Thailändische Chilisauce

Nicht nur meine Ernte war in diesem Jahr wunderbar – auch im Bayrischen Wald hat die Sonne die scharfen Schoten zur Höchstform angetrieben.  Als ich ein Foto von Petra Holzapfels Ausbeute entdeckte, konnte ich nicht anders als sie um eine kleine Saatgutspende zu bitten. Petra, eine Foodbloggerin der ersten Stunde, berichtet auf ihrem Blog „Chili und Ciabatta“ mehrmals die Woche über kulinarische Erlebnisse vom türkischem Mezze bis hin zum Brot aus dem eigenen Steinofen.  Wenige Tage später hatte ich ein Paket mit Chilis in der Post, die vielversprechende Namen trugen wie Big Jamaican Yellow, Lemon Drop, De Arbol und Belgian Carrot. In der Balkonsaison 2017 werden die Lila Luzie und die Glockenpaprika eindeutig Gesellschaft bekommen.

Da mein Gärtner und ich die südost-asiatische Küche sehr lieben, habe ich mich für eine thailändische Chilisauce entschieden. Das Originalrezept stammt von der Chili-Experten-Plattform Pepperworld. Ich habe das Rezept jedoch etwas abgewandelt: den raffinierten Zucker habe ich durch braunen Zucker ersetzt und die Anzahl der Knoblauchzehen verdoppelt. Wer die Sauce etwas milder gestalten möchte, sollte auf weniger scharfe Sorten zurückgreifen, oder die Anzahl der Chilis reduzieren. Der erste Test der Sauce hat auf jeden Fall überzeugt: eine wunderbar süß-saure Sauce mit kräftiger Schärfe.

Thailändische Chilisauce

Zutaten

  • 1 rote Paprika
  • 4 Knoblauchzehen
  • 6-8 scharfe Chilis
  • 125 ml Reisessig
  • 250 g brauner Zucker
  • 500 ml Wasser

Zubereitung

  1. Gläser oder Flaschen für circa 500 ml Inhalt sterilisieren.
  2. Paprika und Chilis waschen.
  3. Handschuhe zücken und die Chilis entkernen und klein schneiden. Bei samenfesten Sorten sollte das Saatgut für die nächste Saison gewonnen werden.
  4. Anschließend könnt ihr die Chilis grob zerschneiden und in euren Mixer geben.
  5. Die Paprika entstielen, entkernen und in groben Stücken ebenfalls in den Mixer geben.
  6. Vier Knoblauchzehen enthäuten, kleinschneiden und zur Paprika und den Chilis geben.
  7. Damit euer Mixer den Inhalt besser zerkleinern kann, solltet ihr einen kleinen Schluck des halben Liters Wasser hinzugeben und den Inhalt anschließend zerkleinern.Das erspart das Rütteln und Rumrühren im Mixer.
  8. Der Rest des Wassers wird anschließend mit Zucker und Reisessig in einem Topf erhitzt. Da es sein kann, dass die Mischung während des Aufkochens schäumt, sollte der Topf nicht zu klein sein.
  9. Im nächsten Schritt wird die pürierte Chili-Paprika-Knoblauch Mischung hinzu gegeben und alles erneut aufgekocht.
  10. Auf mittlerer Flamme solltet ihr die Sauce nun reduzieren lassen, bis sie eine sirupähnliche Konsistenz erhält.
  11. Zu guter Letzt müsst ihr die Chilisauce nur noch die von euch gewählten Behältnisse abfüllen.
http://www.vonundzugruen.de/thailaendische-chilisauce/

 

Die Chili-Masse getarnt als leckerer Smoothie.
Die Chili-Masse getarnt als leckerer Smoothie.

thai-chilisauce

Paprika-Chili-Chutney

Die Chiliernte 2016 war fantastisch! Der warme Spätsommer hat sowohl der Glockenpaprika, als auch der Lila Luzie gut getan – sie strahlen beide in knalligem Rot. In vielen Jahren hatte ich Schwierigkeiten, dass die Chilis den nötigen Reifegrad erreichten, da die Pflanzen viel Sonne und Wärme brauchen. Als hätte der Verein für Nutzpflanzenerhaltung es geahnt, ernannte er die Gartensaison 2015/2016 zum Jahr der Paprika/Chili – die obwohl sie in vielen verschiedenen Formen, Farben und Schärfegraden daherkommen, zu ein und der selben botanischen Gattung gehören: Capsicum.

Paprika-Chili-Chutney: Reife Glockenpaprika

Zwölf Glockenpaprika hat meine kleine Pflanze in diesem Jahr abgeworfen, deshalb habe ich mit dem Paprika-Chili-Chutney ein Rezept gewählt, in dem zehn der zwölf Exemplare verarbeitet werden. Gefunden habe ich diese leckere Form der Chili-Konservierung auf der Webseite von Jamie Oliver – der Mal wieder tollen Geschmack beweist.

Paprika-Chili-Chutney

Zutaten

  • 10 frische rote Chilis
  • 8 rote Paprika
  • Olivenöl
  • 2 rote Zwiebeln
  • Die gehackten Blätter eines Rosmarinzweigs
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 Zimtstock
  • Meersalz und schwarzer Pfeffer
  • 100g brauner Zucker
  • 150 ml Balsamicoessig

Zubereitung

  1. Das Rezept ergibt ca. 400 Gramm Chutney. Damit ihr das Chutney für einige Monate aufbewahren könnt, ohne dass es verdirbt, solltet ihr ca. vier kleine Marmeladen- oder Einmachgläser sterilisieren.
  2. Im nächsten Schritt werden die Paprika gewaschen, entkernt und im Backofen mit der Haut nach oben gegrillt. Hierzu stelle ich meinen Backofen auf ca. 220 °C – aber wie ihr wisst, können die Temperaturen von Gerät zu Gerät schwanken. Wartet so lange bis die Paprika Blasen werfen, und sich die Haut dunkel verfärbt.
  3. Während die Paprika im Ofen brutzeln, könnt ihr die deutlich kleineren Chilis halbieren und entkernen. Zusammen mit den Paprika würden sie viel zu schnell verbrennen. Aber denkt dran: Scharf! Es bietet sich an Handschuhe zu tragen, schließlich ist es während des Kochens viel zu schnell geschehen, dass man sich in die Augen, oder an die Nase fasst. Wenn es sich bei euren Chilis um samenfeste Sorten handelt, sollte das Saatgut für die nächste Saison zurückgelegt werden.
  4. Sobald die Paprika Blasen geworfen haben, empfiehlt Jamie Oliver, dass man die Schoten in eine Schüssel gibt, diese mit Frischhaltefolie verschließt und die Paprika ausdampfen lässt. Anschließend soll sich die Haut deutlich leichter von den Schoten abtrennen lassen. Während dieser Effekt bei den Chili Schoten eingetreten ist und das Pellen zum Kinderspiel gemacht hat, war es bei den Paprikaschoten eine kleine Schweinerei und ein wenig Frickelarbeit. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, die Paprika erst nach dem Enthäuten zu Entkernen – vielleicht habe ich mir mit meiner Vorarbeit mehr Probleme geschaffen als abgenommen.
  5. Nun kommen die Chilischoten kurz unter den Grill und werden ebenso wie die Paprika geschält. Zusammen wird die Mischung zur Seite gestellt.
  6. Schnell werden die Zwiebeln in kleine Würfel geschnitten, während in einer großen Pfanne etwas Olivenöl erhitzt wird. Zusammen mit den Lorbeerblättern, der Zimtstange und dem Rosmarin werden die Zwiebeln nun langsam erhitzt, bis sie schön weich und klebrig werden. Gewürzt wird die Mischung mit Meersalz und frischem Pfeffer.
  7. Nach circa 20 Minuten werden die Chili-Paprikamasse, der Zucker, der Balsamico-Essig und der Zucker hinzugefügt. Das Chutney sollte langsam reduziert werden, bis eine schöne süß-klebrige Masse entsteht. Zu guter Letzt werden die Zimtstange und die Lorbeerblätter entfernt und das Chutney in die sterilisierten Gläser gefüllt.
  8. Jetzt muss nur noch ein gutes Stück Käse, Baguette oder für Flexitarier auch ein Stück Fleisch auf den Tisch, um das Chutney genießen zu können.
http://www.vonundzugruen.de/paprika-chili-chutney/

Tschüß Tomaten – Willkommen Winterportulak!

Die Tomaten- und Gurkensaison ist endgültig beendet. Die letzten grünen Exemplare sind in den Schuhkarton in der Küche gewandert, wo wir sie zum Nachreifen lagern. Die Pflanzen sind zerkleinert worden und mein Gärtner hat den Grünschnitt für mich weggebracht. Ganz schön traurig sieht mein Lieblingsplatz jetzt aus. Doch lange soll mein Balkon nicht kahl bleiben, denn in diesem Jahr zieht zum ersten Mal eine essbare Winterbepflanzung in die verwaisten Töpfe. Tschüß Tomaten – Willkommen Winterportulak!

Die letzte Tomatenernte

Feldversuch – essbare Winterbepflanzung

Winterportulak ist nur einer der vielen Namen, die der neue Bewohner auf meinem Balkon trägt, er ist auch bekannt als gewöhnliches Tellerkraut oder Postelein. Ich habe die Sorte „Montia Perfoliata“ ausgesät, die für den Winteranbau geeignet ist. Auch wenn ich mit meiner Aussaat etwas spät dran bin, hoffe ich, dass ich aufgrund milder Witterungsverhältnisse auf meinem Südbalkon gute Ergebnisse erzielen werde. Die Samen sind in zwei Behältnisse gewandert: den Terrakotta-Kasten in dem ich zuvor Kopfsalat gezogen habe und einen großen Topf indem zuvor die Tomate Blackplum zuhause war. Die Erde des Salatbehältnisses habe ich nur von den größten Wurzeln befreit und mit etwas neuer Erde versorgt, da sowohl Kopfsalat, als auch Portulak zu den Schwachzehrern gehören, sollten noch genug Nährstoffe im Boden stecken. Beim Tomatenbehältnis war ich mit der Aufarbeitung der Erde etwas großzügiger und habe mehr neuen Boden dazugegeben, schließlich hat die Tomate als Starkzehrer ordentlich zulangt. Der Winterpostelein soll sowohl als Salat, als auch als Spinatgemüse genutzt werden können. Neben einer Ernte bis in den späten November hinein, überwintert der Winterportulak auch und kann noch mal im Frühjahr beernet werden, bevor er in die Blüte geht und neues Saatgut gewonnen werden kann.

Saatgutvielfalt auch im Winter

Das Saatgut für den Winterportulak habe ich im Frühjahr auf der Saatgutbörse in Düsseldorf gegen eine kleine Spende erhalten. Es stammt von dem Verein Bergische Gartenarche, der sich für die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt einsetzt. Gegründet wurde die Bergische Gartenarche Anfang der 2000er durch Initiative der bekannten Autorin Marie-Luise Kreuter, deren Buch „Der Bio-Garten: der praktische Ratgeber für den naturgemäßen Anbau von Gemüse, Obst und Blumen“ zu den absoluten Standardwerken im gartenaffinen Bücherregal gehört. Mehr als 1000 Paten erhalten und züchten für den Verein alte Nutzpflanzen in ihren Gärten und gewinnen das Saatgut, um es mit anderen Gärtnern zu tauschen. Jedes Frühjahr sucht der Verein neue Paten im Bergischen Land, um die Artenvielfalt zu erhalten. In diesem Jahr haben z.B. die Buschbohne Onkel Friedrich oder die Erbse Alte Weiber neue Kümmerer gefunden.

Spinat – ein winterfester Liebling

Neben Winterportulak habe ich auch noch Spinat der Sorte „Verdil“ ausgesät. Da diese Spinatsorte auch noch bis 2°C keimt, bin ich frohen Mutes, dass es noch was werden könnte. Sollte es leider doch zu spät gewesen sein, habe ich auch im März noch mal eine Chance, da ich den Spinat als Winter- und Frühjahrkultur nutzen kann. Untergekommen ist der Spinat in dem Topf des wunderbaren Algiersalats, der mich mit seiner lila Blüte noch bis spät in den September begeistert hat. Die Spinat-Sorte Verdil soll große kräfige Blätter ausbilden und starken Wachstum aufweisen. Da das Saatgut von Demeter stammt, besteht auch hier die Möglichkeit der eigenen Nachzucht.

Spinat zur essbaren Winterbepflanzung

Jetzt heißt es in den nächsten Wochen warten und regelmäßig die Erde feucht halten. Wenn es nicht gelingen sollte, werden im Frühjahr sowie im kommenden Winter neue Versuche gestartet, denn von kleinen Misserfolgen lasse ich mich doch nicht aufhalten. Das Experimentieren, Wiederholen und Nachforschen ist eine der größten Freuden des Balkongärtner-Daseins. Während ich auf die ersten kleinen Pflänzchen warte, genieße ich noch den Blick auf die letzten Blüten in diesem Jahr, die noch einmal ihr Bestes geben, bevor Herbst und Winter endgültig die Überhand gewinnen.

Zitronen-Tagetes in den letzten ZuegenDie letzten Blueten

Die Müll-Minimalistin

Am Anfang steht das Nein. Das ist der wichtigste und vielleicht auch der schwierigste Denkanstoß, den Bloggerin Shia Su mir mit ihrem Buch „Zero Waste – ist das neue Grün“ mit auf den Weg gegeben hat. Denn Nein-Sagen erfordert Mut, manchmal einige Erklärungen und insbesondere immer eine große Portion Freundlichkeit. Wer in unserer modernen Gesellschaft, weniger Müll verursachen möchte, der muss sich trauen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Denn nur, wenn ich den Kellner freundlich darum bitte, dass er mir keinen Strohhalm zu meinem Cocktail reicht, oder die Bäckerei-Fachangestellte nett frage, ob sie mir meine Brötchen direkt in meinen Leinenbeutel packt, kann ich mein Ziel erreichen.

Mehr Mut Nein zu sagen

Doch dieser Mut ist dringend notwendig – nach Angaben des Umweltbundesamtes verursachte jeder Bundesbürger im Jahr 2014 durchschnittlich eine halbe Tonne Verpackungsmüll. Rechnet man alle Privatpersonen zusammengenommen, ergibt das über 8,34 Millionen Tonnen Müll – das entspricht ungefähr dem Gewicht von 5,56 Millionen Kleinwagen. Insbesondere Kunststoffverpackungen erfahren einen enormen Aufschwung in unserer Gesellschaft, im Vergleich zum Jahr 1995 hat der Verbrauch von Kunststoffverpackungen um 1,39 Mio. Tonnen bzw. 89 % zugenommen.  Dazu tragen z.B. der steigende Konsum von Getränken in Kunststoffflaschen, in Folien verpacktes Gemüse oder der angestiegene Konsum von To-Go-Angeboten, wie der schnellen Portion Bratnudeln auf dem Nachhauseweg bei. Doch auch verstecktes Mikroplastik, im Gesichtspeeling oder der Zahnpasta, gelangen auf direktem Wege über den Wasserkreislauf in den Nahrungskreislauf von Fischen- und anderen Meeresbewohnern und so über kurz oder lang wieder auf unseren Tellern.

Zero Waste – Wo soll ich nur anfangen?

Wie bei so vielen Projekten ist auch beim Weg zum Müll-Minimalismus der erste Schritt der schwierigste. An erster Stelle steht erst einmal ein ungewohnter Kennen-Lern-Prozess: Während wir normalerweise den Deckel des Mülleimers so schnell wie möglich schließen, empfiehlt Shia in ihrem Buch: Augen auf, Zettel zücken und kritisch analysieren. Weitet man diesen Kennen-Lern-Prozess, auch auf den außerhaus produzierten und entsorgten Müll aus, wird schnell klar wo die größten Schwachpunkte liegen. Bei meinem Lieblingsgärtner und mir sind das vor allem die Lebensmittelverpackungen – mindestens ein bis zwei Mal die Woche tragen wir einen dicken gelben Sack zur großen Sammeltonne vor unserem Haus. Diese Säcke sind prall gefüllt mit Joghurtbechern, Gemüseverpackungen, Tetrapacks, Folien und anderen Kunststoffverpackungen, die während des Kochprozesses anfallen. Wir sind Feinschmecker, Vielkocher und Flexitarier. Obwohl wir nach eigenem Empfinden schon viele unverarbeitete Produkte nutzen, fällt unsere Verpackungsbilanz düster aus.

Was besitze ich überhaupt?

Neben voller Mülltonnen, stehen viele von uns auch vollen Küchenschränken gegenüber. Unsere Schränke sind voll mit Konservendosen, Nudel- und Reispaketen, Fläschchen, Tütchen und Pülverchen. Manches haben wir schon so lange aus den Augen verloren, dass es schon sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat. Shia gibt in ihrem Buch einen klaren Hinweis: Schränke auf und Vorräte aufbrauchen. Das ist der Beste Weg um von vielverpackten Lebensmitteln auf unverpackte Varianten umzustellen. Und wie auch das Nein sagen erfordert diese Umstellung erst einmal etwas Mühe und Durchhaltevermögen. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Umstellung auf mehr unverpackte Produkte führt zu einer wunderbaren Übersichtlichkeit und Ästhetik, wie sie uns auch in den Katalogen von Möbelhäusern und Wohnmagazinen fasziniert.

Zero Waste
©wastelandrebel.com
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Zero Waste einkaufen, ist das überhaupt möglich? 

Was das unverpackte Einkaufen sicherlich mit sich bringt ist eine Umstellung der Konsumgewohnheiten. Ich war immer überzeugte Adhoc-Einkäuferin: Anstatt Wocheneinkäufe zu machen und den Kühlschrank und meine Küchenschränke für viele Tage zu füllen, bin ich fast jeden Tag im Supermarkt unterwegs. Ich kaufe genau das worauf ich Lust habe, in den Mengen, die ich dazu brauche. Der Vorteil ist, bei uns fällt nur eine minimale Menge an Lebensmittelresten an, die wir entsorgen müssen, weil etwas verdorben ist. Der Nachteil ist, dass wir nahezu jeden Tag dem Einkaufsgewimmel ausgesetzt sind und uns so den ein oder anderen Impulskauf nicht verkneifen können. Weniger Verpackungsmüll mit nach Hause zu bringen, würde bedeuten, dass wir anstatt täglich in den Supermarkt um die Ecke zu gehen, die lose erhältlichen Waren für längere Zeiträume im Biomarkt oder auf dem Wochenmarkt kaufen müssten. Um das umsetzen zu können, müssen wir unseren inneren Schweinehund überwinden und nicht nur in unserem Quartier einkaufen, sondern auch den Weg ins Zentrum auf uns nehmen, wo sich in zahlreichen Biomärkten, deutlich mehr unverpackte Lebensmittel erstehen lassen. Besonders viel Glück haben die Menschen, die einen unverpackt Supermarkt in ihrer Umgebung haben. Shia führt auf ihrem Blog Wasteland Rebel eine fortlaufend aktualisierte Liste dieser innovativen Supermarktkonzepte, die in immer mehr Städten zu finden sind. Auf dem Land sind Unverpacktläden und große Biomärkte weniger verbreitet, dafür gibt es oft die Möglichkeit bei Bauernmärkten in der Region Lebensmittel verpackungsfrei zu erhalten. Ein weiterer Schritt hin zum minimalen Müllaufkommen ist die Herstellung eigener Produkte, wie zum Beispiel von Reinigungsmitteln, oder Kosmetikprodukten. Hier bietet das Buch eine Vielzahl von Ansätzen und Ideen, die mit sehr wenigen Inhaltsstoffen umsetzbar sind.

Zero Waste
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Für wen eignet sich das Buch „Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün“?

„Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün“  ist kein dogmatisches Werk das jeden Otto-Normalverbraucher beschämt, sondern es bietet eine unaufgeregte, unkomplizierte Übersicht wie jeder seinen persönlichen Müllberg besser in den Griff bekommen kann. Wer sich mit dem Thema Zero-Waste schon intensiv auseinander gesetzt hat, wird wahrscheinlich nicht allzu viel neues Lernen, aber er wird ein kompaktes Werk an die Hand bekommen, in dem die wichtigsten Rezepte vom A wie Allzweckreiniger bis Z wie Zero-Waste-Starterkit nachgeschaut werden können. Was ich mir als Wissenschaftlerin gewünscht hätte, wäre, dass Shia viele ihrer sicherlich mühsam und gut recherchierten Quellen mit einem Quellenverweis belegt hätte. Bei spannenden Fakten macht es mir einfach Spaß nachzulesen, wer die Statistiken erhoben hat und wie dies geschehen ist. Aber das ist sicherlich die Berufskrankheit einer Wissenschaftlerin und ehemaligen Journalistin. Für alle Zero-Waste-Anfänger ist Shias Buch ein sehr guter Einstieg, das Lust darauf macht, loszulegen. Für alle, die jetzt die neugierig geworden sind, hier die wichtigsten Fakten zum Buch:

  • Autorin: Shia Su
  • Titel: Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün
  • Verlag: Freya Verlag
  • ISBN: 978-3-99025-273-4
  • Preis: 14,90 €

Erhältlich bei der Buchhandlung eures Vertrauens, allen gängigen Online-Händlern und natürlich auch im Geiste der Zero-Waste Bewegung als E-Book.

Samengärtnerei Teil 1 – Saatgut von Tomaten und Salat ernten

Dass ich mich über den schönen Salat auf meinem Balkon dieses Jahr gefreut habe, hatte ich ja bereits in der Zwischenbilanz zum Balkonjahr 2016 geschrieben. Als er dann schoss, war die Enttäuschung nur von kurzer Dauer. Warum? Es war der perfekte Zeitpunkt, mit einer kleinen Samengärtnerei zu beginnen. Schließlich war der Salatkopf, der aus dem kleinen Pflänzchen vom Biostand entwickelt hatte, ertragreich, lecker, ergiebig und gesund gewesen. Beste Voraussetzungen also!

Doch wie fängt man am besten an? Durch die Recherche habe ich inzwischen ein bisschen dazugelernt. Für Anfänger eignen sich Selbstbestäuber gut. Diese Pflanzen tragen weibliche und männliche Organe auf derselben Pflanze, entweder in getrenntgeschlechtlichen Blüten oder durch „Zwitterblüten“. Sie bestäuben sich, nun ja, selbst. Es kommt es zu keiner Fremdbestäubung und somit zu keiner „Verkreuzung“. Die Pflanzen sind in der Weitergabe ihrer Eigenschaften also sehr stabil. Zu den Selbstbestäubern gehören etwa Bohnen (mit Ausnahme der Feuerbohne), Tomaten und Salat.

Samengärtnerei für Fortgeschrittene: Die Fremdbestäuber

Fremdbestäuber benötigen hingegen mindestens zwei Pflanzen der gleichen Art, um sich fortpflanzen zu können. Unter den Fremdbestäubern gibt es Arten, die sowohl die weiblichen als auch die männlichen Geschlechtsorgane aufweisen und somit zwittrig sind. Aber es gibt auch Fremdbestäuber, die rein männliche und weibliche Pflanzen hervorbringen. Beide Formen der Fremdbestäuber setzen jedoch voraus, dass die weiblichen Pflanzenteile (Narbe) durch die Pollen einer zweiten, männlichen Pflanze der gleichen Art bestäubt werden. Das Erbgut dieser zwei Pflanzen mischt sich. Das passiert viel bei Kreuzblütlern, Doldenblütlern und Kürbisgewächsen. Durch die Fremdbefruchtung kann es in der Folgegeneration durchaus zu Überraschungen kommen: Sortenspezifische Eigenschaften oder Eigenschaften wegen derer die Pflanze oder Frucht für die Saatguternte ausgesucht worden ist, können verloren gehen. Die Pflanzen können schlichtweg ungenießbar werden. Die Vermehrung fremdbefruchteter Pflanzen ist nicht unmöglich, aber trickreich und erfordert Vorkenntnisse und Erfahrung. Zu fremdbefruchteten Pflanzen gehören etwa Pastinaken, Zwiebeln, Kohl oder Möhren.

Weiterhin sind einjährige Pflanzen leichter zu vermehren als zweijährige, da Letztere erst im zweiten Jahr blühen.

Die Bedeutung von „samenfest“ und „Hybrid“ für die Samengärtnerei

Soweit so gut. Aber jetzt nochmal etwas genereller gefragt, welches Saatgut sich eignet. Es muss auf jeden Fall samenfest sein. Samenfest bedeutet ganz einfach, dass die Pflanzen traditionell vermehrt werden kann, also z.B. durch Insektenbestäubung. Sie gibt ihre sortenspezifischen Eigenschaften an Folgegenerationen weiter und ihr Saatgut kann im Garten und in der Landwirtschaft weiter verwendet werden.

Im Gegensatz dazu stehen die Hybriden („Mischlinge“). Ziel der Hybridzüchtung ist es, eine möglichst reinerbige Pflanze mit den gewünschten Eigenschaften zu erhalten. Der Aufwand ist größer als man denkt. Denn zunächst werden durch mechanisch gesteuerte Selbstbefruchtung über mehrere Pflanzengenerationen hinweg zwei nahezu reinerbige Elternpflanzen mit einer genetisch sehr engen Basis gezüchtet. Die Linie der Mutterpflanze und die der Vaterpflanze werden dabei streng getrennt. Da diese Pflanzen durch die Inzucht genetisch degeneriert sind, sind sie für den landwirtschaftlichen Anbau nicht geeignet. Kreuzt man sie jedoch, bringt die Tochtergeneration Pflanzen hervor, die die gewünschten Eigenschaften besonders stark ausprägen, wie etwa Wuchsfreude oder Ertrag. Diese Generation ist die „1. Filialgeneration“ (lat. filia = Tochter), daher die Bezeichnung F1-Hybriden. In der darauffolgenden Generation gehen die erzielten Eigenschaften jedoch schon wieder verloren. Deshalb eignet sich das Saatgut von Hybriden nicht für die Weiterverwendung. Und Achtung: Auch Bio-Gemüse aus dem Handel kann von Hybriden stammen!

Zu diesem Zeitpunkt möchte ich nur soviel dazuschreiben, wie für angehende Samengärtner als Hintergrund praktisch und gut zu wissen ist. Die großen Experten würden mir vermutlich hinsichtlich Kürze und Korrektheit der Darstellungen an den Hals gehen. Die Diskussion um Saatgut, samenfest, Hybriden, das für und wider ist jedenfalls sehr interessant, umfangreich und geht weit zurück. Angesichts der Jahreszeit und der reifen Früchte auf dem Balkon möchte ich sie euch und mir jedoch zu diesem Zeitpunkt ersparen und an einem langen Winterabend nochmal darauf zurückkommen.

Also, einjährige, selbstbefruchtende, samenfeste Pflanzen eignen sich gut für Anfänger. Die Klassiker sind Tomate und Salat, die ich (aufgrund meiner eigenen noch eingeschränkten Aktivität als Samengärtnerin) hier auch als Beispiele nehmen will. Das wichtigste ist, das es zunächst schlicht um Vorlieben geht. Was sind die schönsten, leckersten Früchte, was sind die ergiebigsten, gesündesten Pflanzen? Sucht sie euch aus, markiert sie für die spätere Samenernte mit einem Bindfaden.

Tomaten

  1. Die reifen Früchte werden mit einem Messer halbiert. Die Samen aus den Tomatenhälften in ein Glas drücken oder sie mit einem Löffel herauskratzen. Saft und Fruchtfleisch kann gerne mit dabei sein. Dass für jede Tomatensorte ein separates Glas verwendet wird, versteht sich ja wohl von selbst! Am besten gleich von Anfang an auch entsprechend markieren/beschriften.
Halbierte Tomaten: Berner Rose, Black Plum, Principe Borghese
Halbierte Tomaten: Berner Rose, Black Plum, Principe Borghese

 

2. Wasser und ein kleines bisschen Zucker zu den Samen geben. Das Glas offen stehen lassen und gelegentlich umrühren. Bildet sich Schimmel im Glas: Keine Sorge, ein bisschen ist nicht schlimm.

Mit Tomatensamen frisch aufgesetzte Gläser
Mit Tomatensamen frisch aufgesetzte Gläser

 

3. In den folgenden Tagen (ca. zwei bis drei) löst sich die gallertartige Masse, die die Samen umgibt. Das Fruchtfleisch steigt im Wasser nach oben während die Samen unten im Glas liegenbleiben. Der Vorgang ist nun abgeschlossen.

4. Das Wasser kann zusammen mit dem Fruchtfleisch bequem abgegossen werden. Anschließend kann man das Glas nochmals mit Wasser füllen und sobald sich die Samen am Boden abgesetzt haben wieder abgießen (dauert nur ein paar Minuten). Der Vorgang kann wiederholt werden, bis das Wasser im Glas klar ist.

5. Die Samen zum Trocknen gut voneinander getrennt auf einem Stück Küchenrolle oder einem Kaffeefilter verteilen. Nach dem Trocknen in ein Glas oder eine Tüte abfüllen und beschriften (Gattung, Sorte, Art, Erntejahr, ggf. Herkunftsort).

Tomatensamen beim Trocknen
Tomatensamen beim Trocknen

 

Salat

  1. den schönsten Salatkopf lässt man erstmal schiessen.
  2. Aus der Blüte bilden sich kleine Samen mit flauschigem Schirm, die ähnlich aussehen, wie beim Löwenzahn.
Die Samenstände eines Salats
Die Samenstände eines Salats

 

4. Wenn sie so trocken sind, dass die Blütenstände zwischen den Fingern zerfallen, kann man sie ernten. Ich habe die Samenstände einzeln gepflückt und dabei etwas zwischen den Fingern zerrieben, sodass sich der Samen von den Blütenresten schon mal löst. Experten sagen, bei trockenem Wetter kann man auch den Pflanzenstengel herunterbiegen und ausschütteln. Die Samen werden dann in einer Kiste oder Tasche gesammelt.

Frisch gesammelte Salatsamen, hier noch mit Blütenresten
Frisch gesammelte Salatsamen, hier noch mit Blütenresten

 

5. Die Samen ein paar Tage in einem offenen Gefäß und flächig ausgebreitet trocknen lassen.

6. Dann auf ein großes Blatt Papier oder ein Backblech legen und ganz (ganz!!) vorsichtig pusten. Die trockenen Blütenreste werden so von den Samen getrennt.

Samengärtnerei: Nach dem "Wind"
Nach dem „Wind“

 

7. Auch hier die Samen in ein Glas oder eine Tüte füllen und für nächstes Jahr gut beschriften.

So, das war schon mal ein kleiner Einstieg. Es ist schon erstaunlich, wieviel Saatgut man aus einer kleinen Pflanze auf dem Balkon gewinnen kann. Wie sind eure Erfahrungen mit der Saatguternte? Was funktioniert gut, was nicht so gut? Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen!

 

Gute Quellen für Infos und Tipps zur Samengärtnerei sind:

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V., www.nutzpflanzenvielfalt.de

Infoblätter des Dachverband Kulturpflanzen und Nutztiervielfalt e. V., http://kulturpflanzen-nutztiervielfalt.org/materialien

Das Buch „Saatgut – wer die Saat hat, hat das Sagen“ (Anja Banzhaf, oekom) bietet einen umfassenden Einblick in die Diskussion rundum das Thema Saatgut und Portraits vieler schöner Projekte.

 

Gefüllte Monster-Zucchini

Im Gegensatz zu den kleinen, süßen Dingern, die man im Supermarkt kaufen kann, fällt einem beim Anblick einer Monster-Zucchini schon mal die Schuffel aus der Hand. Was damit tun? Die Schale ist schon dick und fest, die Samen darin riesig. Ganz einfach: halbieren, aushöhlen, füllen, überbacken und viele Freunde zum Essen einladen.

Gefüllte Zucchini

Zutaten

  • 1 Monster-Zucchini (ca. 40 cm)
  • 1 Tasse trockene, rote Linsen
  • 2 Möhren
  • ½ Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 Eier
  • 80 g Parmesan
  • 150 g Cashews (alternativ: gemahlene Haselnüsse oder Mandeln)
  • 50 g getrocknete Tomaten
  • 1 Packung TK-Gartenkräuter (besser: frisch vom Balkon oder aus dem Garten!!)
  • 200 g Reibekäse
  • Kräutersalz
  • Pfeffer
  • 1-2 EL Olivenöl

Zubereitung

  1. Viele Freunde zum Essen einladen.
  2. Den Ofen vorheizen auf 200°C (Ober- und Unterhitze).
  3. Die Monster-Zucchini der Länge nach halbieren und mit einem großen Löffel die Samen aus den zwei Hälften herauskratzen. Das offene Fruchtfleisch mit Olivenöl einreiben, idealerweise mit einem Küchenpinsel bestreichen.
  4. Als nächstes die roten Linsen in der doppelten Menge Wasser kochen.
  5. Nun werden die Möhren geraspelt und die Zwiebel gewürfelt.
  6. Parmesan, Cashews und getrocknete Tomaten in einem Mixer zerkleinern, alternativ einen Pürierstab nutzen.
  7. Rote Linsen, die Mischung aus Parmesan, Cashews und getrockneten Tomaten, die geraspelten Möhren, die gewürfelte Zwiebel und die gepresste Knoblauchzehe in einer großen Schüssel vermengen.
  8. Zwei Eier und die Gartenkräuter hinzugeben, alles gut umrühren und mit Kräutersalz und Pfeffer abschmecken.
  9. Die Füllung in die Zucchinihälften löffeln und mit Reibekäse bestreuen.
  10. Ein Backblech mit Backpapier belegen und die gefüllten Zucchinihälften darauf platzieren.
  11. Das Backblech auf der mittleren Schiene in den vorgeheizten Ofen schieben. Sobald der Käse leicht bran und und knusprig wird (nach ca. 40-50 min), sind die Zucchinis fertig.
  12. Auftischen und es sich schmecken lassen!

Das Rezept reicht bei einer Zucchini von ca. 40 cm für etwa acht Personen. Als Beilage eignen sich etwa Reis, Couscous oder Quinoa. Sicherlich ist es auch lecker, die Füllung mit einem bisschen Muskat und/oder der geriebenen Schale einer unbehandelten Zitrone abzuschmecken... Ein grüner Salat dazu ist nie verkehrt.

http://www.vonundzugruen.de/gefuellte-monster-zucchini/

Tipp: viele Freunde zum Essen einladen.
Tipp: viele Freunde zum Essen einladen.

 

Unterwegs wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn

Natürlich liebe ich meinen Balkon, trotzdem lasse ich die Beine auch gerne Mal abseits von Balkonien baumeln. In diesem Sommer hat es mich und meinen Lieblingsgärtner für einige Tage an die Mecklenburgische Seenplatte verschlagen. Statt im Zelt waren wir für vier Tage auf einem Hausfloß unterwegs. Nach einem Großeinkauf für die anstehende Tour kaperten wir am Nachmittag endlich unser Floß die Tante Polly. Zunächst gab es für alle Crewmitglieder eine kleine Knotenkunde, schließlich sollten wir die kommenden Tage dazu in der Lage sein vor Anker zu gehen, zu schleusen oder eine Leine zu verlängern. Da ich kein besonders großer Held im Freundschaftsbänder-, oder Teppichknüpfen war, wollte nicht direkt jeder Knoten gelingen, aber Übung macht den Meister. Es folgte noch eine Einweisung in die wichtigsten Manöver – sei es Anhalten, oder Personenrettung. Die Positionen von Kapitän und Bootsjunge/Bootsmädchen waren schnell auserkoren und los ging es mit fixen acht Stundenkilometern über die Mecklenburgische Seenplatte.

Volle Fahrt voraus Der Kapitaen am Steuer

Wir starteten unsere Tour auf dem Canower See. Schon dort war die Kulisse wunderbar. Schilf, Seerosen und viele kleine private Anlegeplätze am Ufer. Natürlich wollten wir es uns am ersten Abend nicht nehmen lassen ein bisschen die Gegend zu erkunden und einen schönen Ankerplatz zu finden. Denn so schön die privaten Anlageplätze auch sind, Floßtouristen wollen die Menschen dort nicht beherbergen. Zwischen dem kleinen und dem großen Pälitzer See fanden wir ein geschütztes Plätzchen, gesäumt von zwei großen Schilffeldern. Unser Floß war perfekt ausgerichtet, sodass wir die Sonne, sollte sie sich denn blicken lassen, bis zu ihrem letzten Strahl ausnutzen konnten. Schon an unserem ersten Abend wurden wir mit einem Sonnenuntergang belohnt, der auch in jeder kitischig, romantischen Hollywood-Schnulze die Herzen hätte höher schlagen lassen.

Vor Anker gegangenSonnenuntergang Erster Abend

Unseren Ankerplatz säumte ein kleines Wäldchen, dominiert von Schwarzerlen, Pappeln und unterschiedlichen Weidenarten. Um während eines Sturmes oder durch größere Schiffe erzeugten Wellengang nicht abgetrieben zu werden, legten wir mit zwei Ankern an, die wir mit einem Spaten im Waldboden eingruben. Nach mehrmaligen vor Anker gehen in den kommenden Tagen, wurde das Belegen der Klampen zu unserer leichtesten Übung. Egal ob Regentag oder Gewitternacht Knoten und Anker hielten unsere Tante Polly fest an ihrem Platz.

Klampe belegen am Floß Anker im Waldboden

Schon am ersten Morgen konnten wir feststellen: Das Leben auf einem Floß im Nirgendwo entschleunigte unser gehetztes Großstadtleben schlagartig. Kein Computer, kein Smartphone, keine Lärmkulisse, keine Menschenmassen und sogar das Telefonnetz versagte die meiste Zeit. Aufgrund des fehlenden Stroms und der somit leeren Handyakkus, war schnell auch kein Wecker mehr zur Hand und unser Lebensrhytmus passte sich allmählich den Sonnenstunden an. Spätestens um 7:30 Uhr krochen auch die müdesten Geister unter dem Mosquitonetz hervor und wenn der Glühstrumpf unserer Gaslampe abends nicht mehr genug Licht zum Lesen spenden konnte und stattdessen so manches Insekt anzog, ging es in die Koje. Den Morgen starteten wir tagtäglich mit einem echten Seebären-Frühstück inklusive Schwarztee und Spiegelei sowie einer großen Runde durch den See. Während sich der Schwarm von Rotaugen jeden Morgen auf unsere Brotkrümel freute, war von den kleinen Allesfressern nichts mehr zu sehen, sobald wir einen Fuß ins Wasser taten.

Seebaeren FruehstueckUnser Fischschwarm

Beim Gedanken an das Schleusen verließ uns zwei Floßneulinge, trotz fleißigem Knotenübens der Mut, zu viel Angst hatten wir eine der hübschen Yachten aufgrund unser Unerfahrenheit zu beschädigen. Darüber hinaus schreckten uns die langen Schlangen vor der nahegelegenen Schleuse Strasen-Priepert ab. Wir wollten unsere vier Tage nicht mit Warten, sondern mit Urlaub und Entspannung verbringen. Statt nur mit dem Floß, erkundeten wir die Umgebung auch mit unserem Zweier-Kajak und erspähten an den Ufern des Großen Pälitzsees zahlreihe Graureiher und andere Vogelarten, die wohl auch eine enge Beziehung zu den Rotaugen und anderen Fischen im Uferbereich hatten.

Auch wir mussten auf dem Floß nicht nur von unseren zuvor getätigten Einkäufen leben, sondern wurden schon am zweiten Tag der Reise durch Jens Winkelmann und sein Wasserkiosk überrascht. In der Urlaubssaison ist Winkelmann jeden Tag acht Stunden mit seinem schwimmenden Kiosk unterwegs: Ob kaltes Bier, Brötchen, Eis, Zeitung oder Räucherfisch, der Wasserkiosk hat alles dabei was das Herz begehrt. Zum Ende der diesjährigen Urlaubssaison auf der Mecklenburgischen Seenplatte sendet das Norddeutsche Fernsehen  eine ganze Dokumentation über den schwimmenden Kaufmann (Sendetermin: Freitag 09.09. um 21:15). Wir testeten den von Winkelmann geräucherten Fisch und waren begeistert. Da konnten Stullen und Eintopf einfach nicht mithalten – so liebevoll der Kapitän sie auch kochte.

Raeucherfisch Der Kapitaen kocht

In vier kurzen Tagen nahmen wir alle Wetterlagen mit von strahlendem Sonnenschein bis hin zur stürmischen Gewitternacht. Wir konnten uns auf dem Sonnendeck die Beine bräunen und mussten uns bei Nieselregen in der Koje verkriechen. Der Regen schenkte uns den Anblick eines nebelverhangenden Sees in der Abendröte und die Wärme lockte die Wasserki-Fahrer auf die Bretter. Sowohl Gärtner als auch Gartenbloggerin sind schwer verliebt in die Landschaft und Ruhe der Mecklenburgischen Seenplatte, es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir dort Urlaub machen.

Tipps für den Urlaub mit dem Hausfloß auf der Mecklenburgischen Seenplatte

  1. Autan und Co müssen mit – wer nicht eingeschmiert ist, wird in der Dämmerung von den Mücken verspeist.
  2. Vorräte nicht vergessen – wer an Land geht verliert nur Zeit und das Wasserkiosk liefert zwar vieles, aber auch zu ordentlichen Preisen.
  3. Wer viel entdecken will, sollte die Tour zuvor planen und sich über die Öffnungszeiten der Schleusen informieren. Das Schleusen funktioniert ab drei Mann Bootsbesatzung sehr gut.
  4. Wer ist hier falsch: Wer auf Dusche und eine richtige Toilette nicht verzichten kann, sollte vielleicht lieber ein Ferienhaus am Ufer mieten. Ebenso werden Kultururlauber auf dem Boot nicht auf ihre Kosten kommen.
  5. Wer ist hier richtig: Alle Naturliebhaber und Wasserratten. Egal ob man lesend auf dem Sonnendeck entspannen möchte oder aktiv per Kajak die Gegend erkundet, die Mecklenburgische Seenplatte ist sehr facettenreich.

Für Alle, die nicht genug kriegen können, hier weitere Impressionen eines ereignisreichen Urlaubs:

Schiet-Wetter auf dem See
Schiet-Wetter auf der Mecklenburgischen Seenplatte
Mit dem Hausfloß auf der Mecklenburgischen Seenplatte: Ferienbeschaeftigung
Lesen und Essen während des Regentages
Mit dem Hausfloß auf der Mecklenburgischen Seenplatte… The Fog
Nebel über dem See
Wasserski auf dem Paelitzsee
Wasserski auf dem Paelitzsee
Mit dem Hausfloß auf der Mecklenburgischen Seenplatte: Auf dem Sonnendeck
Mit dem Gärtner auf dem Sonnendeck
Bootsparade letzter Schleusengang
Bootsparade nach dem letzten Schleusengang
Seerose auf dem Canower See
Seerose auf dem Canower See

Balkonjahr 2016 – eine Zwischenbilanz

Draußen wächst, gedeiht, explodiert alles in grün. Mit der Saison in vollem Gange, zeichnen nun schon die „Gewinner“ des Balkonjahres 2016 ab. Da das Gärtnern auf kleinem Raum eine besondere Herausforderung darstellt, möchte ich mit Freude und mit Stolz eine kleine Zwischenbilanz ziehen:

Chili „Lila Luzi“ – In dritter Generation und seit Kauf des Saatgutes nun im zweiten Jahr nach der Aussaat ist dieses Jahr eindeutig ein Gewinner die Chili „Lila Luzi“. Nach starkem Blattlausbefall zu Beginn der Saison (mit der mechanischen Vernichtung bin ich nicht hinterhergekommen), zeigt sie sich nun in aller Pracht: von der Farbe lila färben sich die kleinen scharfen Früchte über gelb und orange zu rot.

Balkonjahr 2016: Lila Luzi zeigt ihre attraktiven Früchte
Lila Luzi zeigt ihre attraktiven Früchte

 

Glockenpaprika – 2015 hatten wir auf dem Saatgutfest ein kleines, zartes Pflänzlein mitgenommen. Diesen Sommer entwickelt die Paprika nun schon zum zweiten Mal ihre attraktiven Früchte in Glockenform!

Balkonjahr 2016: Glockenpaprika
Glockenpaprika

 

Kleine weiße Balkongurke – Wer hätte das gedacht? Gewinner im Balkonjahr 2016 ist ebenfalls eine vernachlässigte kleine weiße Balkongurke. Eine Pflanze war Ende Mai schon rausgesetzt, für die zweite war kein Platz. Sie blieb in der Küche in ihrem kleinen Topf. Nun stellt sich heraus, sie ist der eigentliche Star! Während die gut gehegte Pflanze in der Bäckerkiste mit ausreichend Platz verkümmert ist, rankt die stille Schönheit weiter und wirft nach und nach schmackhafte, kleine Gurken ab.

Balkonjahr: Kleine weiße Balkongurke
Kleine weiße Balkongurke

 

Mangold – In den letzten Jahren schwierig, ist die buntstielige Mangoldmischung dieses Jahr ein Dauerbrenner. Seit spätestens Ende Juni komme ich mit dem Ernten und Verwerten kaum hinterher…

Balkonjahr: Mangold mit roten und gelben Blattstielen
Mangold mit roten und gelben Blattstielen

 

Tomaten – Mit der Bodenfruchtbarkeit  ist das auf dem Balkon so eine Sache. Obwohl ich im Frühjahr reichlich Bio-Dünger in den Boden gemischt hatte, bangte ich um die Entwicklung dieses Starkzehrers. Umso erfreulicher ist, dass dieses Jahr die Tomatenpflanzen besonders groß bzw. buschig geworden sind. Black Plum, Berner Rose, Principe Borghese und gelbe Johannisbeere geben Gas!

Black Plum
Black Plum

 

Berner Rose
Berner Rose

 

Principe Borghese
Principe Borghese

 

Gelbe Johannisbeere
Gelbe Johannisbeere

 

Rote Melde – Die Erfahrung zeigt: kleiner Pflanzbehälter, kleine Pflanze. Die Rote Melde mit ihrer tollen Farbgebung widersetzt sich dem Trend und ist im schmalen Balkonkasten auf ganze 1,10 Meter herangewachsen. Hut ab!

Balkonjahr 2016: Samenstände der Roten Melde
Samenstände der Roten Melde

 

Brokkoli „Cezar“ – Zu den großen Erfolgen gehören die ersten Brokkoliröschen, die sich dieses Jahr in der Bäckerkiste zeigen. Noch etwas Geduld, bald kann ich ernten…

Balkonjahr 2016: Erste Brokkoliröschen
Erste Brokkoliröschen

 

Rote Beete – Unglaublich, aber wahr: Dieses Jahr entwickelt sich die Rote Beete erstmalig richtig gut! Um den Knollen eine Chance zu geben, hatte ich vor Beginn der Saison eine gute Portion Sand unter den Boden der Bäckerkiste gemischt. Nun macht es sich bezahlt: Langsam verdicken sich die Wurzeln zu Knollen.

Balkonjahr 2016: Blätter der Roten Beete
Blätter der Roten Beete

 

Blattsalate und Rucola – Inzwischen sind sie geschossen. Erwähnt werden sollen aber auch Blattsalat und Rucola, die ebenfalls vom Saatgutfest in Düsseldorf stammen. Im April gepflanzt, wuchsen sie was das Zeug hielt. Ihre Blätter boten diesen Sommer wiederholt eine gute Grundlage für so manchen schmackhaften Salat.

Rucola als großbewachsene Pflanze
Rucola als großbewachsene Pflanze

 

Einige Pflanzen haben dieses Jahr weniger gut funktioniert: Die Gewürztagetes „Lemon Gem“ hat sich dieses Jahr überraschenderweise gar nicht entwickelt. Als Experiment hatte ich in einige Kästen Seedbombs von verschiedenen Herstellern gesetzt – auch die hatten keinen Erfolg. War das Rankgerüst letztes Jahr von der Feuerbohne eingenommen, konnte sie sich dieses Jahr im Schatten der Tomaten nicht halten. Auch dem selbstgezogene Basilikum ging es unter den Tomaten nicht gut (Überraschung, Überraschung). Aus welchem Grund auch immer (zu wenig Sonne zur richtigen Zeit?) waren die (nicht geernteten) Erdbeeren eine kleine Enttäuschung. Früchte hängen an den Monatserdbeeren reichlich, trotzdem habe ich bisher fast keine ernten können, schnell waren die Kandidaten überreif.

Alles in allem ist auch dieses Balkonjahr sehr lehrreich und wirft bereits seinen langen Schatten auf die kommende Saison. Vielleicht helfen euch die Erfahrungen, die ich gemacht habe bei eurer Planung weiter. Und bitte: Gerne möchte ich auch aus eurer Erfahrung lernen! Was hat bei euch gut, was nicht so gut geklappt? Ich freue mich auf eure Kommentare und Rückmeldungen!

Im Garten von Schloss Moyland

Am idyllischen Niederrhein, am Rande des mittelalterlichen Städtchens Kalkar, liegt das Dorf Till mit seinem wunderschönen Schloss Moyland. Die Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete Wasserburg hat eine lange bewegte Geschichte. Viele Male hat das Anwesen, das seit dem 18. Jahrhundert der Familie von Steengracht gehört, sein Anlitz verändert. Der neugothische Stil des Schlosses, den der Kölner Dombaumeister, Ernst Friedrich Zwirner im 19. Jahrhundert dem Bauwerk verlieh, ist bis heute erhalten. Mit großem Einsatz wurde Schloss Moyland mithilfe der Stiftung Schloss Moyland ab 1990 wieder aufgebaut und restauriert. Heute sind die Schäden des zweiten Weltkrieges nicht mehr zu erkennen und seit wenigen Jahren trohnt auch wieder ein spitzer Turm auf dem Schloss, von dem aus über die weiten Wiesen und Felder des Niederrheins geblickt werden kann.

Der Kräutergarten von Schloss Moyland

Zwar steht im heute als Musem Schloss Moyland bekannten Bau die moderne Kunst und vor allem der Klever Künstler Joseph Beuys im Mittelpunkt, aber die große, gepflegte Parkanlage und ein Kräutergarten, der einen fabelhaften Überblick über die Heil- und Giftpflanzen aus der Region liefert, macht Schloss Moyland auch für Pflanzenliebhaber interessant. Eingebettet in die barocke Gartenlandschaft, die von Alleen und Wasserläufen durchzogen ist, stellt der Kräutergarten eine kleine Oase dar.

Die Geschichte der Heilpflanzen auf Schloss Moyland

Im 16. Jahrhundert gehörte das Schloss Moyland der Familie Dietrich des II. von Bronckhorst-Batenburg, der  sich sehr für den Einsatz von Heilpflanzen und Kräutern begeisterte. Auf dem Wasserschloss Anholt, im nahegelegenen Kreis Borken, welches sich ebenfalls in Dietrichs Hand befand, trug dieser zahlreiche medizinische Bücher seiner Zeit zusammen. In der fürstlichen Salm-Salm’schen Bibliothek auf Schloss Anholt ist bis heute ein sehr beeindruckendes Exemplar eines Kräuterbuchs erhalten, das als „Anholter Kräuterbuch“ bekannt ist. Bei diesem handgeschriebenen und mit zahlreichen Illustrationen versehenen mittelalterlichen Werk handelt es sich um eine Abschrift bzw. Weiterentwicklung des Kräuterbuches des bayrischen Arztes Johannes Hartlieb, der es Mitte des 15. Jahrhunderts niederschrieb. Die Anholter Version beinhaltet 173 illustrierte Rezepte zu der Vewendung von Pflanzen und wichtigen medizinischen Grundlagen. Im Jahr 1999 entstand, inspiriert durch das Anholter Kräuterbuch, in der Parkanlage von Schloss Moyland ein Kräutergarten, wie ihn sicherlich auch Dietrich der II. zu schätzen gewusst hätte. Wir haben für Euch die schönsten Impressionen gesammelt.

Eintrittspreise für die historische Gartenanlage und den Skulturenpark

2 € pro Person (keine Ermäßigung)

Öffnungszeiten des (Garten) von Schloss Moyland

Sommer (1. April – 30. September)
Mo. 11–17 Uhr (nur Historische Gartenanlage)
Di.–Fr. 11–18 Uhr
Sa. und So. 10–18 Uhr

Winter (1. Oktober – 31. März)
Mo. 11–17 Uhr (nur Historische Gartenanlage)
Di.–So. 11–17 Uhr

Seite Garten
Der Blick auf den Kräutergarten und das Schloss
Blick auf den Garten
Der Eingang des Moyländer Kräutergartens
Artischocke
Die Artischocke – Cynara cardunculus
Indianernessel
Indianernessel – Monarda didyma
Schmetterlingsflieder
Schmetterlingsflieder – Buddleja davidii
Garten von Schloss Moyladn: Ech.-Hummel
Sonnenhut – Echinacea
Ross-Minze
Ross Minze – Mentra Longifolia
Wilde Karde
Wilde Karde – Dipsacus fullonum
Garten von Schloss Moyland: Stevia
Stevia – stevia rebaudiana
Garten von Schloss Moyland: Im Garten
Wasserspiel im Kräutergarten und Blick auf die Beete
Garten von Schloss Moyland: Ricinus
Vorsicht giftig: Wunderbaum – Ricinus communis
Garten von Schloss Moyland: Eisenhut
Vorsicht giftig: Gelber Eisenhut – Aconitum vulparia
Garten von Schloss Moyland: Tollkirsche
Vorsicht giftig: Tollkirsche – Atropa helladonna

Blütenendfäule und jetzt?

Schädlinge, Pilze, Mangelerscheinungen – dies sind wohl die drei Schlagwörter, die jeden Hobbygärtner zusammenschrecken lassen. Leider hat es auch mich in dieser Saison ereilt. Während Schädlinge wie z.B. Schnecken kaum ihren Weg auf meinen Balkon finden, bleiben auch meine Pflanzen vor anderen Krankheiten und Besuchern nicht verschont. Dieses Jahr hat es leider meine Lieblinge getroffen: die Tomaten hatten die Blütenendfäule.

Blütenendfäule: Das Schadbild.

Ist es die Krautfäule?

Als ich das erste Mal die großen, schwarzen Stellen auf meinen Tomaten entdeckte, lief es mir kalt den Rücken runter. Mein erster Gedanke war: Krautfäule. Der Befall mit diesem sehr hartnäckigen Pilz bedeutet, dass ich meine Ernte in diesem Jahr wohl hätte aufgeben müssen. Doch konnte es Krautfäule sein? Nach einer eingehenden Analyse des Schadbildes musste ich feststellen, dass wichtige Merkmale der Krautfäule nicht auf meine Tomaten zutrafen. Ein wichtiger Indikator der Krautfäule ist ein gut erkennbares Schadbild an den Blättern. Im Frühstadium des Pilzbefalls verfärben sich die Blätter der Pflanzen dunkel und vertrocknen. Sobald der Pilz sich in der Pflanze ausgebreitet und sie stark geschwächt hat, beginnen nun auch die Früchte zu faulen und abzusterben. Ist dieses Stadium erreicht, ist die Pflanze kaum noch zu retten. Der Pilz, der die Krautfäule auslöst, verbreitet sich sehr schnell, weshalb die Pflanzen dringend von ihren Nachbarn separiert werden sollten. Wird die Pflanze vernichtet, weil sie nicht mehr zu retten ist, müssen die Töpfe, Stäbe und alles was mit der Pflanze und ihrer Erde in Berührung gekommen ist, heiß abgewaschen werden. So könnt ihr verhindern, dass ihr eure Pflanzen in der kommenden Saison wieder ansteckt. Solltet ihr einen Kompost haben, ist es wichtig, dass infizierte Pflanzen und ihre Erde nicht darin landen. Zu groß ist die Gefahr, dass der Pilz in eurem Kompost überdauert und andere Pflanzen in der nächsten Saison infiziert.

Welche Krankheit löst faulige Blütenansätze an Tomaten aus?

Aufgrund der starken grünen Blätter meiner Tomaten schloss ich es zunächst einmal aus, dass es sich bei meinem Schadbild um die Krautfäule handelt. Zur Sicherheit separierte ich die drei betroffenen Exemplare von den zwei anderen Tomatenpflanzen. Doch wieso hatten sich meine Tomaten an ihrer Spitze zunächst glasig und dann dunkel verfärbt? Da die Verfärbung an allen betroffenen Tomaten an der Stelle auftrat, an der sich zuvor der Blütenansatz befand, lag das Schadbild der Blütenendfäule nahe. Bei der Blütenendfäule handelt es sich nicht um einen Pilz, sondern um eine Mangelerscheinung bzw. Stoffwechselerkrankung. Die mir zugängliche Gartenliteratur ist sich über die genaue Ursache der Blütenendfäule nicht im Klaren. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie durch einen Calciummangel der Pflanzen ausgelöst wird. Durch die Transpiration der Tomatenpflanzen werden Nährstoffe und Wasser aus dem Boden in die Blätter und Früchte transportiert. Da dieser Prozess jedoch in der Tomatenfrucht nicht so schnell abläuft, wie im Blattwerk, kann es zu einer Unterversorgung der Früchte mit Nährstoffen wie Calcium kommen. Die Blütenendfäule wird insbesondere dadurch begünstigt, dass es zu starken Schwankungen zwischen Trockenheit und Feuchtigkeit kommt – die Pflanzen ganz einfach ausgedrückt, nicht häufig genug bzw. nicht regelmäßig genug gegossen wurden. Da der bisherige Sommer sehr verregnet war, hatte ich das Gefühl, dass meine Tomaten nicht so viel Wasser benötigen würden, vielleicht war das mein Fehler.

Bluetenendfaeule im Anfangsstadium

Was kann ich gegen Blütenendfäule tun?

Die zwei meist genannten Ratschläge, die ich zum Thema Blütenendfäule finden konnte, waren: Gießen, Gießen, Gießen und der Einsatz von Kalk. Gesagt getan: zunächst stürmte ich den nahegelegenen Baumarkt und besorgte Kalk. Ich verwöhnte meine Tomaten mit etwas frischer Erde, Kalk und viel Wasser. Nun muss ich zunächst beobachten, wie die Pflanzen reagieren und wie sich die nachkommenden Früchte verhalten. Wenn ich Glück habe und die Behandlung anschlägt, sollte ich in dieser Saison auch noch ein paar Fleischtomaten ernten können. Bei einem Besuch in der niederrheinischen Heimat musste ich darüber hinaus feststellen, dass die Fleischtomaten (unter anderem Sorte San Manzano) auch bei meinen Eltern das gleiche Schadbild zeigen. Es stellt sich also die Frage, ob vielleicht einige Tomatensorten besonders anfällig für diese Stoffwechselkrankheit sind. Dieser Frage werde ich weiter auf den Grund gehen und euch informieren, sobald ich näheres weiß. Habt ihr in diesem Jahr auch mit der Blütenendfäule zu kämpfen, oder hat euch sogar die Krautfäule erwischt? Ich freue mich auf eure Kommentare.