Gestatten I: Die Rote Bete

Große Freude hat mir dieses Jahr die Ernte einiger schöner Knollen Rote Bete bereitet! Laut einschlägiger Literatur ist das auf einem Balkon eine schwierige Angelegenheit. Andrea Heistinger empfiehlt in ihrem „Handbuch Bio-Balkongarten“ für die Rote Bete auf dem Balkon ausschließlich das Hochbeet. Umso glücklicher bin ich, dass es in meinen großen Bäckerkisten unter der Zugabe einer Menge Sand gut geklappt hat. Da die Freude darüber noch anhält und locker noch Rote-Bete-Zeit ist, will ich die Gelegenheit nutzen sie mal vorzustellen.

Die Rote Bete oder Rote Rübe (lat. Beta vulgaris var. vulgaris) ist ein Gänsefußgewächs. Sie ist also mit Mangold, Spinat, Zuckerrübe und Melde verwandt. Bei Mangold, Spinat und Melde sind im Vergleich zur Roten Bete die Blätter stärker entwickelt als die Wurzeln. Die Rote Bete stammt von der wilden Rübe oder Wildbete (lat. Beta vulgaris) ab und hat ihren Ursprung im östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien. Über viele Jahrhunderte hinweg ist sie durch den Menschen als Kulturgemüse gezüchtet und weiterentwickelt worden. Ihre heutigen Formen und Farben sind erst im 19. und 20. Jahrhundert entstanden. Am geläufigsten ist die knallrote Färbung (die sich nach Verzehr auch in der Verdauung bemerkbar macht…). Es gibt jedoch auch orangerote, weiße, gelbe und rot-weiß geringelte sowie plattrunde, kugelförmige, längliche und zylindrische Formen.

Am weitläufigsten bekannt und Namensgeber: die wirklich rote Rote Bete!
Am weitläufigsten bekannt und Namensgeber: die wirklich rote Rote Bete!

 

Da die Rote Bete wenige Ansprüche an den Boden stellt, wird sie viel in Ländern mit gemäßigtem Klima angebaut. Je nach Zeitpunkt der Aussaat kann sie bereits ab Juli/August und bis in den Spätherbst hinein geerntet werden. Kühl und trocken aufbewahrt ist sie vier bis acht Wochen lagerfähig, bei Temperaturen von 4°C sogar bis zu sechs Monaten! Am besten man schlägt sie dazu in feuchtem Sand in einem Keller ein. Die Wurzel darf bei der Ernte nicht verletzt werden, sonst tritt der Saft aus und die Knolle leidet.

Die Rote Bete ist eine oft unterschätzte, aber sehr feine Knolle. Man kann sie roh oder gekocht essen oder gut in Essig konservieren. Die Wurzel ist reich an Mineralsalzen und Vitaminen, darunter vor allem B-Vitamine, Kalium, Eisen und Folsäure, wie auch an sekundären Pflanzenstoffen. Mitunter gibt der sekundäre Pflanzenstoff Betain nicht nur dieser tollen Knolle ihre rote Farbe. Er stimuliert Leberzellen und kräftigt Gallenblase und -gänge.  Auch die Blätter sind nicht zu unterschätzen . Sie enthalten mehr Calcium, Magnesium, Vitamin C, A und K als die Wurzeln. Verwendet werden sie wie Mangold oder Spinat.

Anzucht im Freiland

Rote Bete sind Mittelzehrer und können durchaus auch in einem halbschattigen Beet gezogen werden. In einem gut vorbereiteten Boden (Kompost und Mulchabdeckung im Herbst) ist dann eine weitere Düngung nicht zwingend erforderlich. Ausgesät wird sie im Freiland ab April. Marie-Luise Kreuter empfiehlt in ihrem Buch „Der Biogarten“ alle 10 cm zwei Körner zu legen und später die schwächeren Pflanzen zu entfernen. Eine Vereinzelung ist dann nicht erforderlich. Verpflanzung ist schwierig und sollte an einem feuchten, bedeckten Tag geschehen. Die Reihen werden mit einem Abstand 25 cm gesät. Rote Bete braucht ausreichend Feuchtigkeit, damit sich die Wurzel gut entwickelt.

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Die Rote Bete mit voll ausgebildeter Knolle

Anzucht auf dem Balkon

Auch auf dem Balkon wird sie von Mitte April bis Ende Juli ausgesät. Im Spätsommer kann für eine Ernte im Herbst (und vor dem ersten Frost) nachgelegt werden. Da die Rote Bete viel Wurzelraum braucht und schlecht mit Hitze umgehen kann, eignet sie sich als normalgroße Rübe auf dem Balkon schlecht. Randnotiz: Auf meinem eigenen Balkon haben sie bei ausreichend Abstand einen Durchmesser von etwa 6 cm erreicht. Kugelige Sorten brauchen etwas weniger Wurzelraum als Sorten mit langer Wurzel. Andrea Heistinger schlägt in ihrem Buch vor, Rote Bete auf dem Balkon als sogenannte „Baby-Beet“ oder als „Baby-Leaf“ anzubauen.

Als Baby-Beet wird das Saatgut in Reihen dicht gesät. Die Knollen werden nach und nach geerntet, wenn sie die Größe von Radieschen erreichen (nach etwa acht bis zehn Wochen). Normalgroße Knollen sind nach etwa elf bis fünfzehn Wochen erntefähig. Da der Reihenabstand 25 cm betragen sollte, empfiehlt es sich auf dem Balkon aus Platzgründen eine einzelne Reihe anzulegen. Die Körner werden 3-4 cm tief gesetzt. Die Baby-Beets werden als Schwachzehrer behandelt, bei gut vorbereitetem Boden ist also eine weitere Düngung nicht erforderlich. Hat man es auf größere Rüben abgesehen, sollte ein langsam wirkender Bio-Dünger für Mittelzehrer eingesetzt werden. Vorsicht vor Überdüngung, denn die verkraftet Rote Bete nicht gut! Besonders auf dem Sonderstandort Balkon ist es wichtig, die Erde feucht zu halten.

Bei einer Nutzung als Baby-Leaf werden die Reihen dichter bestückt oder man entscheidet sich für einen flächigen Anbau. Die Blätter werden geerntet, ehe sich die Knolle voll ausbildet. Auch Baby-Leaf wird (wie Salat) als Schwachzehrer behandelt.

Auch farblich machen die Blätter der Roten Bete was her.
Auch farblich machen die Blätter der Roten Bete was her.

 

Balkongeeignete Sorten (nach Andrea Heistinger):

  • „Rote Kugel“ (Synonyme „Detroit“, „Palla rossa“, „Perfect“)
  • „Jannis“, eine frühreife und milde Sorte
  • „Blankoma“ (weißfleischig) und „Burpee White“ (mild im Geschmack)
  • „Goldgelbe“ (gelb, süß und fruchtig)
  • „Bull’s Blood“ mit roten Blättern als Baby-Leaf
  • runde Sorten als Baby-Beet, wie „Tondo de Chioggia“ (rot-weiß geringelt)
  • „Lutz Green Leaf“ (oder „Winterkeeper“)als Baby-Beet für kleinere Gefäße, reift schnell und ist gut lagerfähig

 

Fruchtfolge und Mischkultur

Nach dem Anbau Roter Bete oder eines anderen Gänsefußgewächses, sollte man etwa drei bis vier Jahre warten ehe man an derselben Stelle wieder Rote Bete anbaut. Baby-Beet oder Baby-Leaf werden in Reinsaat gepflanzt. Gute Nachbarn für große Rüben sind Buschbohnen, Dill, Erbsen, Gurken, Kohlarten, Kohlrabi, Knoblauch, Koriander, Kümmel, Pflücksalat, Zucchini, Zwiebeln. Schlechte Nachbarn sind Kartoffeln, Lauch, Mais, Spinat und Tomaten.

 

Quellen:

“Der Biogarten”, Marie-Luise Kreuter, München (1997).

“Handbuch Bio-Balkongarten”, Andrea Heistinger, Innsbruck (2015).

“taschenGarten 2016”, Hrsg. GartenWerkStadt, Marburg (2016).

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