Wer die Saat hat: gut sortiert in die neue Saison

Der Frühling kommt, die Gartensaison 2018 hat begonnen und am kommenden Samstag, dem 10. März findet im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf-Bilk wieder das Saatgutfestival des VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V.) statt! Grund genug für einen Frühjahrsputz in meinem Saatgutschränkchen. Denn die Versuchung, sich bis über beide Ohren neu einzudecken ist unwiderstehlich.

Kriterien für die Sortierung

Ich stelle das Schränkchen auf den Tisch, hole alle Tüten raus und sortiere grob vor. Kriterien sind dabei das Haltbarkeitsdatum (sofern vermerkt), selbstgesammelt, getauscht oder gekauft, Hybrid- oder samenfestes Saatgut. Bereits jetzt wird mir einiges klar und überrascht mich teilweise dann doch. Erstens, die vielen wirklich leeren Saatguttüten… Zweitens die Erkenntnis, dass ich über die Jahre doch auf Bio, vor allem aber überwiegend auf samenfestes Saatgut umgestiegen bin. Denn fast alle Tüten mit Hybrid-Saatgut der gängigen Firmen Kiepenkerl und Sperli sind längst abgelaufen!

Erste Sortierung: Von leeren Tüten über selbstgesammelt zu samenfest und Hybriden
Erste Sortierung: Von leeren Tüten über selbstgesammelt zu samenfest und Hybriden

Samenfest oder Hybrid? Bio oder konventionell?

Ein genauerer Blick auf die Tüte lohnt sich und bringt weitere Erkenntnisse: Bingenheimer Saatgut schreibt explizit, dass keine Hybrid-Sorten geführt werden und dass ohne Gen- und Biotechnologie gearbeitet wird. Auch Dreschflegel arbeitet nach diesen Prinzipien. Eine große Überraschung ist das nicht, denn beide tragen das Demeter-Zeichen, was ein Garant für biologisch-dynamisch erzeugtes Saatgut ist. Überraschender ist der Blick auf den Alnatura Schmetterlingsgruß von dm, denn auch dieser wurde von Bingenheimer Saatgut gestellt! Hinweis auf eine Hybride ist der Zusatz “F1” im Sortennamen. Es ist das Kürzel für “Filialgeneration 1”.

Zu finden ist auch die Kennziffer der jeweiligen Kontrollstelle für das EU-Bio-Siegel. Die Kennziffer setzt sich aus drei Teilen zusammen, etwa DE-ÖKO-007. DE ist die Länderkennziffer für Deutschland, ÖKO steht für ökologische Produktion (auch bio/org/eko) und 007 für die eigentliche Kontrollstelle, hier der Prüfverein Verarbeitung Ökologische Landbauprodukte e.V. in Karlsruhe. Die Einhaltung der EG-ÖKO-Verordnung wird jährlich geprüft. Die Kontrollstellen prüfen häufig auch nach den Richtlinien anderer Ökosiegel, wie Demeter, Bioland oder Naturland.

In den letzten Zügen

Weiterhin erschleicht mich das Gefühl, dass sich nicht alle Fragen, die auftauchen auf Anhieb beantworten lassen. Was ist zum Beispiel mit anderen Firmen, die Bio-Saatgut herstellen, wie de Bolster, die etwa in meinem Biomarkt verkauft werden? Ist in der Bio-Saatgutproduktion auch die Herstellung von Hybrid-Saatgut zugelassen? Im Netz finde ich, dass es sich bei De Bolster um einen Familienbetrieb handelt, der biologisch-dynamisch unter dem Demeter-Siegel arbeitet. Er kauft aber auch Saatgut aus “nur” biologisch arbeitenden Betrieben verkauft. Was heißt das genau? Und wenn wir schon bei Demeter angelangt sind, was ist mit dem Bioland-Siegel? Für’s erste müssen die Fragen hinten angestellt werden – mit Sicherheit werde ich ihnen aber noch nachgehen.

Zu guter letzt merke ich, wie wichtig es ist die Tütchen mit dem Erntejahr des Saatguts zu beschriften! Wie finde ich heraus, ob es noch haltbar ist? Ich lege ganz konkret einen Keimfähigkeitstest an.

Ist das Saatgut noch keimfähig?
Ist das Saatgut noch keimfähig?

 

Test zur Keimfähigkeit
Test zur Keimfähigkeit

Für das Saatgut, das ich bisher in Gläser gesammelt habe, bastele ich noch einfache Saatguttüten aus Schmierpapier.

Schnelle Saatguttüten selbst gemacht.
Schnelle Saatguttüten selbst gemacht.

Zum Abschluss stehe ich wieder dort, wo ich zu Beginn stand: Ich sortiere. Sechs Schubladen habe ich von denen eine immer für Saatgut reserviert ist, das in der laufenden Saison zum Einsatz kommt. Die weiteren fünf teile ich auf wie folgt: (1) Blumen, (2) Salate, Blattgemüse, Lauchgewächse, (3) Wurzelgemüse und Leguminosen, (4) Nachtschattengewächse, Kürbisgewächse und (5) Kräuter. Die Schubladen werden beschriftet, die Tüten wieder einsortiert und fertig: Das Saatgutfest und die neue Saison können kommen!

Sortiert und beschriftet - die neue Saison kann kommen!
Sortiert und beschriftet – die neue Saison kann kommen!

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