Tschüß Tomaten – Willkommen Winterportulak!

Die Tomaten- und Gurkensaison ist endgültig beendet. Die letzten grünen Exemplare sind in den Schuhkarton in der Küche gewandert, wo wir sie zum Nachreifen lagern. Die Pflanzen sind zerkleinert worden und mein Gärtner hat den Grünschnitt für mich weggebracht. Ganz schön traurig sieht mein Lieblingsplatz jetzt aus. Doch lange soll mein Balkon nicht kahl bleiben, denn in diesem Jahr zieht zum ersten Mal eine essbare Winterbepflanzung in die verwaisten Töpfe. Tschüß Tomaten – Willkommen Winterportulak!

Die letzte Tomatenernte

Feldversuch – essbare Winterbepflanzung

Winterportulak ist nur einer der vielen Namen, die der neue Bewohner auf meinem Balkon trägt, er ist auch bekannt als gewöhnliches Tellerkraut oder Postelein. Ich habe die Sorte „Montia Perfoliata“ ausgesät, die für den Winteranbau geeignet ist. Auch wenn ich mit meiner Aussaat etwas spät dran bin, hoffe ich, dass ich aufgrund milder Witterungsverhältnisse auf meinem Südbalkon gute Ergebnisse erzielen werde. Die Samen sind in zwei Behältnisse gewandert: den Terrakotta-Kasten in dem ich zuvor Kopfsalat gezogen habe und einen großen Topf indem zuvor die Tomate Blackplum zuhause war. Die Erde des Salatbehältnisses habe ich nur von den größten Wurzeln befreit und mit etwas neuer Erde versorgt, da sowohl Kopfsalat, als auch Portulak zu den Schwachzehrern gehören, sollten noch genug Nährstoffe im Boden stecken. Beim Tomatenbehältnis war ich mit der Aufarbeitung der Erde etwas großzügiger und habe mehr neuen Boden dazugegeben, schließlich hat die Tomate als Starkzehrer ordentlich zulangt. Der Winterpostelein soll sowohl als Salat, als auch als Spinatgemüse genutzt werden können. Neben einer Ernte bis in den späten November hinein, überwintert der Winterportulak auch und kann noch mal im Frühjahr beernet werden, bevor er in die Blüte geht und neues Saatgut gewonnen werden kann.

Saatgutvielfalt auch im Winter

Das Saatgut für den Winterportulak habe ich im Frühjahr auf der Saatgutbörse in Düsseldorf gegen eine kleine Spende erhalten. Es stammt von dem Verein Bergische Gartenarche, der sich für die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt einsetzt. Gegründet wurde die Bergische Gartenarche Anfang der 2000er durch Initiative der bekannten Autorin Marie-Luise Kreuter, deren Buch “Der Bio-Garten: der praktische Ratgeber für den naturgemäßen Anbau von Gemüse, Obst und Blumen” zu den absoluten Standardwerken im gartenaffinen Bücherregal gehört. Mehr als 1000 Paten erhalten und züchten für den Verein alte Nutzpflanzen in ihren Gärten und gewinnen das Saatgut, um es mit anderen Gärtnern zu tauschen. Jedes Frühjahr sucht der Verein neue Paten im Bergischen Land, um die Artenvielfalt zu erhalten. In diesem Jahr haben z.B. die Buschbohne Onkel Friedrich oder die Erbse Alte Weiber neue Kümmerer gefunden.

Spinat – ein winterfester Liebling

Neben Winterportulak habe ich auch noch Spinat der Sorte “Verdil” ausgesät. Da diese Spinatsorte auch noch bis 2°C keimt, bin ich frohen Mutes, dass es noch was werden könnte. Sollte es leider doch zu spät gewesen sein, habe ich auch im März noch mal eine Chance, da ich den Spinat als Winter- und Frühjahrkultur nutzen kann. Untergekommen ist der Spinat in dem Topf des wunderbaren Algiersalats, der mich mit seiner lila Blüte noch bis spät in den September begeistert hat. Die Spinat-Sorte Verdil soll große kräfige Blätter ausbilden und starken Wachstum aufweisen. Da das Saatgut von Demeter stammt, besteht auch hier die Möglichkeit der eigenen Nachzucht.

Spinat zur essbaren Winterbepflanzung

Jetzt heißt es in den nächsten Wochen warten und regelmäßig die Erde feucht halten. Wenn es nicht gelingen sollte, werden im Frühjahr sowie im kommenden Winter neue Versuche gestartet, denn von kleinen Misserfolgen lasse ich mich doch nicht aufhalten. Das Experimentieren, Wiederholen und Nachforschen ist eine der größten Freuden des Balkongärtner-Daseins. Während ich auf die ersten kleinen Pflänzchen warte, genieße ich noch den Blick auf die letzten Blüten in diesem Jahr, die noch einmal ihr Bestes geben, bevor Herbst und Winter endgültig die Überhand gewinnen.

Zitronen-Tagetes in den letzten ZuegenDie letzten Blueten

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