Kartoffeln auf dem Balkon – unser Experiment in Sack und Tonne

Kartoffeln auf dem Balkon - Bamberger Hoernla

Ob im Sack, im Topf, oder in der Tonne, folgt man den Einträgen auf zahlreichen Blogs, wachsen Kartoffeln auf dem Balkon ohne Probleme. Wir haben das Experiment gewagt und zwei verschiedene Sorten und zwei verschiedene Arten der Pflanzung getestet. Nun liegt die Ernte hinter uns und es ist Zeit Bilanz zu ziehen.

Alte und bunte Kartoffelsorten

Als wir in diesem Jahr auf dem Pflanzenraritätenmarkt am Stand der Düsseldorfer Gärtnerei Staudenfan auf das Angebot, alter Setzkartoffeln stießen, viel die Entscheidung nicht leicht. Ungewöhnlich sollte es sein, ergiebig und für das Klima auf unseren Balkonen geeignet. Die Wahl viel zunächst auf die alte Kartoffelsorte „Bamberger Hörnchen“. Sie gehört zu den ältesten Kartoffelsorten Deutschlands und stammt ursprünglich aus Franken. Die kleine, oft nur Fingerdicke, krumme Kartoffel war fast ausgestorben und wurde nur durch den Einsatz von Sortenschützern erhalten. Oft wird die Sorte mit der bekannten französischen Kartoffelsorte „La Ratte“ verwechselt, die in unserem Nachbarland als besondere Delikatesse bekannt ist.

Die zweite Kartoffelsorte, für die wir uns entschieden haben, soll Farbe auf den Teller bringen. Die Knollen der Ur-Kartoffelsorte „Vitelotte“ überzeugen mit ihrem lila Fruchtfleisch (auch als „Trüffelkartoffel“ oder „Blaue Kartoffel“ bekannt). In Frankreich ist sie in der gehobenen Gastronomie weit verbreitet.

Ein Sack Kartoffeln auf dem Balkon

Zunächst ließen wir unsere Kartoffeln vorkeimen. Während man sich beim Kochen ärgert, wenn die leckeren Knollen schon Augen und Triebe entwickeln, ist dies für das Auspflanzen wünschenswert. Statt einen der auf Amazon, oder im Gartencenter angepriesenen Kunststoffpflanzsäcke zu kaufen, entschied ich mich dafür die Kartoffeln in einem leeren 60 Liter Bluemenerdesack anzupflanzen. Um Staunässe zu vermeiden, schnitt ich vor dem Bepflanzen des Sacks kleine Löcher hinein. Danach rollte ich den Sack fast vollständig auf und füllte etwas frische , nährstoffreiche Erde hinein. Die Erde setzte ich zwei Bamberger Hörnla und ließ sie zunächst ein paar Tage nur halbbedeckt weiter keimen. Anschließend bedeckte ich die Kartoffeln vollständig und fügte immer eine weitere Erdschicht hinzu sobald das Grün um die 10-15 cm gewachsen war. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung auf meinem Balkon musste ich die Kartoffel circa 2-3 Mal die Woche gießen. An nicht so sonnigen Standorten reicht es sicherlich die Kartoffelpflanze seltener zu wässern.

Kartoffeln auf dem Balkon - Kartoffeln im Sack
Bamberger Hörnchen mit Borretsch in einem Sack

 

Kartoffeln auf dem Balkon - Borretsch blueht praechtig
Borretsch in Mischkultur mit der Kartoffel

Eine Tonne voller Knollen

Im Prinzip verläuft das Anpflanzen von Kartoffeln in der Tonne ähnlich wie im Pflanzsack. Während der Sack die Möglichkeit eines natürlichen Wasserablaufs bietet, fehlt dieser in der Tonne. Daher hatte Sarah in den Boden ein paar Löcher gebohrt und eine Drainageschicht eingebaut.

Läuft noch: Balkon-Experiment mit der Kartoffel "Vitelotte"
Vitelotte in der Tonne

 Viel Grün und viel Blüte

Über den Sommer hinweg wurden die Kartoffeln auf dem Balkon immer voller und grüner. Das Bamberger Hörnla erzeugte eine tolle weiße Blüte und wucherte mit Kraft über den gesamten Balkon. Wie schwer der Sack voller Erde und Pflanze einmal werden würde, hatte ich nicht kalkuliert. Deshalb unser Tipp: Entscheidet gut an welcher Stelle ihr die Kartoffeln auf dem Balkon pflanzen wollt. Für das Umstellen des Sacks brauchte ich schließlich die Hilfe meines Lieblingsgärtners. Der Pflegeaufwand der Kartoffeln war jedoch gering, abgesehen vom regelmäßigen Gießen, hatte die Pflanze kaum Ansprüche. Auch die viel gefürchtete Krautfäule, oder Schädlingsbefall blieben aus.

Auch die „Vitelotte“ erzeugte in der Tonne reichlich (aber nicht zuviel) grün. Wie das in der Natur eben so ist, wuchsen die zwei Knollen unterschiedlich schnell, sodass das Anhäufeln etwas schwierig war.

Viel Pflanze wenig Knolle

Die Neugier stieg, als dann endlich Ende Oktober das Laub der Kartoffel vergilbte, war der Moment der Ernte gekommen. Um kein zu großes Chaos auf meinem Balkon anzurichten, griff ich zuvor zu einem sehr großen Gefäß für die überschüssige Erde, einem Sack für entferntes Grün und Wurzeln sowie einer Schüssel in Hoffnung auf eine gute Kartoffelernte. Doch leider brachte die riesige Pflanze nur eine winzige Anzahl an Bamberger Hörnchen hervor. Diese waren zwar perfekt und hätten wohl auch beim Bauern nicht schöner aussehen können, aber die Menge war ein herber Rückschlag.

Kartoffeln auf dem Balkon das Gruen vergilbt
Das Grün der Bamberger Hörnchen vergilbt langsam

 

Mitte November wurde dann die Vitelotte geerntet. Eine kleine Handvoll erbsen- bis kleiner-Finger-große, tief lilafarbene Perlen konnten aus der großen Tonne gefischt werden… Spannender war fast die Kompostwurm-Enklave von etwa 20 Einwohnern, die scheinbar aus der Wurmkiste in die Tonne auf der Suche nach einer neuen Heimat ausgesiedelt war. Die Kartoffeln mussten natürlich schnell getestet werden und wurden als Pellkartoffel mit etwas Salz gekocht. Das Fruchtfleisch war weiss mit ein paar lilafarbenen Einzügen und der Geschmack erinnerte tatsächlich an Maronen.

Kartoffel Vitelotte
Kartoffel Vitelotte – erbsen- bis fingergroß

 

Kompostwürmer verstecken sich in der Kartoffeltonne
Kompostwürmer verstecken sich in der Kartoffeltonne

Resume und Fehlersuche

Das Pflanzen von Kartoffeln auf dem Balkon hat uns Spaß gemacht. Insbesondere das Auswählen der Sorten und das Beobachten der immer größer werdenden Pflanze. Die Ernte jedoch war minimal, deshalb stellt sich die Frage, ob die geringe Ausbeute an den von uns gewählten Sorten, dem heißen Standort, der teils stark verdichteten Erde oder der Pflanzmethode lag. Vielleicht lag es auch grade an der Schläue der Gärtnerinnen – schließlich ernten bekanntermaßen die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln. Ein bisschen blöd fühlt man sich bei den Mengen aber doch. Von der Vitelotte war wohl bekannt, dass die Ernte nicht sehr groß ausfällt. Vielleicht wurde auch zu spät gepflanzt und zu früh geerntet.

Wem nicht nur die Beobachtung des Wachstumsprozess wichtig ist, sondern auch eine große Ernte erwartet, der sollte vom Experiment Kartoffel auf dem Balkon absehen. Insbesondere der große Platzverlust, durch den Pflanzsack und durch die Tonne ist in Anbetracht der kleinen Ernte bitter, vielleicht versuchen wir es im kommenden Jahr noch mal mit einer kleineren Lösung.

Vor dem Hintergrund des mäßigen Erfolges interessiert uns natürlich besonders welche Erfahrungen ihr bisher mit dem Kartoffelanbau gemacht habt. Habt ihr schon Sorten gefunden, die eine besonders gute Ernte erbracht haben? Oder habt ihr vielleicht eine andere Pflanzemethode gewählt, wir freuen uns auf eure Meinung.

Setzt jetzt noch Frühjahrsblüher und startet bunt ins neue Jahr

Fruehjahrsblueher

Gibt es einen schöneren Moment, als nach vielen dunklen Monaten, Regen und Frost endlich grüne Spitzen in den Beeten zu entdecken? Nichts weckt meine Vorfreude auf den Frühling stärker, als das Erscheinen von Krokus, Schneeglöckchen und Co. Deshalb habe ich mich auch 2017 ins Beet und auf den Rasen begeben, um Frühjahrsblüher zu setzen. Hier unsere Auswahl und eine kleine Pflegeanleitung.

Welche Frühjahrsblüher eignen sich für Rasenflächen und Halbschatten?

Für das Setzen der Blumenzwiebeln hatte ich mir in diesem Jahr zwei verschiedene Standorte ausgeguckt. Einerseits wollte ich die Rasenfläche vor unserem Haus weiter in ein kleines Frühlings-Blütenmeer verwandeln. Andererseits sollte dieses Jahr auch nicht das Beet vor unserem Haus zu kurz kommen. Während die Rasenfläche wunderbar in der Mittagssonne liegt, ist die Fläche vor unserem Haus an den meisten Stellen halbschattig bis schattig. Gebraucht wurden also: ein schattenverträglicher Frühjahrsblüher und Pflanzen, die sich im Frühjahr gut durch unsere Rasenfläche kämpfen. Nach ausgiebiger Recherche entschied ich mich in diesem Jahr meine Blumenzwiebeln bei der Staudengärtnerei Gaißmayer zu bestellen. Diese Gärtnerei hat wirklich ein riesiges Angebot von Blumenzwiebeln und beschreibt diese mit viel Fachwissen und Liebe. Auch Service und Lieferung waren top.

Eranthis – die Winterlinge

„Erster“ schreien die Winterlinge im Frühjahr, wenn sie noch vor Schneeglöckchen und Krokus ihre gelben Blüten aufblitzen lassen.  Als Halbschatten liebende Frühjahrsblüher, die sich oft unter Sträuchern und Bäumen finden lassen, ist der Winterling die perfekte Wahl für das Beet vor unserem Haus. Dass der Winterling auch unter Bäumen und Sträuchern so gut wächst, verdankt er seiner kurzen Vegetationszeit. Schon bevor sich das Blätterdach von Bäumen und Sträuchern schließt, zieht sich der Winterling in die Erde zurück. Auch den Insekten kommen die Winterlinge zu Gute, sehr gerne nehmen Bienen die Blüten als eine der ersten Nahrungsquellen an. Wie wichtig Frühjahrsblüher für unsere Wildbienen sind, haben wir euch im letzten Jahr erzählt.

Fruehlingsblueher Fruehjahrsblueher Winterling
Die Knollen der Winterlinge müssen über Nacht in Wasser eingeweicht werden.

Damit der Winterling auch gut an seinem Standort wachsen kann, ist es notwendig die kleinen Knollen über Nacht im Wasser quellen zu lassen. Sind die Knollen zu trocken können sie nicht austreiben. Der Winterling wird in einer Tiefe von 5-7 cm in lockeren nicht zu trockenen Lehmboden gesetzt. Da sich Winterlinge gut vermehren solltet, ihr darauf achten, dass ihr sie keinesfalls an Orten ansiedelt, an denen ihr sie wieder entfernen möchtet. Einmal gepflanzt, breitet sich der Winterling stark aus. Ist der Winterling gepflanzt, verträgt er gut eine kleine Schicht Kompost als Winterschutz, daran ist jedoch in einem Mehrfamilienhaus nicht zu denken. Dieser Tipp ist also eher für die Eigenheim- oder Schrebergartenbesitzer unter euch.

Crocus Minimus „Spring Beauty“ und Crocus tommasinianus „Roseus“

Während viele Frühjahrblüher nur lockeren Boden in Beeten tolerieren, kämpft sich der Krokus seit Jahren ohne Probleme durch unsere Rasendecke. Ich habe mich in diesem Jahr für zwei unterschiedliche Sorten entschieden den Crocus minimus und den Crocus tommasinianus. Der Crocus Minimus macht seinem Namen alle Ehre und wird nur kleine sieben bis acht Zentimeter groß. Aber seine Blütenpracht, geprägt von zart und dunkel lila, ist umso größer. Ich hoffe, dass sich der kleine Star bei uns im Rasen durchsetzen kann. Der Erfahrung nach sind es vor allem die niedrigen Sorten, die auch bei einem Frühlingsregen standhaft bleiben und lange Freude machen.

Der Crocus tommasinianus „Roseus“ wird auch Elfenkrokus genannt und überzeugt durch seine zauberhaften intensiv rosa gefärbten Blüten. Lässt man in an Ort und Stelle schalten und walten, wie er möchte, dann neigt er dazu, nach einigen Jahren schöne dichte Krokuswiesen zu bilden. Interessant zu wissen ist, dass Krokusse bei Setzen durch ihre Zugwurzeln Einfluss auf ihre Tiefe nehmen können. Solltet ihr die Blumenzwiebeln nicht in der perfekten Tiefe gesetzt haben, regulieren die Pflanzen dies nach. Wer Zentimerangaben beim Graben nicht gut abschätzen kann, kann sich die Zentimeter (z.B. 5 cm, 10 cm, 15 cm, 20 cm) zunächst mit einem dicken Wasserfesten Marker auf seinem Pflanzschäufelchen markieren. So kann man sich kaum noch verschätzen.

Fruehjahrsblueher Fruehlingsblueher Rasen platzieren

Kein Frühling ohne Narzissen

Für mich dürfen Narzissen auf einer Frühlingswiese nicht fehlen. Deshalb habe ich auch in diesem Jahr ein paar Narzissen gesetzt. Ich bevorzuge niedrige Sorten, da sich diese wie auch die Krokusse bei einem Regen deutlich wackerer schlagen und nicht so leicht umknicken. In diesem Jahr habe ich die Sorte Narcissus „Stint“ gesetzt, die zu den Engelstränen-Narzissen gehört. Während die Narzissen, die ich in den letzten Jahren gepflanzt habe dunkelgelbe Blüten haben, zeichnet sich die Sorte Stint durch zart gelbe Blütenaus. Die Staudengärtnerei Gaißmayer formuliert es so: Sie erinnern an den italienischen Likör „Limoncello“. Ursprünglich kommt diese Sorte in England und Portugal vor und verwildert an Stellen, die ihr gefallen gern.

Pflege der Frühjahrsblüher

Wer das Pflanzen der Frühlingsboten im Oktober verschwitzt hat, der hat im November und Dezember noch Zeit dies nachzuholen. Je später im Jahr die Zwiebeln gesetzt werden, um so wichtiger ist es, dass sie eventuell mit Laub oder Kompost anschließend bedeckt und geschützt werden.

Gerne neigt man beim Pflanzen von Blumenzwiebeln, diese wie kleine Zinnsoldaten aufzureihen. Damit das Pflanzbild schön aussieht, kann man z.B. die Zwiebeln nah über dem Boden in die Luft werfen und erhält so eine natürliche und nicht zu akkurate Anordnung. Solltet ihr sehr lehmige und schwere Böden haben, ist es manchmal sinnvoll den Boden mit Sand aufzubessern. Während dem geneigten Gemüsegärtner bei dem Wort „Tomate“ stets ebenfalls das Wort „Starkzehrer“ in den Kopf kommt, denkt man bei Blumenzwiebeln jedoch nicht so sehr ans düngen. Da z.B. Narzissen zu den Starkzehrern gehören, ist es sinnvoll diese ab dem Zeitpunkt der Grünausbildung bis zur Beginn der Blüte regelmäßig mit Volldünger zu versorgen.

Kann das schon weg, oder muss das bleiben?

Während die Frühjahrsblüher in ihrer vollen Pracht das Gärtnerherz höher schlagen lassen, sehen sie recht unansehnlich aus, wenn sie verblüht sind und nur noch ihr Blattwerk zeigen. Damit die Pflanzen jedoch auch im Folgejahr gut wiederkommen und die Zwiebeln genug Nährstoffe aufnehmen können, ist es wichtig, dass ihr wartet bis die Blätter eingezogen werden. Ich muss immer darauf hoffen, dass unsere Gärtner Einsicht haben und um die schöne Blüten- und Blattpracht herum mähen.

Was kommt dieses Jahr bei euch in die Erde? Welcher Frühlingsblüher darf bei euch nie fehlen? Welche Probleme hattet ihr eventuell auch schon mit den bunten Boten? Wir sind auf eure Kommentare gespannt.