern, die auf den Bildern bereits im Boden zu sehen sind – schließlich war der erste Plan, bei der Baumarkt-Kiste nur den Boden zu ersetzen…

160702_Wurmkiste_IMG_1262 160702_Wurmkiste_IMG_1263

  • Mit dem Akkubohrer die langen Seitenwände mit den kurzen Seitenwänden an allen vier Ecken verschrauben. Auch hier können zur Verbindung weitere Nägel dazwischen gesetzt werden. Ich habe es leider wieder nicht gemacht und es macht sich bemerkbar: die Löcher für die Schrauben sollten vorgebohrt werden!

160702_Wurmkiste_IMG_1266

  • Die Kiste mit dem Boden nach oben drehen. An jeder kurzen Seite ein Kantholz mit 2 cm Abstand zum Rand auf den Boden nageln. Die Nägel sollten weniger als 3 cm lang sein, damit sie nicht in die Kiste hineinragen.
  • Mit Geodreieck und Bleistift im Abstand von 5 cm gleichmäßig Löcher auf dem Kistenboden vorzeichnen. Mit der Bohrmaschine die Löcher mit einem Durchmesser von 5 mm in den Boden der Kiste bohren. So kann die Flüssigkeit, die sich im Kompostierungsprozess bildet, abfließen und die Würmer können später zwischen den Kisten aufsteigen.

160702_Wurmkiste_IMG_1275

  • Für den Deckel die anderen zwei Kanthölzer mit einem Abstand von 2 cm von den kurzen Seiten unter das zweite Brett (600x400x200 mm) nageln. Auch hier sollte die Länge der Nägel 3 cm nicht überschreiten, damit sie nicht durch den Deckel hindurchragen. Der Deckel sollte nun genau in die Kiste passen.

160702_Wurmkiste_IMG_1277 160702_Wurmkiste_IMG_1280

  • Die Kiste auf das Auffangbecken stellen – fertig! Jetzt fehlt nur noch die Inneneinrichtung.

 

Und nun?

  • Die Würmer werden in die Kiste auf ein Bett aus ungedüngter, torffreier Erde gesetzt (Aussaaterde oder Kokosblocks). Um ausreichend Platz zu haben, sollten 500 Würmer in mindestens 6 Liter Erde gesetzt werden. Die Erde muss angefeuchtet aber nicht nass sein.
  • Damit die Oberfläche nicht anfängt zu schimmeln, legt man auf das Futter eine feuchte Hanf- oder Filzmatte. Eine angefeuchtete, dünne Lage Zeitungspapier funktioniert auch.
  • Im Laufe der Zeit sollte eine zweite Kiste entstehen damit immer eine Kiste geleert werden kann während die Kompostwürmer in der anderen Kiste wohnen.
  • Ich habe die Kompostkiste auf ein Rollbrett gestellt, damit ich sie bei Bedarf auf dem Balkon leicht verschieben kann.

Eine gute Quelle für Infos und Anleitung ist der Artikel „Kompostieren im Haus?!“ aus dem taschenGARTEN 2015, Hrsg. GartenWerkStadt Marburg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.