Veranstaltungstipp: Saatgutfestival Düsseldorf

Saatgutfestival Düsseldorf

Pünktlich zum Frühlingsanfang, wenn das Aussäen und Vorziehen beginnt, findet das Saatgutfestival Düsseldorf statt. Für Sarah und mich ist diese Veranstaltung seit mehreren Jahren ein fester Termin – geradezu ein kleiner Feiertag. Damit auch ihr die Chance bekommt, das Saatgutfestival zu besuchen, hier die Vorbesprechung von Von & Zu Grün.

Saatgutfestival Düsseldorf: Was steckt dahinter?

Vielfalt, Ökologie und Umweltschutz, das sind die drei zentralen Themen, die auf dem Saatgutfestival Düsseldorf im Mittelpunkt stehen. Das Ziel der Veranstaltung ist es Hobbygärtnern, Terrassenbesitzern und Balkonbegrünern Zugang freiem Saatgut zu ermöglichen. Zahlreiche Vereine, Privatleute und Initiativen bieten alte, in Vergessenheit geratene Sorten an. Darüber hinaus wird nicht nur Saatgut, sondern auch eine Menge Wissen über den Anbau und den Erhalt von Nutzpflanzen weitergegeben. Das Saatgut, das auf dem Festival gegen eine kleine Spende erworben werden kann, ist von keinem großen Saatgut-Hersteller wie Monsanto oder Bayer lizensiert und kann ohne Probleme weiter vermehrt werden. Es handelt sich um samenfeste Sorten und keine Hybrid-Pflanzen, weshalb die Pflanzen auch in der nächsten Generation ihre Merkmale behalten.

Saatgutfestival Düsseldorf: Freies Saatgut für private Gärtner
Tomatensamen beim Trocknen

Was bietet das Saatgutfestival Düsseldorf?

Das Saatgutfestival Düsseldorf beginnt in diesem Jahr mit einem Gesangs-Flashmob der Gruppe  EcoMujer. Mit Witz soll das Thema Patent auf Leben besungen werden. Anschließend geht es  mit der Eröffnung des „Markt der Vielfalt“ ans Eingemachte: Hier stellen sich zahlreiche Initiativen und Gruppen vor, die das Thema Umwelt und Vielfalt verbindet. Wer in seiner Freizeit noch nicht gesellschaftlich organisiert ist, bekommt hier viele, spannende Einblicke und Tipps. Darüber hinaus wird von vielen Gruppen Saatgut für Pflanzen in allen Variationen und Formen angeboten  – alles natürlich samenfest.

Des Weiteren wird das Saatgutfestival Düsseldorf durch zahlreiche Vorträge und kleinen Workshops geprägt. Wie jedes Jahr ist auch 2017 das Programm bunt und abwechslungsreich. Zu den Themen in diesem Jahr gehören:

  • „Wer die Saat hat, hat das Sagen. Warum wir das Saatgut wieder in unsere Hände nehmen müssen“, vorgetragen von der Autorin und Saatgut-Aktivistin Anja Banzhaf.
  • „Gärtnern auf kleinstem Raum – Gemüseanbau auf dem Balkon und im Garten für Anfänger*innen“ von Eva Rödingen des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzen. Natürlich für uns Balkonverrückte ist dieser Vortrag ein Muss.
  • Der Schutz der Bienen steht bei Dorothea Schulte des Naturgarten e.V. im Mittelpunkt. In ihrem Vortrag „Blühende Landschaften, öffentliches „Bunt“ und Naturgärten“ erklärt sie wie wir Wildbienen und Co schützen können. Wenn, ihr jetzt schon mehr über Wildbienenschutz erfahren wollt, empfehlen wir euch unseren Artikel„Pflanzt das Frühlingsbuffet für unsere Bienen!“ .

Hunger und Durst muss auf dem Saatgutfestival Düsseldorf auch niemand leiden. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie eine mobile Schnippelküche der Slow Food Youth und der Nachbarschaftsinitiative Leben findet Stadt. Darüber hinaus gibt es auch für Kinder viel zu erleben, anzufassen und auszuprobieren: Vom Gemüse filzen bis zum  Geschmacksrätsel ist alles dabei.

Principe Borghese
Principe Borghese

Wer organisiert das Saatgutfestival Düsseldorf?

Organisiert wird die Veranstaltung von einer Arbeitsgruppe, die sich aus ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen zusammensetzt. Hier eine kleine Übersicht über die Organisatoren:

Ökotrop Heerdt e.V. : Wie kann der Mensch seinen Lebensraum so gestalten, dass er sowohl für Mensch und Natur gleichsam lebenswert ist? Diese Frage haben sich die Gründer des Ökotrop Heerdt gestellt und ein Pilotprojekt gegründet, das eine Wohnsiedlung, naturnahe Freiräume und ein Naturbildungszentrum miteinander verbindet.

Düsselgrün: Auf der Suche nach einer kleinen grünen Oase und der Möglichkeit Essbares in der Stadt anzubauen, haben sich in Düsseldorf Bürger zu dem Gemeinschaftsgarten-Projekt Düsselgrün zusammengeschlossen. Ihr Garten ist auf einem Teil des WGZ-Bürgerparks an der Stahlwerkstraße, direkt hinter dem HBF Düsseldorf zu finden.

VEN: Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt setzt sich dafür ein samenfeste Sorten zu erhalten. Anstatt großen Saatgut-Monopolisten das Feld zu überlassen, organisiert der Verein Pflanzenpaten, organisiert Workshops und gibt das Wissen über alte Sorten weiter.

Transition Town Initiative Düsseldorf: Die Transition Town Bewegung möchte die Dinge anpacken, die die Politik vernachlässigt: Klimawandel und Rohstoffknappheit. Zusammen arbeiten weltweit kleine Initiativen ein Gegengewicht zur kapitalistischen Gesellschaft zu schaffen.

Leben findet Stadt: Die Stadt lebenswerter und nachhaltiger machen, dass ist das Ziel von Leben findet Stadt. Die Düsseldorfer Nachbarschaftsinitiative bietet viele tolle Workshops an, von der Wurmkiste bis zum Buchbinden.

Daten und Fakten

  • Wann: Samstag 11. März 2017
  • Wo: Geschwister-Scholl-Gymnasium Düsseldorf, Redinghovenstraße 41, 40225 Düsseldorf
  • Eintritt: 2 Euro, Kinder haben freien Eintritt
  • Website: www.saatgutfestival.de

Samengärtnerei Teil 1 – Saatgut von Tomaten und Salat ernten

Dass ich mich über den schönen Salat auf meinem Balkon dieses Jahr gefreut habe, hatte ich ja bereits in der Zwischenbilanz zum Balkonjahr 2016 geschrieben. Als er dann schoss, war die Enttäuschung nur von kurzer Dauer. Warum? Es war der perfekte Zeitpunkt, mit einer kleinen Samengärtnerei zu beginnen. Schließlich war der Salatkopf, der aus dem kleinen Pflänzchen vom Biostand entwickelt hatte, ertragreich, lecker, ergiebig und gesund gewesen. Beste Voraussetzungen also!

Doch wie fängt man am besten an? Durch die Recherche habe ich inzwischen ein bisschen dazugelernt. Für Anfänger eignen sich Selbstbestäuber gut. Diese Pflanzen tragen weibliche und männliche Organe auf derselben Pflanze, entweder in getrenntgeschlechtlichen Blüten oder durch „Zwitterblüten“. Sie bestäuben sich, nun ja, selbst. Es kommt es zu keiner Fremdbestäubung und somit zu keiner „Verkreuzung“. Die Pflanzen sind in der Weitergabe ihrer Eigenschaften also sehr stabil. Zu den Selbstbestäubern gehören etwa Bohnen (mit Ausnahme der Feuerbohne), Tomaten und Salat.

Samengärtnerei für Fortgeschrittene: Die Fremdbestäuber

Fremdbestäuber benötigen hingegen mindestens zwei Pflanzen der gleichen Art, um sich fortpflanzen zu können. Unter den Fremdbestäubern gibt es Arten, die sowohl die weiblichen als auch die männlichen Geschlechtsorgane aufweisen und somit zwittrig sind. Aber es gibt auch Fremdbestäuber, die rein männliche und weibliche Pflanzen hervorbringen. Beide Formen der Fremdbestäuber setzen jedoch voraus, dass die weiblichen Pflanzenteile (Narbe) durch die Pollen einer zweiten, männlichen Pflanze der gleichen Art bestäubt werden. Das Erbgut dieser zwei Pflanzen mischt sich. Das passiert viel bei Kreuzblütlern, Doldenblütlern und Kürbisgewächsen. Durch die Fremdbefruchtung kann es in der Folgegeneration durchaus zu Überraschungen kommen: Sortenspezifische Eigenschaften oder Eigenschaften wegen derer die Pflanze oder Frucht für die Saatguternte ausgesucht worden ist, können verloren gehen. Die Pflanzen können schlichtweg ungenießbar werden. Die Vermehrung fremdbefruchteter Pflanzen ist nicht unmöglich, aber trickreich und erfordert Vorkenntnisse und Erfahrung. Zu fremdbefruchteten Pflanzen gehören etwa Pastinaken, Zwiebeln, Kohl oder Möhren.

Weiterhin sind einjährige Pflanzen leichter zu vermehren als zweijährige, da Letztere erst im zweiten Jahr blühen.

Die Bedeutung von „samenfest“ und „Hybrid“ für die Samengärtnerei

Soweit so gut. Aber jetzt nochmal etwas genereller gefragt, welches Saatgut sich eignet. Es muss auf jeden Fall samenfest sein. Samenfest bedeutet ganz einfach, dass die Pflanzen traditionell vermehrt werden kann, also z.B. durch Insektenbestäubung. Sie gibt ihre sortenspezifischen Eigenschaften an Folgegenerationen weiter und ihr Saatgut kann im Garten und in der Landwirtschaft weiter verwendet werden.

Im Gegensatz dazu stehen die Hybriden („Mischlinge“). Ziel der Hybridzüchtung ist es, eine möglichst reinerbige Pflanze mit den gewünschten Eigenschaften zu erhalten. Der Aufwand ist größer als man denkt. Denn zunächst werden durch mechanisch gesteuerte Selbstbefruchtung über mehrere Pflanzengenerationen hinweg zwei nahezu reinerbige Elternpflanzen mit einer genetisch sehr engen Basis gezüchtet. Die Linie der Mutterpflanze und die der Vaterpflanze werden dabei streng getrennt. Da diese Pflanzen durch die Inzucht genetisch degeneriert sind, sind sie für den landwirtschaftlichen Anbau nicht geeignet. Kreuzt man sie jedoch, bringt die Tochtergeneration Pflanzen hervor, die die gewünschten Eigenschaften besonders stark ausprägen, wie etwa Wuchsfreude oder Ertrag. Diese Generation ist die „1. Filialgeneration“ (lat. filia = Tochter), daher die Bezeichnung F1-Hybriden. In der darauffolgenden Generation gehen die erzielten Eigenschaften jedoch schon wieder verloren. Deshalb eignet sich das Saatgut von Hybriden nicht für die Weiterverwendung. Und Achtung: Auch Bio-Gemüse aus dem Handel kann von Hybriden stammen!

Zu diesem Zeitpunkt möchte ich nur soviel dazuschreiben, wie für angehende Samengärtner als Hintergrund praktisch und gut zu wissen ist. Die großen Experten würden mir vermutlich hinsichtlich Kürze und Korrektheit der Darstellungen an den Hals gehen. Die Diskussion um Saatgut, samenfest, Hybriden, das für und wider ist jedenfalls sehr interessant, umfangreich und geht weit zurück. Angesichts der Jahreszeit und der reifen Früchte auf dem Balkon möchte ich sie euch und mir jedoch zu diesem Zeitpunkt ersparen und an einem langen Winterabend nochmal darauf zurückkommen.

Also, einjährige, selbstbefruchtende, samenfeste Pflanzen eignen sich gut für Anfänger. Die Klassiker sind Tomate und Salat, die ich (aufgrund meiner eigenen noch eingeschränkten Aktivität als Samengärtnerin) hier auch als Beispiele nehmen will. Das wichtigste ist, das es zunächst schlicht um Vorlieben geht. Was sind die schönsten, leckersten Früchte, was sind die ergiebigsten, gesündesten Pflanzen? Sucht sie euch aus, markiert sie für die spätere Samenernte mit einem Bindfaden.

Tomaten

  1. Die reifen Früchte werden mit einem Messer halbiert. Die Samen aus den Tomatenhälften in ein Glas drücken oder sie mit einem Löffel herauskratzen. Saft und Fruchtfleisch kann gerne mit dabei sein. Dass für jede Tomatensorte ein separates Glas verwendet wird, versteht sich ja wohl von selbst! Am besten gleich von Anfang an auch entsprechend markieren/beschriften.
Halbierte Tomaten: Berner Rose, Black Plum, Principe Borghese
Halbierte Tomaten: Berner Rose, Black Plum, Principe Borghese

 

2. Wasser und ein kleines bisschen Zucker zu den Samen geben. Das Glas offen stehen lassen und gelegentlich umrühren. Bildet sich Schimmel im Glas: Keine Sorge, ein bisschen ist nicht schlimm.

Mit Tomatensamen frisch aufgesetzte Gläser
Mit Tomatensamen frisch aufgesetzte Gläser

 

3. In den folgenden Tagen (ca. zwei bis drei) löst sich die gallertartige Masse, die die Samen umgibt. Das Fruchtfleisch steigt im Wasser nach oben während die Samen unten im Glas liegenbleiben. Der Vorgang ist nun abgeschlossen.

4. Das Wasser kann zusammen mit dem Fruchtfleisch bequem abgegossen werden. Anschließend kann man das Glas nochmals mit Wasser füllen und sobald sich die Samen am Boden abgesetzt haben wieder abgießen (dauert nur ein paar Minuten). Der Vorgang kann wiederholt werden, bis das Wasser im Glas klar ist.

5. Die Samen zum Trocknen gut voneinander getrennt auf einem Stück Küchenrolle oder einem Kaffeefilter verteilen. Nach dem Trocknen in ein Glas oder eine Tüte abfüllen und beschriften (Gattung, Sorte, Art, Erntejahr, ggf. Herkunftsort).

Tomatensamen beim Trocknen
Tomatensamen beim Trocknen

 

Salat

  1. den schönsten Salatkopf lässt man erstmal schiessen.
  2. Aus der Blüte bilden sich kleine Samen mit flauschigem Schirm, die ähnlich aussehen, wie beim Löwenzahn.
Die Samenstände eines Salats
Die Samenstände eines Salats

 

4. Wenn sie so trocken sind, dass die Blütenstände zwischen den Fingern zerfallen, kann man sie ernten. Ich habe die Samenstände einzeln gepflückt und dabei etwas zwischen den Fingern zerrieben, sodass sich der Samen von den Blütenresten schon mal löst. Experten sagen, bei trockenem Wetter kann man auch den Pflanzenstengel herunterbiegen und ausschütteln. Die Samen werden dann in einer Kiste oder Tasche gesammelt.

Frisch gesammelte Salatsamen, hier noch mit Blütenresten
Frisch gesammelte Salatsamen, hier noch mit Blütenresten

 

5. Die Samen ein paar Tage in einem offenen Gefäß und flächig ausgebreitet trocknen lassen.

6. Dann auf ein großes Blatt Papier oder ein Backblech legen und ganz (ganz!!) vorsichtig pusten. Die trockenen Blütenreste werden so von den Samen getrennt.

Samengärtnerei: Nach dem "Wind"
Nach dem „Wind“

 

7. Auch hier die Samen in ein Glas oder eine Tüte füllen und für nächstes Jahr gut beschriften.

So, das war schon mal ein kleiner Einstieg. Es ist schon erstaunlich, wieviel Saatgut man aus einer kleinen Pflanze auf dem Balkon gewinnen kann. Wie sind eure Erfahrungen mit der Saatguternte? Was funktioniert gut, was nicht so gut? Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen!

 

Gute Quellen für Infos und Tipps zur Samengärtnerei sind:

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V., www.nutzpflanzenvielfalt.de

Infoblätter des Dachverband Kulturpflanzen und Nutztiervielfalt e. V., http://kulturpflanzen-nutztiervielfalt.org/materialien

Das Buch „Saatgut – wer die Saat hat, hat das Sagen“ (Anja Banzhaf, oekom) bietet einen umfassenden Einblick in die Diskussion rundum das Thema Saatgut und Portraits vieler schöner Projekte.