Pflanzt das Frühlingsbuffet für unsere Bienen!

Was gibt es schöneres als nach einem langen, kalten, regnerischen Winter, die ersten Blätterspitzen in den Beeten und Wiesen zu entdecken. Jetzt heißt es nur noch ein paar Tage warten und die winterliche Tristesse verwandelt sich in ein kleines Blütenmeer. Und nicht nur die Menschen verzehren sich im Frühjahr nach den ersten Blumen, auch die Tierwelt kann es kaum erwarten. Insbesondere die Königin unter den Gärtner-Nützlingen ist auf Frühlingsblüher angewiesen: die Biene.

Während Honigbienen nasses und kaltes Wetter meiden, sind Wildbienen schon zu Beginn des Frühjahrs und bis lang in die kalten Tage hinein unterwegs. Viele Wildbienen, wie z.B. die Mauerbiene,  können Pflanzen bestäuben, die Honigbienen aufgrund ihrer Statur nicht anfliegen. Deshalb bilden sie einen sehr wichtigen Bestandteil unseres Ökosystems. Jedoch ist in den letzten Jahrzehnten die Situation für die Wildbienen sehr schwierig geworden: Sie leiden unter einem mangelnden Nahrungsangebot, fehlenden Nistplätzen und in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmitteln.

Unsere Bienenvielfalt ist bedroht

In Deutschland sind 561 Wildbienenarten bekannt (Westrich et al. 2011), mehr als die Hälfte dieser Arten stehen auf der roten Liste. Sie gehören somit zu den gefährdeten Arten unseres Landes. Zwar leidet auch die Honigbiene unter den Entwicklungen, jedoch ist sie weniger stark spezialisiert und nicht durch den Schwund von Nistmöglichkeiten betroffen. Im Gegensatz zu Honigbienen, die in Völkern leben, sind sehr viele Wildbienenarten Solitärbienen, die als Einzelgänger in Totholz oder dem Boden nisten. Zwar stellen immer mehr Mensch als „Bienenhotels“ bekannte Nistmöglichkeiten auf, jedoch entsprechen diese häufiger den ästhetischen Kriterien der Menschen, als den Ansprüchen der Bewohner. Worauf man bei der Auswahl des richtigen Bienen- bzw. Insektenhotels achten sollte, findet ihr z.B. auf der Seite der Bienenretter. Darüber hinaus ist der Flugradius von Wildbienen deutlich eingeschränkter als bei Honigbienen. Während Wildbienen nur in einem Radius von 50 bis 300 Metern auf Nahrungssuche gehen können, nehmen Honigbienen einen Weg von bis zu drei Kilometern auf sich, um nektarreiche Pflanzen zu finden.

Fruehlingsblueher auf Wiese

Was Bienen für uns leisten

Für viele Menschen sind Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen angsteinflößend – sie fürchten sich vor ihren Stacheln, obwohl die meisten Tiere diesen so gut wie nie einsetzen. Viel mehr Angst sollte der Mensch davor haben, dass die Bienen verschwinden, denn mit ihnen verschwindet die Vielfalt auf unseren Tellern. Werden Obstbäume, Beerensträucher und Gemüsepflanzen nicht bestäubt, tragen sie keine Frucht. Jedoch sind 80 Prozent der heimischen Kultur- und Wildpflanzen  auf Bienen angewiesen. Auch andere Tiere leiden unter dem Rückgang der Bienenpopulation. Bestäuben die Bienen keine Sträucher und Büsche fehlen vielen Vögeln und Nagern die Früchte, Beeren und Nüsse der Pflanzen als Nahrungsgrundlage – sie müssen hungern. Einige Pflanzenarten sind so stark auf die Bestäubung durch  eine spezialisierte Bienenart angewiesen, dass das Verschwinden der Bienen auch ihr Aussterben besiegelt.

Was wir tun können

Nicht jeder hat einen großen Garten, oder sogar einen eigenen Acker und trotzdem können wir alle unseren Beitrag leisten, damit es sowohl den Wild- als auch den Honigbienen in Deutschland wieder besser geht. Ein Stündchen Arbeit auf dem Balkon oder dem Rasen vor dem Haus kann schon viel bewegen. Während ich meinen Balkon für essbare Pflanzen nutzen möchte (auch blühende Kräuter sind Bienenweiden!), bietet der karge Rasen vor unserem Haus eine schöne Fläche für Frühlingsboten. Schon in den letzten Jahren habe ich einige Frühlingszwiebeln gesetzt, in diesem Jahr sind 100 weitere Zwiebeln hinzugekommen. Bestellt habe ich die Zwiebeln bei den Bienenrettern, einem gemeinnützigen Bildungs- und Ökologieprojekt des Frankfurter Instituts für nachhaltige Entwicklung e.V.. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt über die Situation der Honig- und Wildbienen aufzuklären und Groß und Klein beizubringen diese wichtigen Insekten zu schützen. Unter dem Slogan „Lass deine Stadt aufblühen!“ vertreibt der Verein darüber hinaus bienenfreundliche Blumenzwiebeln und Saatgutmischungen für den eigenen Balkon. Die Einnahmen durch den Verkauf fließen zurück in die Bildungsprojekte der Bienenschützer und tragen somit dazu bei, dass noch mehr Menschen Bienenschutz betreiben.

Auf dem Rasen vor unserem Haus habe ich folgende Sorten gepflanzt:

  • Bunte Krokusse
  • Sternhyazinten
  • Blausternchen
  • blau-weiße Kegelblumen

Wann blüht das Frühlingsbuffet für die Bienen?

Die BlühIm Einsatz für die Biene: Gartenschaufel kaputt!zeit der Pflänzchen beginnt im Februar und endet im April. Um unseren Rasen nicht unnötig zu löchern, habe ich an einigen Stellen größere Stücke Rasen mit meiner Schaufel abgestochen, angehoben und die Zwiebeln in Gruppen gepflanzt, je nach Größe der Zwiebeln circa 3-5 cm unter der Erde bzw. der Grasnarbe. Wenn der Rasen im Anschluss wieder auf die Stelle gesetzt und festgetreten wird, ist kaum zu erkennen, dass er zuvor abgelöst wurde. Das Pflanzen in Grüppchen erleichtert darüber hinaus unseren Gärtnern das Mähen im Frühjahr. Jedes Jahr bemühen sich die Gärtner liebevoll die blühenden Pflanzen zu umfahren – ich will es ihnen nicht unnötig schwer machen.  Leider war das Abstechen des Rasens etwas zu viel für meine geliebte alte Gartenschaufel, nach circa 15 Jahren unermüdlichem Einsatz für meine Familie, hat sie dem Rost nachgegeben. Da steht wohl spätestens im kommenden Frühjahr eine kleine Neuanschaffung an.  Vielen Dank geliebter Helfer für deinen letzten großen Einsatz.

Darüber hinaus habe ich den Tipp bekommen, dass Stockrosen, die im Spätherbst noch in den Boden kommen, mit etwas Glück schon im kommenden Jahr blühen. Eine liebe Freundin hat mir drei kleine Kraftprotze geschenkt, die ich natürlich direkt eingepflanzt habe. Warten wir mal ab, wie sie sich im nächsten Jahr machen. Ich freue mich auf jeden Fall auf das kleine Blütenmeer auf unserem Rasen und auch die grimmigsten Nachbarn haben bisher jedes Jahr mit Freuden auf die Pflänzchen geschaut. Es lebe das Gärtnern in der Stadt.

Für unsere Bienen: Stockrose setzen

Tipps für die eigene Recherche:

  1. Wer mehr über Wildbienen erfahren möchte, dem kann ich die Webseite von Dr. Paul Westrich ans Herz legen. Seit 2005 sammelt der promovierte Biologe auf seiner Seite wichtige Informationen zu zahlreichen Wildbienenarten, stellt spannende Fotos und Steckbriefe zur Verfügung. Natürlich bietet Westrich auch viele Tipps wie die Bestände und Lebensräume der Wildbienen geschützt werden können.
  2. Wer mehr über die Honigbiene und das Bienensterben erfahren möchte, der sollte sich die Dokumentation „More than Honey“ des Regisseurs Markus Imhoof aus dem Jahr 2012 ansehen. Sie zeigt eindrücklich wie industrialisiert die Honig- und Bestäubungsindustrie ist, wie alte Bienenarten unter überzüchteten Rassen leiden und welche Krankheiten die Tiere quälen. Neben dem iTunes-Store, ist der Film auch kostenfrei in der Amazon-Prime Bibliothek zu sehen.

Literaturverzeichnis:

Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.) (2011): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 373-416.

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