Kartoffeln auf dem Balkon – unser Experiment in Sack und Tonne

Kartoffeln auf dem Balkon - Bamberger Hoernla

Ob im Sack, im Topf, oder in der Tonne, folgt man den Einträgen auf zahlreichen Blogs, wachsen Kartoffeln auf dem Balkon ohne Probleme. Wir haben das Experiment gewagt und zwei verschiedene Sorten und zwei verschiedene Arten der Pflanzung getestet. Nun liegt die Ernte hinter uns und es ist Zeit Bilanz zu ziehen.

Alte und bunte Kartoffelsorten

Als wir in diesem Jahr auf dem Pflanzenraritätenmarkt am Stand der Düsseldorfer Gärtnerei Staudenfan auf das Angebot, alter Setzkartoffeln stießen, viel die Entscheidung nicht leicht. Ungewöhnlich sollte es sein, ergiebig und für das Klima auf unseren Balkonen geeignet. Die Wahl viel zunächst auf die alte Kartoffelsorte „Bamberger Hörnchen“. Sie gehört zu den ältesten Kartoffelsorten Deutschlands und stammt ursprünglich aus Franken. Die kleine, oft nur Fingerdicke, krumme Kartoffel war fast ausgestorben und wurde nur durch den Einsatz von Sortenschützern erhalten. Oft wird die Sorte mit der bekannten französischen Kartoffelsorte „La Ratte“ verwechselt, die in unserem Nachbarland als besondere Delikatesse bekannt ist.

Die zweite Kartoffelsorte, für die wir uns entschieden haben, soll Farbe auf den Teller bringen. Die Knollen der Ur-Kartoffelsorte „Vitelotte“ überzeugen mit ihrem lila Fruchtfleisch (auch als „Trüffelkartoffel“ oder „Blaue Kartoffel“ bekannt). In Frankreich ist sie in der gehobenen Gastronomie weit verbreitet.

Ein Sack Kartoffeln auf dem Balkon

Zunächst ließen wir unsere Kartoffeln vorkeimen. Während man sich beim Kochen ärgert, wenn die leckeren Knollen schon Augen und Triebe entwickeln, ist dies für das Auspflanzen wünschenswert. Statt einen der auf Amazon, oder im Gartencenter angepriesenen Kunststoffpflanzsäcke zu kaufen, entschied ich mich dafür die Kartoffeln in einem leeren 60 Liter Bluemenerdesack anzupflanzen. Um Staunässe zu vermeiden, schnitt ich vor dem Bepflanzen des Sacks kleine Löcher hinein. Danach rollte ich den Sack fast vollständig auf und füllte etwas frische , nährstoffreiche Erde hinein. Die Erde setzte ich zwei Bamberger Hörnla und ließ sie zunächst ein paar Tage nur halbbedeckt weiter keimen. Anschließend bedeckte ich die Kartoffeln vollständig und fügte immer eine weitere Erdschicht hinzu sobald das Grün um die 10-15 cm gewachsen war. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung auf meinem Balkon musste ich die Kartoffel circa 2-3 Mal die Woche gießen. An nicht so sonnigen Standorten reicht es sicherlich die Kartoffelpflanze seltener zu wässern.

Kartoffeln auf dem Balkon - Kartoffeln im Sack
Bamberger Hörnchen mit Borretsch in einem Sack

 

Kartoffeln auf dem Balkon - Borretsch blueht praechtig
Borretsch in Mischkultur mit der Kartoffel

Eine Tonne voller Knollen

Im Prinzip verläuft das Anpflanzen von Kartoffeln in der Tonne ähnlich wie im Pflanzsack. Während der Sack die Möglichkeit eines natürlichen Wasserablaufs bietet, fehlt dieser in der Tonne. Daher hatte Sarah in den Boden ein paar Löcher gebohrt und eine Drainageschicht eingebaut.

Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel "Vitelotte"
Vitelotte in der Tonne

 Viel Grün und viel Blüte

Über den Sommer hinweg wurden die Kartoffeln auf dem Balkon immer voller und grüner. Das Bamberger Hörnla erzeugte eine tolle weiße Blüte und wucherte mit Kraft über den gesamten Balkon. Wie schwer der Sack voller Erde und Pflanze einmal werden würde, hatte ich nicht kalkuliert. Deshalb unser Tipp: Entscheidet gut an welcher Stelle ihr die Kartoffeln auf dem Balkon pflanzen wollt. Für das Umstellen des Sacks brauchte ich schließlich die Hilfe meines Lieblingsgärtners. Der Pflegeaufwand der Kartoffeln war jedoch gering, abgesehen vom regelmäßigen Gießen, hatte die Pflanze kaum Ansprüche. Auch die viel gefürchtete Krautfäule, oder Schädlingsbefall blieben aus.

Auch die „Vitelotte“ erzeugte in der Tonne reichlich (aber nicht zuviel) grün. Wie das in der Natur eben so ist, wuchsen die zwei Knollen unterschiedlich schnell, sodass das Anhäufeln etwas schwierig war.

Viel Pflanze wenig Knolle

Die Neugier stieg, als dann endlich Ende Oktober das Laub der Kartoffel vergilbte, war der Moment der Ernte gekommen. Um kein zu großes Chaos auf meinem Balkon anzurichten, griff ich zuvor zu einem sehr großen Gefäß für die überschüssige Erde, einem Sack für entferntes Grün und Wurzeln sowie einer Schüssel in Hoffnung auf eine gute Kartoffelernte. Doch leider brachte die riesige Pflanze nur eine winzige Anzahl an Bamberger Hörnchen hervor. Diese waren zwar perfekt und hätten wohl auch beim Bauern nicht schöner aussehen können, aber die Menge war ein herber Rückschlag.

Kartoffeln auf dem Balkon das Gruen vergilbt
Das Grün der Bamberger Hörnchen vergilbt langsam

 

Mitte November wurde dann die Vitelotte geerntet. Eine kleine Handvoll erbsen- bis kleiner-Finger-große, tief lilafarbene Perlen konnten aus der großen Tonne gefischt werden… Spannender war fast die Kompostwurm-Enklave von etwa 20 Einwohnern, die scheinbar aus der Wurmkiste in die Tonne auf der Suche nach einer neuen Heimat ausgesiedelt war. Die Kartoffeln mussten natürlich schnell getestet werden und wurden als Pellkartoffel mit etwas Salz gekocht. Das Fruchtfleisch war weiss mit ein paar lilafarbenen Einzügen und der Geschmack erinnerte tatsächlich an Maronen.

Kartoffel Vitelotte
Kartoffel Vitelotte – erbsen- bis fingergroß

 

Kompostwürmer verstecken sich in der Kartoffeltonne
Kompostwürmer verstecken sich in der Kartoffeltonne

Resume und Fehlersuche

Das Pflanzen von Kartoffeln auf dem Balkon hat uns Spaß gemacht. Insbesondere das Auswählen der Sorten und das Beobachten der immer größer werdenden Pflanze. Die Ernte jedoch war minimal, deshalb stellt sich die Frage, ob die geringe Ausbeute an den von uns gewählten Sorten, dem heißen Standort, der teils stark verdichteten Erde oder der Pflanzmethode lag. Vielleicht lag es auch grade an der Schläue der Gärtnerinnen – schließlich ernten bekanntermaßen die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln. Ein bisschen blöd fühlt man sich bei den Mengen aber doch. Von der Vitelotte war wohl bekannt, dass die Ernte nicht sehr groß ausfällt. Vielleicht wurde auch zu spät gepflanzt und zu früh geerntet.

Wem nicht nur die Beobachtung des Wachstumsprozess wichtig ist, sondern auch eine große Ernte erwartet, der sollte vom Experiment Kartoffel auf dem Balkon absehen. Insbesondere der große Platzverlust, durch den Pflanzsack und durch die Tonne ist in Anbetracht der kleinen Ernte bitter, vielleicht versuchen wir es im kommenden Jahr noch mal mit einer kleineren Lösung.

Vor dem Hintergrund des mäßigen Erfolges interessiert uns natürlich besonders welche Erfahrungen ihr bisher mit dem Kartoffelanbau gemacht habt. Habt ihr schon Sorten gefunden, die eine besonders gute Ernte erbracht haben? Oder habt ihr vielleicht eine andere Pflanzemethode gewählt, wir freuen uns auf eure Meinung.

Balkonjahr 2017 – Eine Zwischenbilanz

Der August neigt sich dem Ende zu, in der Luft spürt man langsam den nahenden Herbst. Ein guter Zeitpunkt, um auf dem Balkon eine Zwischenbilanz zu ziehen, was dieses Jahr gut und was vielleicht nicht so gut gelaufen ist. Einige Altbekannte sind wieder dabei, andere haben mit ihren Ergebnissen überrascht…

Erdbeeren

Beginnen wir mit den Erdbeeren: nach schneeweißer Blütenpracht im Mai, konnte ich im Juni einige knallrote und zuckersüße Exeplare ernten. Leider blieb es dann dabei, obwohl es sich bei einigen der Pflänzlein um Monatserdbeeren handelt. Die Ernte bleibt aber unvergessen und hat geschmeckt!

Erdbeeren direkt vom Balkon
Erdbeeren direkt vom Balkon

Radieschen

Dieses Jahr war ich sehr ungeduldig und hatte die Radieschen Anfang April schon ausgesät! Wer sich erinnert, weiß, dass es danach noch recht kühl und frostig geworden ist. Ich ließ mich nicht abschrecken und legte im Mai nochmal nach. Anfang Juli sorgten ein paar Prachtexemplare für eine angenehme Schärfe in meinem Salat.

Echt scharf: Knallig rote Radieschen
Echt scharf: Knallig rote Radieschen

Tomate „Fuzzy Wuzzy“

Waren Tomaten in allen anderen Jahren Erfolgsgarant, hatte ich dieses Jahr erstaunlicher Weise kein großes Glück mit ihnen. Die Pflanze, die ich aus selbstgeerntetem, mallorquinischem Saatgut gezogen hatte (Sorte „Ramallet“) schoss zwar in die Höhe, bildete aber keine Früchte. Doch eine Hybride? Die „Berner Rose“ kam beim Gießen nicht gut davon und trocknete tatsächlich unbeachtet etwas ein. Die Früchte der „Banana Legs“ sehen dieses Jahr sehr traurig aus, sie bekamen die Blütenendfäule, die Düngung mit Kalk kam wohl zu spät. Gut geht es hingegen der Tomate „Fuzzy Wuzzy“, die mir von meiner lieben Blog-Kollegin Anna gegeben worden ist! Von ihr konnte ich schon einige köstliche, süße Tomätchen ernten.

Tomate "Fuzzy Wuzzy"
Tomate „Fuzzy Wuzzy“

Gurke „Persika“

Dieses Jahr wollte das Saatgut der kleinen, weißen Balkongurke einfach nicht angehen. Kein einziger Keimling war in den kleinen Töpfen zu sehen. Als mir dann Mitte Mai das Saatgut der Gurke „Persika“ in die Hände fiel, pflanzte ich drei Samen fast achtlos direkt in einen laut Literatur viel zu kleinen Topf auf dem Balkon. Alle drei Samen gingen auf, einer Pflanze gab ich die Chance. Sie wuchs und wuchs, nach langem Warten bildete sich endlich eine erste Gurke. Letzte Woche konnte ich sie endlich ernten – geschmacklich einfach hervorragend!

Gurke "Persika" aus samenfestem Saatgut
Gurke „Persika“ aus samenfestem Saatgut

Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister

Sehr stolz bin ich, dass ich endlich aus den vergangenen Jahren gelernt habe und dieses Frühjahr nicht versucht hatte, Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister in einem der viel zu trockenen und windigen Außenkästen auf meinem Südbalkon unterzubringen. Stattdessen fand ich für sie einen Platz hinter der Balustrade im Halbschatten, wo sie in einer Gemüsekiste munter vor sich hinwachsen.

Zitronenmelisse, Waldmeister und Minze geht es im Halbschatten gut
Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister geht es im Halbschatten gut

Grüner Salat

Was soll ich sagen, auch dieses Jahr war der Salat auf meinem Balkon ein voller Erfolg! Einige Male konnte ich von zwei Pflanzen ein paar Blätter ganz bequem auf dem Balkon für einen köstlichen Salat ernten.

Auch dieses Jahr ein Hit: Grüner Salat
Auch dieses Jahr ein Hit: Grüner Salat

Rote Melde

Auch dieses Jahr ist wieder die Rote Melde im Balkonkasten explodiert! Wie letztes Jahr, bin ich wieder überrascht, wie die Pflanze bei so kleinem Wurzelraum so groß werden kann…

Rote Melde
Rote Melde

Weitere Gewinner…

Basilikum und Rucola geht es dieses Jahr sehr gut, sich wachsen mit Kraft und bieten konstant Erträge. Auch Petersilie und Lauchzwiebeln gedeihen gut. Die Kartoffelernte bleibt noch abzuwarten – ein weiteres Balkon-Experiment… Nach meinem Erfolg mit der Roten Beete letztes Jahr, hatte ich mich dieses Jahr nochmal an Möhren gewagt – leider war das keine gute Idee. Das Grün kam, die Wurzel blieb unscheinbar. Auch die Zuckererbsen sind leider eingegangen, dafür rankt sich die Duftwicke langsam nach oben.

Duftwicke: Weit oben im Ranking
Duftwicke: Weit oben im Ranking

 

Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel "Vitelotte"
Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel „Vitelotte“

…und Verlierer

Von ein paar Pflanzen, wie der Gewürztagetes oder dem Roten Basilikum, musste ich mich nach einer Woche Urlaub leider verabschieden: Sie waren bei starker Sonne und mangelnder Pflege vertrocknet. Gemischte Gefühle ruft bei mir immer wieder die Kapuzinerkresse hervor: Zwar wächst sie üppig und rankt jedes Jahr wieder aus einer meiner Bäckerkisten, Blühen tut sie jedoch spärlich. Auch frage ich mich jedes Jahr wieder, ob sie die kleinen, schwarzen Läuse wirklich von den anderen Pflanzen fernhält oder eher Auslöser dafür ist, dass sie auf den Balkon ziehen. Schließlich zeigen sie sich immer erstmals auf der Kapuzinerkresse und springen erst auf andere Pflanzen über, wenn sie dort zu stark Überhand nehmen.

Zu guter Schluss:

Natürlich sind das nicht die einzigen (teils gefühlten) Erfolge und Misserfolge auf dem Balkon. Manche Dinge bereiten einem einfach nach den ganzen Mühen des Säens und Pflegens eine besondere Freude, wenn sie gelingen. Und selbst wenn man auf einem Balkon nicht mit großen Erntemengen rechnen kann, die Erträge schmecken gefühlt doppelt so gut. Mit besonderem Stolz (und Erleichterung) erfüllt einen, wenn man das Gefühl hat aus der vorangegangenen Saison gelernt zu haben. Schauen wir mal, wie das nächste Jahr aus dem diesjährigen profitiert…

Rezept für gefüllte Zucchiniblüten

Genau wie letztes Jahr teilen wir uns auch dieses Jahr ein Feld mit ein paar Freunden. Auch dieses Jahr kommen wir mit der Ernte kaum hinterher. Und als hätten wir aus der letzten Saison nicht dazugelernt, gibt es dieses Jahr wieder Zucchini in Hülle und Fülle (ich war da nicht ganz unbeteiligt…), dieses Jahr Saison immerhin in grün und gelb, u.a. die Sorte „Gold Rush“. Um dem Ganzen zumindest ein wenig Einhalt zu gebieten, habe ich kürzlich bereits die Zucchiniblüten in der Küche verwendet. In dem tollen Klassiker „Landküche“ (Autoren: J. Christ, B. Rademacker und J. Skowronek; Verlag: Gräfe und Unzer) gibt es ein Rezept dafür, das ich schon lange mal ausprobieren wollte.

 

Gefüllte Zucchiniblüten

Gefüllte Zucchiniblüten

Gefüllte Zucchiniblüten

Zutaten

  • Für ca. 4 Personen:
  • 12 Zucchiniblüten (möglichst mit kleinen Zucchini)
  • 30 g Kerbel
  • 50 g Allgäuer Emmentaler
  • 200 g Ziegenfrischkäse
  • 1 Eigelb
  • Salz, Pfeffer
  • Butter für die Form

Zubereitung

  1. Zucchiniblüten vorsichtig öffnen und Blütenstempel herausschneiden und die kleinen Zucchini von unten längs einschneiden.
  2. Den Kerbel verlesen und fein hacken, Käse reiben und den Backofen auf 180°C Umluft vorheizen
  3. Frischkäse, Emmentaler, Eigelb und Kerbel vermischen, salzen und pfeffern.
  4. Die Blüten vorsichtig aufschieben und mit einem Teelöffel füllen. Die Spitzen werden oben zum Verschließen leicht zusammengedreht.
  5. Eine Auflaufform mit Butter bestreichen und die gefüllten Blüten hineinlegen. Mit Folie abdecken.
  6. Im Backofen auf mittlerer Schiene 15 bis 20 Minuten garen.
http://www.vonundzugruen.de/gefuellte-zucchiniblueten/

Die gefüllten Zucchini sind eine sehr leckere Beilage. Da auf unserem Ackerstreifen noch einige sehr große Exemplare zu finden waren, habe ich dazu ein Ratatouille und Reis als Beilage gemacht.

Riesenfrucht aus Amerika

Ursprünglich stammt die Zucchini aus Nord- und Südamerika und hat ihren Weg in Europas Gärten über Italien gemacht. Sie ist ein Kürbisgewächs und mit, nunja, Kürbis, Melone und Gurke verwandt. Die Kürbisgewächse produzieren einige der größten Früchte des Pflanzenreichs! Botanisch gesehen sind diese Riesenfrüchte Beeren. Kaum zu glauben, wenn man die recht früh geernteten, zarten, kleinen Zucchinis im Supermarkt sieht…

Zucchinipflanze auf dem Feld
Zucchinipflanze auf dem Feld

Jung, aber oho!

In Nordamerika ist die Zucchini auch als „Squash“ bekannt, was eine indigene Bezeichnung ist und soviel wie „jung, unreif, roh“ bedeutet. Sobald man anfängt, sich nach Saatgut umzusehen, findet man eine schiere Vielfalt an Arten. Den empfohlenen Pflanzabstand von etwa 1m sollte man auf jeden Fall einhalten, denn der Flächenverbrauch einer Zucchinipflanze liegt bei 1-2 qm! Für eine Pflanzung auf dem Balkon heißt das, man sollte mindestens Pflanzsäcke oder Hochbeete von 40 bis 60 Liter Erdvolumen pro Pflanze verwenden. Je länger man mit der Ernte der Zucchinis wartet, desto größer werden sie… Der Vorteil ist, man kann sie wegen der dickeren Schale länger lagern. An einer Pflanze findet man sowohl männliche, als auch weibliche Blüten, sie ist also einhäusig. Als Fremdbefruchter werden sie von Insekten bestäubt. Alle Sorten, die der gleichen Art angehören, können sich verkreuzen.  Ernährungstechnisch bestehen sie zu 90% aus Wasser und bieten Eisen, Calcium, Kalium, Natrium, Phosphor und die Vitamine A und C.

 

Winterliche Wurzelwürze

Es gibt viele Arten, Gemüse haltbar zu machen. Eine davon ist die Verarbeitung zu einer trockenen Gemüsebrühe oder –würze. Grade zu dieser Jahreszeit eignet sie sich auch als ein schönes, selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk. Natürlich kann hinsichtlich der Zutaten variiert werden, je nachdem was grade in Saison ist. Jetzt, zur Winterzeit, bieten sich vor allem die Wurzelgemüse an.

Die Stars dieser Brühe: Lauch, Sellerie, Petersilienwurzel, Möhre, Rote Bete und Bastiane
Die Stars dieser Brühe: Lauch, Sellerie, Petersilienwurzel, Möhre, Rote Bete und Bastiane

Winterliche Wurzelwürze

Zutaten

  • 2 mittelgroße Rote Bete
  • 2 Karotten
  • 2 Petersilienwurzeln
  • 1 mittelgroße Sellerieknolle
  • 1 Stange Lauch
  • 1 Pastinake
  • etwas Salz
  • getrockneter Salbei, Thymian

Zubereitung

  1. Rote Bete, Karotten, Petersilienwurzeln, Sellerie und Pastinake schälen und Raspeln. Den Lauch kleinschneiden.
  2. Das geraspelte, bzw. geschnittene Gemüse auf Backblechen dünn ausbreiten.
  3. Die Bleche können im Sommer an einen warmen Ort gestellt werden. Im Winter kann das Gemüse auf einer Heizung oder im Backofen getrocknet werden. Ich habe den Backofen verwendet. Dazu den Ofen auf 100°C stellen und die Bleche hineinschieben. Damit die Luftfeuchtigkeit problemlos entweicht, wird ein Holzlöffel in die Tür geklemmt. Damit das Gemüse gleichmäßig trocknet, habe ich in regelmäßigen Abständen die Bleche im Ofen durchrotiert und das Gemüse auf den einzelnen Blechen umgerührt. Es hat etwa fünf bis sechs Stunden gedauert, die Gemüseraspel trocken waren.
  4. Die trockenen Flocken können wie sie sind zur Verfeinerung von Suppen oder Soßen verwendet werden. Ich habe sie in einem Standmixer zusammen mit etwas getrocknetem Salbei, Thymian und Salz „pulverisiert“.
http://www.vonundzugruen.de/winterliche-wurzelwuerze/

Farbvielfalt des Winters: Geraspeltes Gemüse
Farbvielfalt im Winter: Geraspeltes Gemüse

 

Getrocknete Gemüseraspel
Getrocknete Gemüseraspel

 

Vor dem "Pulverisieren"
Vor dem „Pulverisieren“

 

Nach dem "Pulverisieren"
Nach dem „Pulverisieren“

 

Das Rezept stammt aus dem taschenGARTEN 2016. Auch, wenn ich es in etwa erwartet hatte, war ich doch überrascht wie stark das viele Gemüse durch den Wasserentzug „zusammenschrumpft“. Ich freue mich schon sehr darauf, die trockene Brühe in vielen Suppen, Soßen und Gerichten als Würzmittel zu verwenden!

Zwei Methoden Chilis zu trocknen

Nicht jeder hat Zeit Chilis sofort in Chutneys, Marmeladen, Öle, oder Saucen zu verwandeln. Deshalb erklären wir euch heute zwei Methoden eure Chilis zu trocknen und zu konservieren. Bei dünnwandigen Sorten wie unserer geliebten Lila Luzie bietet sich die einfachste Form der Trocknung an: die Lufttrocknung. Wer jedoch dicke, fleischige Sorten gezogen hat, sollte sich unsere Tipps zur beschleunigten Trocknung im Backofen durchlesen. Denn diese Sorten würden bei der Lufttrocknung leider verderben. Wer einen Dörrautomaten zu Hause hat, kann natürlich auch auf diesen zurückgreifen.

Chilis an der Luft trocknen

Zutaten

  • Einmalhandschuhe
  • 1 Küchenbrett
  • 2 Teller mit Küchentuch ausgelegt
  • 1 scharfes Messer

Zubereitung

  1. Erntet die reifen (in unserem Fall roten) Chilis. Wir haben sie einfach mit einer Schere abgeschnitten.
  2. Handschuhe anziehen!
  3. Danach sollte mit dem Messer der Stilansatz entfernt werden. Das Chilifleisch vorsichtig ringsum über die Spitze der Chili aufschneiden.
  4. Die Samen nun ggf. mit Hilfe eines spitzen Messers rausholen und auf einem Teller mit Küchentuch ausgebreiten.
  5. Das Fruchtfleisch ohne die hellen Rippen, anschließend grob schneiden und auf dem anderen Teller mit Küchentuch ausbreiten.
  6. Sowohl die Samen, als auch das Fruchtfleisch, 3-4 Tage an einem warmem Ort trocknen lassen, dann in Gläser abgefüllen und beschriften.
http://www.vonundzugruen.de/zwei-methoden-chilis-zu-trocknen/

Methoden Chilis zu trocknen: Lila Luzie SaatgutMethoden Chilis zu trocknen: Luzie zerschnitten

Zwei Methoden Chilis zu trocknen: Der Backofen

Zutaten

  • Frische Chilis, am besten vom eigenen Balkon
  • 1 Paar Einweghandschuhe
  • 1 Brettchen
  • 1 Teller mit Küchentuch ausgelegt
  • 1 umluftfähiger Backofen

Arbeitsschritte

  1. Alle Chilis entstielen und entkernen.
  2. So mehr Saatgut ihr entfernt, desto milder werden die getrockneten Chilis aus denen ihr z.B. Chiliflocken herstellen könnt.
  3. Halbiert die Chilis, dadurch verringert sich die Trocknungszeit im Backofen.
  4. Legt die Chilis auf einem Backblech mit Backpapier aus. Stellt den Backofen auf 80-90 °C ein und steckt einen Holzlöffel in die Backofentür, damit die Luftfeuchtigkeit entweichen kann. Bei geschlossenem Backofen würden die Chilis verkochen.
  5. Nach ca. 45 Minuten solltet ihr die Chilis wenden.
  6. Der gesamte Vorgang dauert je nach Größe und Dickwandigkeit der Chilis 1,5-3 Stunden.
  7. Die Chilis sind dann dazu bereit, weiterverarbeitet zu werden, wenn sie zwischen den Händen (in Handschuhen!) leicht zerbröseln und nicht mehr elastisch sind.
  8. Die Chilis könnt ihr entweder grob zerböselt zu Chiliflocken verarbeiten, oder mit Hilfe eines Mörsers oder z.B. einer elektrischen Kaffeemühle zu feinem Chilipulver zermahlen werden.
  9. Verpackt die Chilis Luft-, Feuchtigkeits-, und Licht geschützt, dann habt ihr noch lange Spaß an der Schärfe vom eigenen Balkon.

Tipp: Wer zwar aktuell keine Zeit ein leckeres Chiliöl, oder ein Chilisalz zuzubereiten, kann dies mit den getrockneten Schoten auch noch im Nachhinein tun. Der Vorteil: durch die Trocknung sind die Chilis deutlich haltbarer und lassen das Öl nicht so schnell kippen.

 

Thailändische Chilisauce

Nicht nur meine Ernte war in diesem Jahr wunderbar – auch im Bayrischen Wald hat die Sonne die scharfen Schoten zur Höchstform angetrieben.  Als ich ein Foto von Petra Holzapfels Ausbeute entdeckte, konnte ich nicht anders als sie um eine kleine Saatgutspende zu bitten. Petra, eine Foodbloggerin der ersten Stunde, berichtet auf ihrem Blog „Chili und Ciabatta“ mehrmals die Woche über kulinarische Erlebnisse vom türkischem Mezze bis hin zum Brot aus dem eigenen Steinofen.  Wenige Tage später hatte ich ein Paket mit Chilis in der Post, die vielversprechende Namen trugen wie Big Jamaican Yellow, Lemon Drop, De Arbol und Belgian Carrot. In der Balkonsaison 2017 werden die Lila Luzie und die Glockenpaprika eindeutig Gesellschaft bekommen.

Da mein Gärtner und ich die südost-asiatische Küche sehr lieben, habe ich mich für eine thailändische Chilisauce entschieden. Das Originalrezept stammt von der Chili-Experten-Plattform Pepperworld. Ich habe das Rezept jedoch etwas abgewandelt: den raffinierten Zucker habe ich durch braunen Zucker ersetzt und die Anzahl der Knoblauchzehen verdoppelt. Wer die Sauce etwas milder gestalten möchte, sollte auf weniger scharfe Sorten zurückgreifen, oder die Anzahl der Chilis reduzieren. Der erste Test der Sauce hat auf jeden Fall überzeugt: eine wunderbar süß-saure Sauce mit kräftiger Schärfe.

Thailändische Chilisauce

Zutaten

  • 1 rote Paprika
  • 4 Knoblauchzehen
  • 6-8 scharfe Chilis
  • 125 ml Reisessig
  • 250 g brauner Zucker
  • 500 ml Wasser

Zubereitung

  1. Gläser oder Flaschen für circa 500 ml Inhalt sterilisieren.
  2. Paprika und Chilis waschen.
  3. Handschuhe zücken und die Chilis entkernen und klein schneiden. Bei samenfesten Sorten sollte das Saatgut für die nächste Saison gewonnen werden.
  4. Anschließend könnt ihr die Chilis grob zerschneiden und in euren Mixer geben.
  5. Die Paprika entstielen, entkernen und in groben Stücken ebenfalls in den Mixer geben.
  6. Vier Knoblauchzehen enthäuten, kleinschneiden und zur Paprika und den Chilis geben.
  7. Damit euer Mixer den Inhalt besser zerkleinern kann, solltet ihr einen kleinen Schluck des halben Liters Wasser hinzugeben und den Inhalt anschließend zerkleinern.Das erspart das Rütteln und Rumrühren im Mixer.
  8. Der Rest des Wassers wird anschließend mit Zucker und Reisessig in einem Topf erhitzt. Da es sein kann, dass die Mischung während des Aufkochens schäumt, sollte der Topf nicht zu klein sein.
  9. Im nächsten Schritt wird die pürierte Chili-Paprika-Knoblauch Mischung hinzu gegeben und alles erneut aufgekocht.
  10. Auf mittlerer Flamme solltet ihr die Sauce nun reduzieren lassen, bis sie eine sirupähnliche Konsistenz erhält.
  11. Zu guter Letzt müsst ihr die Chilisauce nur noch die von euch gewählten Behältnisse abfüllen.
http://www.vonundzugruen.de/thailaendische-chilisauce/

 

Die Chili-Masse getarnt als leckerer Smoothie.
Die Chili-Masse getarnt als leckerer Smoothie.

thai-chilisauce

Paprika-Chili-Chutney

Die Chiliernte 2016 war fantastisch! Der warme Spätsommer hat sowohl der Glockenpaprika, als auch der Lila Luzie gut getan – sie strahlen beide in knalligem Rot. In vielen Jahren hatte ich Schwierigkeiten, dass die Chilis den nötigen Reifegrad erreichten, da die Pflanzen viel Sonne und Wärme brauchen. Als hätte der Verein für Nutzpflanzenerhaltung es geahnt, ernannte er die Gartensaison 2015/2016 zum Jahr der Paprika/Chili – die obwohl sie in vielen verschiedenen Formen, Farben und Schärfegraden daherkommen, zu ein und der selben botanischen Gattung gehören: Capsicum.

Paprika-Chili-Chutney: Reife Glockenpaprika

Zwölf Glockenpaprika hat meine kleine Pflanze in diesem Jahr abgeworfen, deshalb habe ich mit dem Paprika-Chili-Chutney ein Rezept gewählt, in dem zehn der zwölf Exemplare verarbeitet werden. Gefunden habe ich diese leckere Form der Chili-Konservierung auf der Webseite von Jamie Oliver – der Mal wieder tollen Geschmack beweist.

Paprika-Chili-Chutney

Zutaten

  • 10 frische rote Chilis
  • 8 rote Paprika
  • Olivenöl
  • 2 rote Zwiebeln
  • Die gehackten Blätter eines Rosmarinzweigs
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 Zimtstock
  • Meersalz und schwarzer Pfeffer
  • 100g brauner Zucker
  • 150 ml Balsamicoessig

Zubereitung

  1. Das Rezept ergibt ca. 400 Gramm Chutney. Damit ihr das Chutney für einige Monate aufbewahren könnt, ohne dass es verdirbt, solltet ihr ca. vier kleine Marmeladen- oder Einmachgläser sterilisieren.
  2. Im nächsten Schritt werden die Paprika gewaschen, entkernt und im Backofen mit der Haut nach oben gegrillt. Hierzu stelle ich meinen Backofen auf ca. 220 °C – aber wie ihr wisst, können die Temperaturen von Gerät zu Gerät schwanken. Wartet so lange bis die Paprika Blasen werfen, und sich die Haut dunkel verfärbt.
  3. Während die Paprika im Ofen brutzeln, könnt ihr die deutlich kleineren Chilis halbieren und entkernen. Zusammen mit den Paprika würden sie viel zu schnell verbrennen. Aber denkt dran: Scharf! Es bietet sich an Handschuhe zu tragen, schließlich ist es während des Kochens viel zu schnell geschehen, dass man sich in die Augen, oder an die Nase fasst. Wenn es sich bei euren Chilis um samenfeste Sorten handelt, sollte das Saatgut für die nächste Saison zurückgelegt werden.
  4. Sobald die Paprika Blasen geworfen haben, empfiehlt Jamie Oliver, dass man die Schoten in eine Schüssel gibt, diese mit Frischhaltefolie verschließt und die Paprika ausdampfen lässt. Anschließend soll sich die Haut deutlich leichter von den Schoten abtrennen lassen. Während dieser Effekt bei den Chili Schoten eingetreten ist und das Pellen zum Kinderspiel gemacht hat, war es bei den Paprikaschoten eine kleine Schweinerei und ein wenig Frickelarbeit. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, die Paprika erst nach dem Enthäuten zu Entkernen – vielleicht habe ich mir mit meiner Vorarbeit mehr Probleme geschaffen als abgenommen.
  5. Nun kommen die Chilischoten kurz unter den Grill und werden ebenso wie die Paprika geschält. Zusammen wird die Mischung zur Seite gestellt.
  6. Schnell werden die Zwiebeln in kleine Würfel geschnitten, während in einer großen Pfanne etwas Olivenöl erhitzt wird. Zusammen mit den Lorbeerblättern, der Zimtstange und dem Rosmarin werden die Zwiebeln nun langsam erhitzt, bis sie schön weich und klebrig werden. Gewürzt wird die Mischung mit Meersalz und frischem Pfeffer.
  7. Nach circa 20 Minuten werden die Chili-Paprikamasse, der Zucker, der Balsamico-Essig und der Zucker hinzugefügt. Das Chutney sollte langsam reduziert werden, bis eine schöne süß-klebrige Masse entsteht. Zu guter Letzt werden die Zimtstange und die Lorbeerblätter entfernt und das Chutney in die sterilisierten Gläser gefüllt.
  8. Jetzt muss nur noch ein gutes Stück Käse, Baguette oder für Flexitarier auch ein Stück Fleisch auf den Tisch, um das Chutney genießen zu können.
http://www.vonundzugruen.de/paprika-chili-chutney/

Blütenendfäule und jetzt?

Schädlinge, Pilze, Mangelerscheinungen – dies sind wohl die drei Schlagwörter, die jeden Hobbygärtner zusammenschrecken lassen. Leider hat es auch mich in dieser Saison ereilt. Während Schädlinge wie z.B. Schnecken kaum ihren Weg auf meinen Balkon finden, bleiben auch meine Pflanzen vor anderen Krankheiten und Besuchern nicht verschont. Dieses Jahr hat es leider meine Lieblinge getroffen: die Tomaten hatten die Blütenendfäule.

Blütenendfäule: Das Schadbild.

Ist es die Krautfäule?

Als ich das erste Mal die großen, schwarzen Stellen auf meinen Tomaten entdeckte, lief es mir kalt den Rücken runter. Mein erster Gedanke war: Krautfäule. Der Befall mit diesem sehr hartnäckigen Pilz bedeutet, dass ich meine Ernte in diesem Jahr wohl hätte aufgeben müssen. Doch konnte es Krautfäule sein? Nach einer eingehenden Analyse des Schadbildes musste ich feststellen, dass wichtige Merkmale der Krautfäule nicht auf meine Tomaten zutrafen. Ein wichtiger Indikator der Krautfäule ist ein gut erkennbares Schadbild an den Blättern. Im Frühstadium des Pilzbefalls verfärben sich die Blätter der Pflanzen dunkel und vertrocknen. Sobald der Pilz sich in der Pflanze ausgebreitet und sie stark geschwächt hat, beginnen nun auch die Früchte zu faulen und abzusterben. Ist dieses Stadium erreicht, ist die Pflanze kaum noch zu retten. Der Pilz, der die Krautfäule auslöst, verbreitet sich sehr schnell, weshalb die Pflanzen dringend von ihren Nachbarn separiert werden sollten. Wird die Pflanze vernichtet, weil sie nicht mehr zu retten ist, müssen die Töpfe, Stäbe und alles was mit der Pflanze und ihrer Erde in Berührung gekommen ist, heiß abgewaschen werden. So könnt ihr verhindern, dass ihr eure Pflanzen in der kommenden Saison wieder ansteckt. Solltet ihr einen Kompost haben, ist es wichtig, dass infizierte Pflanzen und ihre Erde nicht darin landen. Zu groß ist die Gefahr, dass der Pilz in eurem Kompost überdauert und andere Pflanzen in der nächsten Saison infiziert.

Welche Krankheit löst faulige Blütenansätze an Tomaten aus?

Aufgrund der starken grünen Blätter meiner Tomaten schloss ich es zunächst einmal aus, dass es sich bei meinem Schadbild um die Krautfäule handelt. Zur Sicherheit separierte ich die drei betroffenen Exemplare von den zwei anderen Tomatenpflanzen. Doch wieso hatten sich meine Tomaten an ihrer Spitze zunächst glasig und dann dunkel verfärbt? Da die Verfärbung an allen betroffenen Tomaten an der Stelle auftrat, an der sich zuvor der Blütenansatz befand, lag das Schadbild der Blütenendfäule nahe. Bei der Blütenendfäule handelt es sich nicht um einen Pilz, sondern um eine Mangelerscheinung bzw. Stoffwechselerkrankung. Die mir zugängliche Gartenliteratur ist sich über die genaue Ursache der Blütenendfäule nicht im Klaren. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie durch einen Calciummangel der Pflanzen ausgelöst wird. Durch die Transpiration der Tomatenpflanzen werden Nährstoffe und Wasser aus dem Boden in die Blätter und Früchte transportiert. Da dieser Prozess jedoch in der Tomatenfrucht nicht so schnell abläuft, wie im Blattwerk, kann es zu einer Unterversorgung der Früchte mit Nährstoffen wie Calcium kommen. Die Blütenendfäule wird insbesondere dadurch begünstigt, dass es zu starken Schwankungen zwischen Trockenheit und Feuchtigkeit kommt – die Pflanzen ganz einfach ausgedrückt, nicht häufig genug bzw. nicht regelmäßig genug gegossen wurden. Da der bisherige Sommer sehr verregnet war, hatte ich das Gefühl, dass meine Tomaten nicht so viel Wasser benötigen würden, vielleicht war das mein Fehler.

Bluetenendfaeule im Anfangsstadium

Was kann ich gegen Blütenendfäule tun?

Die zwei meist genannten Ratschläge, die ich zum Thema Blütenendfäule finden konnte, waren: Gießen, Gießen, Gießen und der Einsatz von Kalk. Gesagt getan: zunächst stürmte ich den nahegelegenen Baumarkt und besorgte Kalk. Ich verwöhnte meine Tomaten mit etwas frischer Erde, Kalk und viel Wasser. Nun muss ich zunächst beobachten, wie die Pflanzen reagieren und wie sich die nachkommenden Früchte verhalten. Wenn ich Glück habe und die Behandlung anschlägt, sollte ich in dieser Saison auch noch ein paar Fleischtomaten ernten können. Bei einem Besuch in der niederrheinischen Heimat musste ich darüber hinaus feststellen, dass die Fleischtomaten (unter anderem Sorte San Manzano) auch bei meinen Eltern das gleiche Schadbild zeigen. Es stellt sich also die Frage, ob vielleicht einige Tomatensorten besonders anfällig für diese Stoffwechselkrankheit sind. Dieser Frage werde ich weiter auf den Grund gehen und euch informieren, sobald ich näheres weiß. Habt ihr in diesem Jahr auch mit der Blütenendfäule zu kämpfen, oder hat euch sogar die Krautfäule erwischt? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Scholle für eine Saison – ein Selbstversuch

Das erste Mal, dass ich von vorbestellten Ackerstreifen á la Meine Ernte oder Ackerhelden hörte, war ich zwiegespalten. Eine geniale Idee für Berufstätige und alle, die nur wenig Zeit investieren wollen und/oder können und/oder wenig Ahnung vom Gärtnern haben. ABER: Eigentlich will ich doch alles oder nichts, im Schweiße seines Angesichts die eigene Scholle umgraben, den Boden vorbereiten, säen, jäten, pflegen und die Früchte meiner harten Arbeit ernten! Attraktiv ist, dass einem durch die Vorbestellung ein guter Teil der Arbeit abgenommen wird sowie der relativ geringe Aufwand den man betreiben kann, um sich zu einem recht guten Preis eine Saison lang mit eigenem Gemüse zu versorgen. Zudem erlebt man anhand der eigenen Erfahrung die Saisonalität von Gemüse. Der Balkon platzt aus allen nähten – das Vorhaben kann auch als eine Vorstufe zu einem eigenen Garten gesehen werden.

Es kam, wie es kam, zu Beginn des Jahres fragte dann eine Freundin an. Nun teilen wir uns zu fünft einen vorbestellten Ackerstreifen von 50 qm. Die Pragmatikerin in mir gewann: 30 Minuten Fahrzeit für eine Strecke mit dem Rad vs. knapp eine Stunde zum nächstgelegenen Biohof der das gleiche in, nun ja, bio anbietet. Unschlagbar, wenn man bedenkt, dass man auf dem Acker auch noch aktiv werden will! Zudem wollte ich der weitverbreiteten städtischen Vorstellung von Landwirtschaft etwas entgegensetzen, die sich oftmals gedanklich zwischen den Extremen idyllischer, (vermeintlich) perfekter Biohof und Massenanbau/-tierhaltung bewegt und dem Mittelmaß wenig Raum bietet.

Es ist also nun das Projekt „Feldfreunde“ vom Oberschuirshof im Essener Südwesten geworden. Ähnlich vielen Höfen, die eine Lage in direkter Nähe zu einem urbanen Raum wie dem Ruhrgebiet haben, hat auch der Betrieb von Familie Weber viele Standbeine: mit 60 ha Ackerfläche, einem Schweine- und Geflügelhof, Hofladen und dem Projekt „Feldfreunde“ nennt er sich einen „Bauernhof zum Anfassen“. Hier kann man zwischen Mai und Oktober zu einem guten Preis Ackerstreifen von entweder 50 oder 100 qm für eine Saison anmieten. Eine festgelegte Zahl an Gemüsesorten ist vorgesät, die ersten Meter des Streifens sind durch die Mieter frei bepflanzbar. Zum Ende der Saison wird das Feld geräumt. Die Lage ist toll: Unter freiem Himmel schweift der Blick schnell über die grünen Ruhrhöhen.

 

Unser Ackerstreifen Anfang/Mitte Mai 2016
Unser Ackerstreifen mit Blick auf das Ruhrtal (Mitte Mai 2016)

 

Ab Anfang Mai erhält man regelmäßig Newsletter mit wichtigen und aktuellen Infos und Tipps. Familie Weber steht einem mit Rat und Tat für weitere Fragen beiseite. Seit diesem Jahr (2016) erhält man im Hofladen je 50 qm ein Starter-Paket „Kräuter und Blumen“. Auch im Laufe der Saison kann man Setzlinge und Saatgut dort zum Nachpflanzen kaufen. Wasserstellen und Kompostlager werden eingerichtet, es gibt eine Hütte, in der Werkzeug zur Verfügung steht. Auch Rankgitter und Bambusstäbe werden jedem Feld für rankende Pflanzen wie Bohnen oder Erbsen bereitgestellt. Hunde sind grundsätzlich willkommen, sofern man auf den Schutz der Felder achtet und berücksichtigt, dass hier Lebensmittel angebaut werden! Positiv ist auch die Kooperation mit Foodsharing: Im Werkzeugschuppen am Anfang des Feldes findet man Infos zum Projekt und eine Sammelkiste für überschüssige Ernte.

 

Erste Ernte
Erste Ernte (Mai 2016)

 

Alles schießt – Unser Acker im Juli 2016

 

IMG_1421
Phacelia als wahrer Bienenfreund

 

Von dem Ergebnis bin ich positiv überrascht. Bisher reicht das geerntete Gemüse allemal für uns fünf. Der Gedanke entspannt, dass einem die erste Arbeit abgenommen wird und jedem selbst überlassen bleibt, wie viel Aufwand in die eigene Scholle gesteckt wird. Abhängig davon ist natürlich auch der Ertrag… Deutlich wird auch die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Wetter. Je nach Wetterlage kann es durchaus passieren, dass sich manche Gemüsesorten besser und andere schlechter entwickeln. Immer wieder ist es interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die ursprünglich identischen Felder gestaltet werden mit Pflanzen, Fußwegen, Bänken, Stühlen, Windrädern und mehr. Ein wenig kurios und etwas konservativ erscheint mir nach wie vor das Bild des Städters, der an den Stadtrand fährt, um dort emsig seine Scholle zu bewirtschaften. Man grüßt sich freundlich, ein bisschen entsteht ein Gefühl von Kleingartenidylle. Dennoch ist es toll zu sehen, mit wie viel Enthusiasmus und Mühe viele ihr Feld für eine Saison beackern. Sehr unterschiedliche Gruppen treffen dort aufeinander, Familien, Freunde, Singles, Studenten, junge Paare, Berufstätige, Rentner und viele mehr. Alle freuen sich über ihr kleines Stück grünes Glück und ein Stündchen oder zwei Flucht aus der Stadt.

 

Variationen einer Bank
Variationen einer Bank

 

Exotischer Freund
Exotischer Freund

 

Vielfalt
Grüne Vielfalt

 

Saisonal mietbare Ackerstreifen rundum Essen (Ruhr):

Oberschuirshof der Familie Weber in Essen-Schuir (Feldfreunde) – http://www.feldfreunde.de

Biohof Oberhammshof in Essen-Fischlaken (Bauer Günther Maas) – Mittelhammshof@aol.com

 

Bundesweit aktive Angebote:

Meine Ernte (in Essen-Kray auch am Bauernhof Mechtenberg) – http://www.meine-ernte.de

Ackerhelden (Partner von Bioland) – http://www.ackerhelden.de

 

Wie sind Eure Erfahrungen mit vorbestellten Ackerstreifen? Erntet ihr auch kindskopfgroße Kohlrabi oder ärgert ihr Euch über die magere Möhrenernte? Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen!

Die erste Gurke vom eigenen Balkon

Die Gurke ist neben der Tomate wohl das beliebteste Gemüse auf den deutschen Salattellern. Wie eine brasilianische Freundin immer wieder sagt: „Deutschland ist ein Gurkenland!“. Umso trauriger war ich, dass es in den letzten Balkonjahren einfach nicht gelingen wollte, das knackige grüne Gemüse großzuziehen. Der Traum von der Gurke vom eigenen Balkon schien zu zerplatzen: Klein und hutzelig fristeten sie ihr Dasein und stellten dann im Laufe der Saison ihr Wachstum vollkommen ein. In diesem Jahr ist alles anders. Zusammen mit den verschiedenen Tomatensorten, der Malve und der Tagetes wurden seit Feburar/März auch zwei Schlangengurken auf meiner Fensterbank großgezogen. Mitte Mai zog eine der Gurken in einen großen Kübel auf den Balkon um. Vom großen Wurzelraum und der frischen Erde beflügelt, machte die Gurke einen riesigen Schuss und ich kam mit dem Anbinden der Pflanze kaum hinterher. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass das gute Stück an ihrer improvisierten Rankhilfe hinuntergerutscht ist. Für die kommende Saison habe ich mir deshalb schon viele Ideen notiert, wie man die Konstruktion verbessern kann. In diesem Jahr muss die Gurke sich leider mit der großen Stange und der stützenden Kraft der umliegenden Regale und Pflanzen zufrieden geben.

Gurke von eigenem Balkon - Das Blattwerk

Gurke von eigenem Balkon - Das erste Exemplar

Freudestrahlend entdeckte ich dann in der vergangenen Woche, versteckt hinter dem dichten Blattwerk die erste ausgewachsene Gurke. Schnell wurden die Abendessenspläne umgeworfen und an die Ernte angepasst. Haptisch ist die selbstgezogene Schlangengurke ein Erlebnis: an der Schale befinden sich an einigen Stellen kleine Dornen. Ein Merkmal das im Supermarkt wohl kaum Entzückung hervorrufen würde. Frisch gewaschen und angeschnitten, dann die nächste Feststellung, auch die Balkongurke ist herrlich saftig und besitzt im Gegenteil zu ihren Hybridschwestern noch sehr gut sichtbare Kerne, die sich jedoch im Salat als weich und nicht störend herausstellen.

Wie schmeckt die erste Gurke vom eigenen Balkon?

In Begleitung von Avocado, Salatapfel und Granatapfelkernen wurde die Gurke direkt noch am Abend als Salat verputzt. Ein kleiner Teil wanderte am kommenden Morgen als besonderes Extra auf mein Frischkäsebrötchen. Geschmacklich ähnelt die Schlangengurke vom eigenen Balkon den Gurken aus dem Supermarkt sehr, ich hatte das Gefühl, dass sie minimal mehr Bitterstoffe enthält als die konventionellen Produkte.

Gurke mit Avocado und Granatapfel

Gurke vom eigenen Balkon - Gurkensalat mit Avocado und Granatapfel

Jetzt wo die Gurkenpflanze in diesem Jahr ihr Bestes gibt, muss ich mich wohl stärker mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Neben der Problematik des richtigen Hochbindens stellt sich darüber hinaus die Frage was mit den Seitentrieben der Gurken geschehen soll, viele Bücher und Blogs empfehlen ähnlich wie bei Tomaten ein regelmäßiges Ausgeizen der Seitentriebe. Während dies bei der Tomatenzucht schon in Fleisch und Blut über gegangen ist, habe ich dies bei der Gurkenzucht bisher noch nicht bedacht. Wie sind eure Erfahrungen im Umgang mit den Seitentrieben? Welche Rankkonstruktion könnt ihr empfehlen? Ich freue mich sehr auf eure Tipps und hoffe, dass meine Pflanze mir noch ein paar weitere Geschenke für einen großen Salatteller macht.