Balkonjahr 2017 – Eine Zwischenbilanz

Der August neigt sich dem Ende zu, in der Luft spürt man langsam den nahenden Herbst. Ein guter Zeitpunkt, um auf dem Balkon eine Zwischenbilanz zu ziehen, was dieses Jahr gut und was vielleicht nicht so gut gelaufen ist. Einige Altbekannte sind wieder dabei, andere haben mit ihren Ergebnissen überrascht…

Erdbeeren

Beginnen wir mit den Erdbeeren: nach schneeweißer Blütenpracht im Mai, konnte ich im Juni einige knallrote und zuckersüße Exeplare ernten. Leider blieb es dann dabei, obwohl es sich bei einigen der Pflänzlein um Monatserdbeeren handelt. Die Ernte bleibt aber unvergessen und hat geschmeckt!

Erdbeeren direkt vom Balkon
Erdbeeren direkt vom Balkon

Radieschen

Dieses Jahr war ich sehr ungeduldig und hatte die Radieschen Anfang April schon ausgesät! Wer sich erinnert, weiß, dass es danach noch recht kühl und frostig geworden ist. Ich ließ mich nicht abschrecken und legte im Mai nochmal nach. Anfang Juli sorgten ein paar Prachtexemplare für eine angenehme Schärfe in meinem Salat.

Echt scharf: Knallig rote Radieschen
Echt scharf: Knallig rote Radieschen

Tomate „Fuzzy Wuzzy“

Waren Tomaten in allen anderen Jahren Erfolgsgarant, hatte ich dieses Jahr erstaunlicher Weise kein großes Glück mit ihnen. Die Pflanze, die ich aus selbstgeerntetem, mallorquinischem Saatgut gezogen hatte (Sorte „Ramallet“) schoss zwar in die Höhe, bildete aber keine Früchte. Doch eine Hybride? Die „Berner Rose“ kam beim Gießen nicht gut davon und trocknete tatsächlich unbeachtet etwas ein. Die Früchte der „Banana Legs“ sehen dieses Jahr sehr traurig aus, sie bekamen die Blütenendfäule, die Düngung mit Kalk kam wohl zu spät. Gut geht es hingegen der Tomate „Fuzzy Wuzzy“, die mir von meiner lieben Blog-Kollegin Anna gegeben worden ist! Von ihr konnte ich schon einige köstliche, süße Tomätchen ernten.

Tomate "Fuzzy Wuzzy"
Tomate „Fuzzy Wuzzy“

Gurke „Persika“

Dieses Jahr wollte das Saatgut der kleinen, weißen Balkongurke einfach nicht angehen. Kein einziger Keimling war in den kleinen Töpfen zu sehen. Als mir dann Mitte Mai das Saatgut der Gurke „Persika“ in die Hände fiel, pflanzte ich drei Samen fast achtlos direkt in einen laut Literatur viel zu kleinen Topf auf dem Balkon. Alle drei Samen gingen auf, einer Pflanze gab ich die Chance. Sie wuchs und wuchs, nach langem Warten bildete sich endlich eine erste Gurke. Letzte Woche konnte ich sie endlich ernten – geschmacklich einfach hervorragend!

Gurke "Persika" aus samenfestem Saatgut
Gurke „Persika“ aus samenfestem Saatgut

Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister

Sehr stolz bin ich, dass ich endlich aus den vergangenen Jahren gelernt habe und dieses Frühjahr nicht versucht hatte, Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister in einem der viel zu trockenen und windigen Außenkästen auf meinem Südbalkon unterzubringen. Stattdessen fand ich für sie einen Platz hinter der Balustrade im Halbschatten, wo sie in einer Gemüsekiste munter vor sich hinwachsen.

Zitronenmelisse, Waldmeister und Minze geht es im Halbschatten gut
Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister geht es im Halbschatten gut

Grüner Salat

Was soll ich sagen, auch dieses Jahr war der Salat auf meinem Balkon ein voller Erfolg! Einige Male konnte ich von zwei Pflanzen ein paar Blätter ganz bequem auf dem Balkon für einen köstlichen Salat ernten.

Auch dieses Jahr ein Hit: Grüner Salat
Auch dieses Jahr ein Hit: Grüner Salat

Rote Melde

Auch dieses Jahr ist wieder die Rote Melde im Balkonkasten explodiert! Wie letztes Jahr, bin ich wieder überrascht, wie die Pflanze bei so kleinem Wurzelraum so groß werden kann…

Rote Melde
Rote Melde

Weitere Gewinner…

Basilikum und Rucola geht es dieses Jahr sehr gut, sich wachsen mit Kraft und bieten konstant Erträge. Auch Petersilie und Lauchzwiebeln gedeihen gut. Die Kartoffelernte bleibt noch abzuwarten – ein weiteres Balkon-Experiment… Nach meinem Erfolg mit der Roten Beete letztes Jahr, hatte ich mich dieses Jahr nochmal an Möhren gewagt – leider war das keine gute Idee. Das Grün kam, die Wurzel blieb unscheinbar. Auch die Zuckererbsen sind leider eingegangen, dafür rankt sich die Duftwicke langsam nach oben.

Duftwicke: Weit oben im Ranking
Duftwicke: Weit oben im Ranking

 

Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel "Vitelotte"
Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel „Vitelotte“

…und Verlierer

Von ein paar Pflanzen, wie der Gewürztagetes oder dem Roten Basilikum, musste ich mich nach einer Woche Urlaub leider verabschieden: Sie waren bei starker Sonne und mangelnder Pflege vertrocknet. Gemischte Gefühle ruft bei mir immer wieder die Kapuzinerkresse hervor: Zwar wächst sie üppig und rankt jedes Jahr wieder aus einer meiner Bäckerkisten, Blühen tut sie jedoch spärlich. Auch frage ich mich jedes Jahr wieder, ob sie die kleinen, schwarzen Läuse wirklich von den anderen Pflanzen fernhält oder eher Auslöser dafür ist, dass sie auf den Balkon ziehen. Schließlich zeigen sie sich immer erstmals auf der Kapuzinerkresse und springen erst auf andere Pflanzen über, wenn sie dort zu stark Überhand nehmen.

Zu guter Schluss:

Natürlich sind das nicht die einzigen (teils gefühlten) Erfolge und Misserfolge auf dem Balkon. Manche Dinge bereiten einem einfach nach den ganzen Mühen des Säens und Pflegens eine besondere Freude, wenn sie gelingen. Und selbst wenn man auf einem Balkon nicht mit großen Erntemengen rechnen kann, die Erträge schmecken gefühlt doppelt so gut. Mit besonderem Stolz (und Erleichterung) erfüllt einen, wenn man das Gefühl hat aus der vorangegangenen Saison gelernt zu haben. Schauen wir mal, wie das nächste Jahr aus dem diesjährigen profitiert…

Saatgut II – Der Test zur Keimfähigkeit

Es ist soweit: Die Saison 2017 geht bald wieder los! In vielen Schraubgläsern, Briefumschlägen oder Filmdosen wartet das gesammelte Saatgut des Vor- oder sogar Vorvorvorjahres. Ist es überhaupt noch keimfähig? Hier hilft ein relativ einfacher Test. Und der geht so:

Gläser mit selbstgeerntetem Saatgut aus dem Vorjahr

 

Man braucht: Saatgut, Küchenkrepp, Teller, Klarsichtfolie, Kreppband, permanenter Marker.

  1. Zunächst nimmt man etwas Küchenkrepp, feuchtet es an und legt es auf einen Teller. In Gruppen geordnet, legt man auf das Küchenkrepp das Saatgut, das man testen möchte, ohne dass sich die Samen berühren (mindestens jeweils 20 Samen).

2. Damit man später nicht ins Schleudern kommt und stets die Übersicht bewahrt sollte man nach Möglichkeit die Proben z.B. mit Kreppband und permanentem Marker beschriften.

Teller mit Saatgut
Teller mit Saatgut

 

3. Der Teller mit Küchenkrepp und Saatgutproben wird als nächstes mit Klarsichtfolie überspannt und an einen warmen Ort gestellt. Jetzt wird geduldig gewartet…

4. Je nach Art, wird nach einigen Tagen oder Wochen erstmalig kontrolliert. Sieht man eine Wurzelspitze oder einen Spross, ist das Saatgut, naja, keimfähig. Da nicht alle Samen gleichzeitig keimen, empfiehlt es sich nach ein paar weiteren Tagen nochmals nachzuschauen.

Das Saatgut nach vier Tagen: Rote Melde, Salat, Tomate und Löwenmäulchen sind gut aufgegangen.
Der Keimtest nach vier Tagen: Rote Melde, Salat, Tomate und Löwenmäulchen sind gut aufgegangen.

 

5. Ist alles aufgegangen, was aufgehen kann, wird das Verhältnis gekeimte zu ungekeimte Samen ausgezählt. Daraus ergibt sich die Keimfähigkeit in Prozent: Keimen 50 aus 100 Samen, hat das Saatgut eine Keimfähigkeit von 50%.

Die Saatgut Keimfähigkeit: Bis auf die Chili sind von allen Arten Samen gut gekeimt.
Der Keimtest nach einer Woche: Bis auf die Chili sind von allen Arten Samen gut gekeimt.

 

Sollte das Saatgut nicht keimen, empfiehlt es sich nochmal nachzulesen und zu forschen. Denn schließlich reicht für manche Arten ein kurzer Zeitraum und eine niedrige Keimtemperatur, andere brauchen wesentlich länger und höhere Temperaturen.

Bei mir sind etwa Rote Melde, Salat und Löwenmäulchen bereits nach etwa 3 bis 4 Tagen aufgegangen. Glockenpaprika und Tomate waren etwas langsamer und haben 2 bis 3 Tage länger gebraucht. Das deckt sich mit meiner Recherche: In der Tat ist es so, Dass etwa Paprika und Tomate mehr Zeit brauchen, um zu keimen (ca. 1 bis 2 Wochen), als etwa Lichtkeimer. Doldenblütler brauchen angeblich sogar 3-4 Wochen!

Nicht aufgegangen ist die Chili „Lila Luzie“, was mich nach den Erfolgen des Vorjahres sehr verwundert hat. Wie die Paprika, gehört sie zur Gattung Capsicum. Ich vermute, sie braucht eine besonders warme Umgebung und einfach noch mehr Zeit. Bei meiner Recherche im „Handbuch für Samengärtnerei“ von Andrea Heistinger wird eine zweite Art vorgeschlagen, wie man Saatgut auf seine Keimfähigkeit testen kann.

Man braucht: Küchenkrepp, Kunststofftüte, Kreppband, permanenter Marker

1.Mindestens 20 Samenkörner (besser 100) auf einem nassen Stück Küchenkrepp ausgebreitet ohne sich zu berühren.

2. Das Küchenkrepp wird zusammengerollt und in eine Plastiktüte mit Luftlöchern gepackt. Achtung: Auch hier am besten mit Art, Sorte und Datum beschriften.

3. Die Tüte wird an einem warmen Ort bei 20 bis 25°C verwahrt.

4. Auch bei diesem Test wird je nach Art nach einigen Tagen oder Wochen erstmalig kontrolliert. Alles weitere, siehe oben ab 5.

Das werde ich wohl in den nächsten Tagen bei der Chili ausprobieren. Auch Euch wünsche ich viel Erfolg bei Eurem eigenen Keimtest! Rückmeldungen und Anregungen sind immer willkommen.

Balkonjahr 2016 – eine Zwischenbilanz

Draußen wächst, gedeiht, explodiert alles in grün. Mit der Saison in vollem Gange, zeichnen nun schon die „Gewinner“ des Balkonjahres 2016 ab. Da das Gärtnern auf kleinem Raum eine besondere Herausforderung darstellt, möchte ich mit Freude und mit Stolz eine kleine Zwischenbilanz ziehen:

Chili „Lila Luzi“ – In dritter Generation und seit Kauf des Saatgutes nun im zweiten Jahr nach der Aussaat ist dieses Jahr eindeutig ein Gewinner die Chili „Lila Luzi“. Nach starkem Blattlausbefall zu Beginn der Saison (mit der mechanischen Vernichtung bin ich nicht hinterhergekommen), zeigt sie sich nun in aller Pracht: von der Farbe lila färben sich die kleinen scharfen Früchte über gelb und orange zu rot.

Balkonjahr 2016: Lila Luzi zeigt ihre attraktiven Früchte
Lila Luzi zeigt ihre attraktiven Früchte

 

Glockenpaprika – 2015 hatten wir auf dem Saatgutfest ein kleines, zartes Pflänzlein mitgenommen. Diesen Sommer entwickelt die Paprika nun schon zum zweiten Mal ihre attraktiven Früchte in Glockenform!

Balkonjahr 2016: Glockenpaprika
Glockenpaprika

 

Kleine weiße Balkongurke – Wer hätte das gedacht? Gewinner im Balkonjahr 2016 ist ebenfalls eine vernachlässigte kleine weiße Balkongurke. Eine Pflanze war Ende Mai schon rausgesetzt, für die zweite war kein Platz. Sie blieb in der Küche in ihrem kleinen Topf. Nun stellt sich heraus, sie ist der eigentliche Star! Während die gut gehegte Pflanze in der Bäckerkiste mit ausreichend Platz verkümmert ist, rankt die stille Schönheit weiter und wirft nach und nach schmackhafte, kleine Gurken ab.

Balkonjahr: Kleine weiße Balkongurke
Kleine weiße Balkongurke

 

Mangold – In den letzten Jahren schwierig, ist die buntstielige Mangoldmischung dieses Jahr ein Dauerbrenner. Seit spätestens Ende Juni komme ich mit dem Ernten und Verwerten kaum hinterher…

Balkonjahr: Mangold mit roten und gelben Blattstielen
Mangold mit roten und gelben Blattstielen

 

Tomaten – Mit der Bodenfruchtbarkeit  ist das auf dem Balkon so eine Sache. Obwohl ich im Frühjahr reichlich Bio-Dünger in den Boden gemischt hatte, bangte ich um die Entwicklung dieses Starkzehrers. Umso erfreulicher ist, dass dieses Jahr die Tomatenpflanzen besonders groß bzw. buschig geworden sind. Black Plum, Berner Rose, Principe Borghese und gelbe Johannisbeere geben Gas!

Black Plum
Black Plum

 

Berner Rose
Berner Rose

 

Principe Borghese
Principe Borghese

 

Gelbe Johannisbeere
Gelbe Johannisbeere

 

Rote Melde – Die Erfahrung zeigt: kleiner Pflanzbehälter, kleine Pflanze. Die Rote Melde mit ihrer tollen Farbgebung widersetzt sich dem Trend und ist im schmalen Balkonkasten auf ganze 1,10 Meter herangewachsen. Hut ab!

Balkonjahr 2016: Samenstände der Roten Melde
Samenstände der Roten Melde

 

Brokkoli „Cezar“ – Zu den großen Erfolgen gehören die ersten Brokkoliröschen, die sich dieses Jahr in der Bäckerkiste zeigen. Noch etwas Geduld, bald kann ich ernten…

Balkonjahr 2016: Erste Brokkoliröschen
Erste Brokkoliröschen

 

Rote Beete – Unglaublich, aber wahr: Dieses Jahr entwickelt sich die Rote Beete erstmalig richtig gut! Um den Knollen eine Chance zu geben, hatte ich vor Beginn der Saison eine gute Portion Sand unter den Boden der Bäckerkiste gemischt. Nun macht es sich bezahlt: Langsam verdicken sich die Wurzeln zu Knollen.

Balkonjahr 2016: Blätter der Roten Beete
Blätter der Roten Beete

 

Blattsalate und Rucola – Inzwischen sind sie geschossen. Erwähnt werden sollen aber auch Blattsalat und Rucola, die ebenfalls vom Saatgutfest in Düsseldorf stammen. Im April gepflanzt, wuchsen sie was das Zeug hielt. Ihre Blätter boten diesen Sommer wiederholt eine gute Grundlage für so manchen schmackhaften Salat.

Rucola als großbewachsene Pflanze
Rucola als großbewachsene Pflanze

 

Einige Pflanzen haben dieses Jahr weniger gut funktioniert: Die Gewürztagetes „Lemon Gem“ hat sich dieses Jahr überraschenderweise gar nicht entwickelt. Als Experiment hatte ich in einige Kästen Seedbombs von verschiedenen Herstellern gesetzt – auch die hatten keinen Erfolg. War das Rankgerüst letztes Jahr von der Feuerbohne eingenommen, konnte sie sich dieses Jahr im Schatten der Tomaten nicht halten. Auch dem selbstgezogene Basilikum ging es unter den Tomaten nicht gut (Überraschung, Überraschung). Aus welchem Grund auch immer (zu wenig Sonne zur richtigen Zeit?) waren die (nicht geernteten) Erdbeeren eine kleine Enttäuschung. Früchte hängen an den Monatserdbeeren reichlich, trotzdem habe ich bisher fast keine ernten können, schnell waren die Kandidaten überreif.

Alles in allem ist auch dieses Balkonjahr sehr lehrreich und wirft bereits seinen langen Schatten auf die kommende Saison. Vielleicht helfen euch die Erfahrungen, die ich gemacht habe bei eurer Planung weiter. Und bitte: Gerne möchte ich auch aus eurer Erfahrung lernen! Was hat bei euch gut, was nicht so gut geklappt? Ich freue mich auf eure Kommentare und Rückmeldungen!