Wildkräuterpesto selbstgemacht – aus Giersch

Bei vielen ist er als berüchtigter Gärtnerschreck verschrien: Der Giersch (Aeropodium podagraria). Immer wieder rausgerupft, mit Blatt, Stiel und Wurzel wuchert er einfach weiter. Naturliebhaber und -liebhaberinnen fragen sich eventuell warum. Für einige ist es sicherlich eine Überraschung, dass Feind oder Freund essbar ist. Einerseits kann das zu einer gewissen „Versöhnlichkeit“ mit dem Kraut führen, vielleicht birgt dieses Wissen auch einfach eine gewisse Genugtuung…

Woran erkenne ich Giersch?

Wer ihn nicht (er-)kennt: Die Blätter an ihren langen Stielen sind doppelt dreizählig und ungleich scharf gesägt. Die Blütendolden sind groß und haben weiße bis (selten) rosafarbene Blüten. Im Gegensatz zum Hecken-Kälberkopf ist er NICHT behaart. Wer ihn nicht im Garten hat, findet den Giersch in schattigen Wäldern, an Hecken, zäunen, im Gebüsch und in Wiesen, an Waldrändern, an Bach- und Flußufern oder auf Feldern. Hört sich so an, als wäre das fast überall – ist er fast auch. Wenn ihr auf die Suche nach geeigneten Kräutern geht, solltet ihr Euch auch die Fundstelle gut ansehen: Gehen hier viele mit ihren Vierbeinern spazieren? Könnte es sich um eine Altlastenverdachtsfläche handeln? Gibt es in unmittelbarer Nähe eine stark befahrene Straße? Erscheint anstrengend, eine unbekannt-würzige Note im Pesto ist aber auch nicht wünschenswert…

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Im Garten umstritten, auf dem Teller lecker: Giersch.

Was kann ich mit Giersch machen und wozu ist er gut?

Die Blätter sind gut im Frühjahr vor der Blüte verwendbar. Später entwickeln sie einen etwas herben, petersilienhaften Geschmack. Verwenden kann man den Giersch als „Spinatersatz“, z.B. zusammen mit Brennnessel oder als junges Blatt in Salaten. Ältere Blätter ersetzen Petersilie in Suppen. Man munkelt, das Kraut sei gut gegen Rheuma, bei Insektenstichen und Wunden. In einem Artikel des Blogs Utopia zu Wildkräutern wird er als entzündungshemmend, gut gegen Gicht und als reich an Vitamin C bezeichnet.

Schmeckt, wie sie heißt: KnoblauchraukeSchmeckt, wie sie heißt: Knoblauchsrauke

Wildkräuterpesto selbstgemacht

Mir quillt dieses Frühjahr das Bärlauchpesto langsam aus den Ohren, weshalb ich dieses Jahr etwas anderes ausprobieren wollte: Ein Wildkräuterpesto mit Giersch als Hauptdarsteller. Nebenakteur ist die Knoblauchsrauke (Alliaria officinalis). Und ja, Blüten und Blätter der letzteren riechen nach Knoblauch! Sie ist jedoch weniger intensiv als Bärlauch und leichter zu finden. Auch diese Pflanze wächst an etwas schattigen Stellen, wie Waldränder.

Die zwei Protagonisten
Die zwei Protagonisten: Links Giersch, rechts Knoblauchsrauke

 

Das Pesto geht jedenfalls so:

Giersch-Pesto

Zutaten

  • zwei große Handvoll Gierschblätter
  • eine Handvoll Blätter der Knoblauchraute
  • Gemahlene Mandeln (alternativ: Cashew, Haselnuss, Sonnenblumenkerne,...)
  • Salz, evtl. Pfeffer
  • Kaltgepresstes, geschmacksneutrales Öl, z.B. Raps

Zubereitung

  1. Zunächst die langen Stengel vom Giersch entfernen und zusammen mit den Blättern der Knoblauchraute kleinschneiden
  2. Mit den gemahlenen Nüssen mischen und reichlich Öl dazugeben
  3. Alles mischen und/oder mit dem Pürierstab pürieren
  4. Mit Salz (und Pfeffer) abschmecken
  5. Entweder das Pesto gleich zum Verzehr freigeben, oder es in ein (sterilisiertes) Glas füllen. Damit das Pesto im Glas länger haltbar ist, am besten noch etwas von dem Öl dazugießen und das Pesto so im Glas „abschließen“.
http://www.vonundzugruen.de/aus-dem-garten-auf-den-teller-gierschpesto/

Wildkräuterpesto im Glas
Wildkräuterpesto im Glas

Für die Virtuosen und Experimentierfreudigen…

Gut machen sich im Wildkräuterpesto auch Kräuter wie Brennessel, Löwenzahnblätter oder (wer mag) ein paar bittere Blätter Schafgarbe (regt den Stoffwechsel an, magenkräftigend). Etwas herber wird der Geschmack durch eine Mischung von Raps- mit Oliven- oder Sonnenblumenöl.

Echt lecker: Gierschpesto auf Brot.
Echt lecker: Gierschpesto auf Brot.

 

Das war’s soweit von uns – jetzt sind wir auf Eure Ergebnisse gespannt! Welche Kombi hat sich bei Euch besonders gelohnt? Was habt ihr tolles mit dem Pesto gemacht? Kommentare sind immer willkommen.

Von der Fensterbank auf den Balkon – nach den Eisheiligen!

Inzwischen heißt es auch im Garten und auf dem Balkon endgültig „Winter ade“! Denn die Eisheiligen sind endlich durch das Land gerauscht. Bis zu fünf gibt es und jedem (bzw. jeder) ist ein Tag gewidmet. Streng genommen zählen dazu Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai). Erweitert wurden sie inzwischen vielerorts um Mamertus (11. Mai) und zuletzt die „Kalte Sophie“ (15. Mai).

Nach den Eisheiligen ist vor den Eisheiligen

Allerdings beziehen sich die Tage auf den alten sogenannten „Julianischen Kalender“. Das heißt, dass sich die letzten, möglichen Kälteeinbrüche bei unserem heutigen Kalender (1582 aus der Gregorianischen Kalenderreform entstanden)  einige Tage nach hinten verschieben. Die „Kalte Sophie“ fällt laut unserem Kalender eigentlich auf den 22. Mai. Danach, so sagt die alte, bäuerliche Erfahrung, kommt es nicht mehr zu Nachtfrösten. Denn auch wenn die Temperaturen in der ersten Maihälfte schon recht hoch sein können, passiert es doch gelegentlich, dass von Norden her kalte Polarluft einströmt und es bei klarem Himmel Bodenfröste gibt.

Basilikum und Tomaten stehen auf dem Balkon bereit zum auspflanzen!
Nach den Eisheiligen können liebevoll vorgezogene Pflanzen endlich bedenkenlos auf den Balkon auswandern!

 

Balkonbegrünung en masse

Nun heißt es also auspflanzen, was das Zeug hält! Alles, was man vorgezogen hat! Also auch Tomate, Paprika, Chilli, Aubergine, Gurke, Zucchini, Basilikum, diverse Sommerblumen und mehr! Selbst ein paar Zimmerpflanzen habe ich heute rausgestellt. Am besten, man pflanzt am Morgen. Starkzehrer, wie Tomate, Chilli, Aubergine, Gurke bekommen noch eine Handvoll Langzeitdünger mit auf den Weg. Einfach vor dem Pflanzen in das Pflanzloch werfen. Und auf jeden Fall nach dem Pflanzen gut anwässern!

Eine Handvoll Dünger schadet Starkzehrern nicht.
Eine Handvoll Dünger schadet Starkzehrern nicht.

 

Nach dem Auspflanzen lassen sie sich etwas hängen - aber nicht für lange.
Nach dem Auspflanzen lassen sie sich etwas hängen – aber nicht für lange.

 

Erstaunt bin ich jedes Jahr wieder, wie schnell es dann auf dem Balkon um die Zeit durch das Pflanzen von heute auf Morgen grün wird und man wieder das Gefühl hat, dass die ganze Arbeit sich ein Stück bezahlt macht. In den nächsten Wochen heißt es dann vor allem Wässern, Pflegen, irgendwann ernten und vielleicht ein paar Samen für das nächste Jahr gewinnen…

Mont Royal – Eine kleine Moselwanderung

Mont Royal

Die Schönheit der Mosel beeindruckt nicht erst heute Weißweinkenner und Wanderer, sondern verzückte auch schon den Sonnenkönig Ludwig XIV. Dieser hatte aber nicht nur die schöne Natur, sondern auch militärische Ziele im Sinn. Ganz in der Nähe des beschaulichen Örtchens Kröv, unweit von Traben-Trarbach, liegt auf dem Berg Mont Royal die gleichnamige Festung. Wir haben in einer kleinen Wanderung die Reste der alten Anlage erkundet und einen Blick in dunkle Gänge und Gewölbe geworfen.

Die Geschichte von Mont Royal

Der französische König Louis le Grand beauftragte im Jahr 1687 seinen Festungsbaumeister Sébastien Le Pestre de Vauban auf dem Rücken des Berges bei Kröv eine beachtliche Festungsanlage zu errichten. Vauban hatte auf dem Gebiet der Befestigungsarchitektur schon Erfahrung sammeln können – 1671 hatte er nach nach mehrjähriger Bauzeit die Festungsanlage der Stadt Lille vollendet. Insgesamt umfasste das Areal von Mont Royal eine Fläche von circa 50.000 Quadratmeter. Die Höhe der Festungsmauer, die von der einheimischen Bevölkerung nur die „schwarze Mauer“ genannt wurde, erreichte eine Höhe von bis zu 30 Metern. Eine Erstürmung von Mont Royal war kaum möglich. Zu steil waren die Hänge im Osten und Westen der Anlage. Im Kern der Festung waren verschiedene Bastionen, Bollwerke und Hornwerke platziert, die ebenfalls die Festung sicherten.

So stark und stolz die Festung des französischen Königs auch war, 1689 wurde sie schon von ihren eigenen Erbauern zerstört. Ludwig XIV wollte verhindern, dass sein Vorzeigebau nach dem Frieden von Rijswijck den Niederländern oder Engländern in die Hände fiel.  Und so sind heute nur noch die Reste der Anlage erhalten.

Hinab in den Gang: Mont Royal    Licht am Ende des Tunnels: Mont Royal

Wandern am Mont Royal

Zur Wanderung am Mont Royal braucht ihr festes Schuhwerk, könnt die dicken Wanderstiefel, aber ohne Sorge im Kofferraum lassen. Alle Wege sind gut begehbar, sodass auch Sportschuhe ausreichen. Wer in der Dunkelheit schnell Angst bekommt, sollte auf jeden Fall eine Taschenlampe mitnehmen oder die Taschenlampen-App auf dem Handy Griff bereit haben. In den Gängen und Kellern der alten Festung ist es finster und je nach Witterung auch etwas rutschig. Der Weg ist mit vielen schönen Informationsschildern bestückt, sodass man nicht nur Anfassen und Erlaufen, sondern auch ein bisschen Lesen kann. Das Umschreiten der Festungsanlage geht relativ schnell und ist auch gut mit Kindern zu meistern, die sicher viel Spaß daran haben ein bisschen Mittelalter zu spielen. Wir haben einen kleinen Rundweg um die Ruine gewählt. Wer ein paar Höhenmeter zurück legen möchte, kann das Auto sicher am Fuß des Berges stehen lassen und den Schildern zur Festung folgen. Aus eigener Erfahrung sind die Wanderwege an der Mosel sehr gut beschildert.

Hier für euch unsere schönste Eindrücke

Der Wald um Mont Royal Die Beschilderung auf dem Mont Royal

Wandern am Mont Royal Obstbaumbluete am Mont Royal Durchgang Nahaufnahme Farn Mont Royal

Pausenplatz am Mont Royal mit Blick auf die Mosel Pflanzen an unserem Pausenplatz auf dem Mont Royal

Mont Royal für Geschichts-Nerds und Wissbegierige

Wer die Geschichte des Mont Royal noch genauer kennenlernen möchte, der sollte sich für eine der Führungen durch die Anlage anmelden. Führungen durch die Festungsruine finden während der Saison regelmäßig jeden ersten Samstag im Monat statt.

Moseltreffpunkt Traben-Trarbach  
Tourist-Information
Am Bahnhof 5
56841 Traben-Trarbach
Tel.: 0 65 41 / 83 98-0
Fax: 0 65 41 / 83 98-39